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J. F. Radinger.
Stets find eiferne Rohre und meift in Verticalreihen voll auf Fug geordnet angewendet, welche in der Feuerbüchfe meift( nicht immer) mit Stahlringen ver fehen find.
Stets find die Cylinderkeffel mit Holz und Blech verfchalt, der Heizmantel ift es manchmal, die Stirnwand nie.
Alle arbeiten mit dem niedrigen Drucke von 3% bis 4 Atmoſphären. Stets find die Sicherheitsventile vertheilt( eines vorne mit Feder-, das andere hinten mit Gewichtsbelaftung) am Keffel.
Die Dampfentnahme wird mit einem Regulatorhebel und einem innen am Dampfcylinder- Gufsftücke fitzenden Schieber geregelt, ohne dafs ein Rohr nach Aufsen tritt. Die Speifung gefchieht meift durch eine Pumpe mit drei Ventilen. Vorwärmung des Waffers ift überall angewendet.
Preisheizungen wurden hier während der Ausftellung fo wenig als an den ftationären Keffeln vorgenommen.
In England finden regelmäfsige Preisheizungen diefer Maſchinen ſtatt, wobei fich die Thatfache ergibt, dafs einzelne Firmen mit unglaublich kleinen Kohlenmengen( 1 Kilogramm per Stunde und gebremftes Pferd) auslangen, während andere mit faft gleichen Keffeln das Fünf und Sechsfache brauchen.
Wenn dabei nun auch felbftverftändlich die Mafchine und die Steuerung, Waffervorwärmung etc. ins Spiel kommen, fo ift doch der Hauptgrund in zwei Behandlungsweifen des Keffels zu fuchen, welche den Gewinnern bekannt und den Uebrigen( fo fcheint es) noch heute fremd find. Für's Erfte darf die Locomobile. nur kaum mit ihrem nominellen Effecte arbeiten, während die Anderen ihren Ruhm in der doppelten Leiftung fuchen. Diefs Letztere wäre nun auch den ökonomifchen Modellen möglich, indem fie folch' grofse Rofte und folch' weiten Rohrquerfchnitt haben, dafs die andernorts gewünſchte und benöthigte Forcirung gleich gut anginge. Wo aber die Dampferzeugung und daher die Feuerung mäfsigft gehalten wird, wie es dem kleinften Effecte entſpricht, wo. pro Pferdekraft faft zwei Quadratmeter Heizfläche entfallen, finkt felbftverftändlich der relative Verbrauch an Kohle.
Zweitens wären aber die Rohrquerfchnitte für die fchwächere Heizung zu weit, und diefe werden nun durch eingefchobene Ringe gerade fo verengt, dafs eben noch das Blasrohr ein Luftminimum der Verbrennung erzieht.
Diefs wird nun wochenlang vor dem Wetttage( felbftverftändlich mit weichem Waffer im reinen Keffel) bei der unter der Bremfe arbeitenden Concurrenzmafchine ausprobirt und die lichten Ringdurchmeffer mit MillimeterDifferenzen gewechfelt. Manchmal müffen diefe Ringe vorne, manchmal hinten fitzen, um den beften Effect zu geben, d. h. die Gafe gerade fo zu ftauen, dafs fie die gröfste Wärme differenz erfahren, aber dennoch den Zug für die ftrengbenöthigte Dampflieferung geben. Nun ift aber die directe Heizfläche der Feuerbüchfe für die fchwache Heizung grofs, und die Verbrennproducte treten fchon kühler in die dünnwandigen Rohre.
Dafs aufser diefem verftändigen Vorgange, den ich darum fo ausführlich erwähnte, weil er auch für ftationäre Keffel völlig pafst, noch andere ,, Witze" geübt werden, zu Ende des Verfuches weniger Waffer im Keffel ift als zu Beginn ( was fich mit dem Wafferftands- Glafe verbergen läfst) und ähnliche Praxis im Kampfeseifer erwachfen könnte, darf man nicht vorausfetzen, nachdem diefe Verfuche unter der Obhut ausgezeichneter Ingenieure vor fich gehen.
Die englifchen Ausfteller vereinten fich aber zu dem beftimmten gemeinfamen Vorgehen: hier bei der Wiener Weltausftellung keine Heizproben vor
zunehmen.
Diefer bedauerliche Entfchlufs wurde mit der gröfsten Strenge aufrecht erhalten, und als einzelne Fabrikschefs ihre Locomobile zu vereinzelten( nicht