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J. F. Radinger.
tauchen eines Streifens Curcumæpapieres und Zufchütten von frifchem Kalkwaffer in ein Glas voll gereinigten Waffers befteht. Wird erfteres geröthet, fo kommt zu viel, macht letzteres eine Trübung, fo kommt zu wenig Kalkwaffer zu, und der Gang der Pumpe wird darnach geregelt.
Bei dem eben verwendeten Speifewaffer brauchte man circa 1/10 desfelben an Kalkwaffer und ein Filter von I Meter Durchmeffer und o.8 Meter Höhe läfst per Stunde etwas mehr als 3 Cubikmeter durch. Es hält ungefähr 14 Tage, bis es verlegt ift, wenn es nicht etwa ein plötzlicher Wafferdruck bis zur Undurchläffigkeit comprimirt. Stets find wenigftens zwei Filter für das Wechfeln noth.
Nach dem Kalkzufatze könnte noch durch eine zweite Pumpe Soda oder Chlorbarium zugefpritzt werden, um auch den Gyps zu fällen.
Diefs Ganze ift natürlich die rationellfte Art und entfernt beftimmt die fchädlichen Salze. Ob aber die Anlage- und( allerdings geringen) Erhaltungskoften, Raum etc. nicht ein Capital verlangen, mit deffen Intereffen man das Keffelputzen weitaus decken kann, und ob mögliche Störungen nicht dennoch verleidend auftreten iſt eine Specialfrage, die nicht allgemein zu entfcheiden kommt.
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Bei den Ausstellungskeffeln wurde nur c'er kohlenfauere Kalk angefchafft, daher doch des Gypfes halber das Keffelputzen( aber feltener als fonft) nöthig wurde. Der Keffelstein- Apparat von Fr. Wohnlich. In Mitte eines Dampfdomes ſteht ein unten gefchloffenes Rohr aus Weifsblech, welches von der Kopfplatte des Domes bis zum Keffelboden reicht. Oben tritt das Speiferohr central hinein und mündet nahe dem unteren Ende des weiten Rohres, in welchem das Waffer auffteigt und an deffen Oberrande es überfällt. Aufsen trägt diefes Rohr eine aufgelöthete Spiralrinne, und das Waffer foll in diefer niederkreifend feine kohlenfaueren Salze ausfcheiden und zurücklaffen, indem es bereits ins Kochen kommend die halbgebundene Kohlenfäure verliert.
Der Gyps foll dann durch Kochfalz und Catechu unfchädlich gemacht werden, welche zu gleichen Gewichtstheilen in einem gegebenen Verhältniffe zum Wafferinhalte des Keffels( ohne Analyfe?) einzubringen find.
Von Zeit zu Zeit hat der Apparat gereinigt zu werden.
Er ift wahrfcheinlich nur für kleine Keffel verwendbar, denn bei den riefigen Maffen, welche ein grofser Keffel gibt, würde er fich bald ganz begraben.
Keffelftein Gegenmaffen allgemeiner Wirkfamkeit kann es felbftverftändlich nicht geben, nachdem die Mineralgehalte der Wäffer weit von einander weichen. Der Chemiker findet wohl die paffenden Zufätze und ihre Verhältniffe zu jedem Speifewaffer, welche deffen Rückstände entweder löfen oder pulve rig machen, jedoch in der Hand des Laien find alle diefe Mittel nur eine gefährliche Arznei.
Oefter wird dann ein folches, für ein beftimmtes Waffer bewährtes, aber bei anderer Zufammenfetzung den Keffel unnöthig befchwerendes, wenn nicht gar fchädigendes Mittel von einem Unternehmer aufgefafst, mit billigen organifchen Subftanzen verunreinigt, um das„ Geheimnifs" zu bedecken, und dann Jedem verkauft, der es( über-) zahlt.
In die Ausftellung kam nur:
Die Keffelftein- Maffe von Carl König in Wien. Es ift immer erfreulich, wenn Jemand durch feine Erfindung nicht felbit enttäufcht wird, und Herr König ift fortwährend überzeugt, dafs feine Maffe zu„, 40 bis 65 Percent Erfparung an Brennmaterial und zur Verhütung jeder Exploſion bei Dampfkeffeln dient".
Diefe Maffe befteht nur aus vegetabilifchen Stoffen, und wie es ein Handelschemiker in Hamburg dem Herrn König beftätigte, enthält fie Nichts, was dem Keffel oder den Ventilen fchädlich wäre. In der Ausftellung wurde fie einmal verfucht und hat fich auch dem Keffelfteine gegenüber ähnlich verhalten.
Von den zahlreichen Atteften( hiefiger Firmen), welche während der Ausftellung darüber vertheilt wurden, war Keines unter zwanzig Jahre alt.