Dokument 
Apparate der chemischen Grossindustrie : Abdampf- und Destillir-Apparate für Laboratorien und pharmaceutische Zwecke, Eismaschinen und Apparate der Leuchtgasfabrication ; (Gruppe III) ; Bericht / von Johann Stingl, Präparator an der k.k. techn. Hochschule in Wien
Entstehung
Seite
30
Einzelbild herunterladen

30

Johann Stingl.

Bei diefem Verfahren kommt aber der wichtige Factor zu berücksichtigen, dafs hiebei kein, oder beffer gefagt, fehr wenig Theer als Nebenproduct der Leuchtgasfabrication fällt.

Die Retorten, in denen die Kohlen bei fchwacher Rothglühhitze deftillirt werden, find halbkreisförmig, aus Gufseifen und auf die gewöhnliche Art im Ofen angeordnet. Das Abzugsrohr für Gas und Oeldampf ift kurz und gleich am hinteren Ende der Retorte, damit der Oeldampf fich nicht rafch condenfiren kann. Diefe Abzugsröhren münden in eine Vorlage, worin der Theer fich condenfirt und von wo das Gas durch die Reiniger in den Gafometer geht. Auf diefem Wege mengt es fich mit jenem Gafe, welches durch Vergafung des früher erhal­tenen Kohlenöles erzeugt wird.

Diefe Oelvergafung gefchieht nun in einem eigenen Apparate, der aus drei Theilen befteht:

Aus dem Verdampfer, das ift einer keffelartigen Retorte, in welche das Kohlenöl( leichter Theer) aus dem Sammelrefervoir fliefst und den Verdampfer bis zu einer gewiffen Höhe füllt.

In diefem Gefäfse beginnt bei der niederften Temperatur des ganzen Apparates, 800 bis 900 Grad Fahrenheit( beiläufig 500 Grad Celfius), die Ver­dampfung des Oeles. Die Oeldämpfe der leichteren Oele fteigen in einem Rohre nach aufwärts in einen der Feuerung näher gelegenen Verdampfapparat, der durch eine Zwifchenwand in zwei Abtheilungen getheilt ift und fo die Dämpfe zwingt, einen gröfseren Weg zurückzulegen. Die Temperatur in diefem Die hier fich Raume beträgt 1100 Grad Fahrenheit oder 605 Grad Celfius. bildenden und nicht vergaften fchweren Oele fliefsen an dem unteren Ende des Apparates durch eine Röhre in den erften Verdampfer zurück, von wo aus die fchweren Oele überhaupt an der tiefften Stelle abgelaffen werden können.

Aus diefer zweiten Abtheilung des Vergafungsapparates ftreichen die Gafe und Dämpfe endlich in den letzten und heifseften Theil, nämlich in einen Cylin­der, der mit glühenden Holzkohlen gefüllt ift und von den Feuer­gafen der Feuerung direct umfpült wird.

In diefem Apparate findet die vollständige Vergafung ftatt und das erzeugte Gas wird unterhalb der auf einer fiebartigen Scheidewand liegenden Kohlen durch ein Abzugsrohr in den Condenfator geleitet, wo die nicht ver­gaften Oeldämpfe zurückgehalten werden und von wo das Gas feiner weiteren Reinigung und Verwendung zugeführt wird. Das condenfirte Oel wird aber­mals in den Deftillationsapparat zurückgebracht.

macht.

Wir fehen, dafs das Theeröl den entgegengeletzten Weg der Feuergafe

Dafs diefer Apparat complicirt und umftändlich bei feiner Ueberwachung ift, geht aus der Befchreibung hervor.

Die Anfichten über die Vortheile und Rentabilität diefer Methode der Leuchtgasfabrication find noch fehr getheilt. Jedenfalls fcheinen die Angaben in dem Profpecte der Ausfteller fehr fanguinifch zu fein, und man müfste ftaunen über das Verkennen des eigenen Vortheiles feitens der Leuchtgasfabriken, wenn fie fich gegen diefes Verfahren ablehnend benähmen, vorausgefetzt, dafs die Angaben, die zu Gunften des Eveleigh'fchen Verfahrens gemacht werden, fich in der Praxis bewähren.

Die Herren F. Keates und Profeffor W. Odling ftellten auf Veranlaffung der Patent Gascompany mehrere Verfuche im Grofsen in den Gasanftalten zu Barnet und Peckham, wo diefe Methode im Grofsen geübt wird, an, und gelangten zu folgenden Refultaten*.

Die Quantität und Qualität des bei niedriger Temperatur aus der Gaskohle direct gewonnenen Gafes( ,, bei einer bei Tage noch fichtbaren Kirfchrothhitze")

* Journal für Gasbeleuchtung von Dr. N. H. Schilling, 1873, März, S. 85.