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Dr. Emil Teirich.
verbeffert in völlig praktifcher Conftruction. Im Wefentlichen wird durch eine Excenterbewegung, ähnlich wie an einer Stanzmafchine, ein Kolben gehoben und gefenkt, welcher die obere Matrize des Dachziegels enthält, während die untere in die Seite eines fünfeckigen Prismas angebracht ift, in das fünf folcher Formen eingepafst find und wovon jeweilig eine andere durch intermittirende Rotation unter den Stempel gebracht wird. Ein Arbeiter belegt mit vorgefchnittenen und durch eine Thonknete homogen vorbereiteten Thonplatten die leeren Formen, während auf der anderen Seite der Mafchine ein zweiter die fertigen Ziegel abnimmt. Die Formen find in hartem Modellirgyps hergeftellt und halten je nach deffen Güte bis 3000 Preffungen aus. Die Mafchine braucht 21, Pferdeftärken zur Bewegung und erzeugt im Tage 7- bis 8000 Falzziegel, welche jedoch erft von Hand nachgeputzt werden müffen.
Die zur Firftbekrönung nöthigen Firftziegel werden entweder aus Gypsmodeln von Hand geftrichen oder auf Handpreffen erzeugt, von denen Schmerber's zweierlei Typen bauen. Der eine ift eine Spindelpreffe mit mechanifchem Frictionsräder- Antrieb, in welche die gefüllten Formen von Hand eingefchoben und ausgenommen werden, der andere, kleinfte ift eine Spindelpreffe, die auch von Hand niedergefchraubt wird. Erftere Preffe erzeugt ftündlich circa 200 Ziege! und koftet fammt Utenfilien, Referveformen etc. 1350 fl., die letztere prefst ftünd lich 100 bis 120 Stück und koftet 900 fl.
Eine recht gut gearbeitete Falzziegel- Preffe der letztbefprochenen Art ift ferner die von E. Laeis& Comp. in Trier gebaute, für Handbetrieb eingerichtete. Alle aus diefer Fabrik hervorgehenden Arbeiten zeichnen fich durch Präcifion der Arbeit aus und fo ift auch diefe Falzziegel- Preffe ein fchönes Stück. Eine auch nur irgend rentable Fabrication wird mit diefen Handpreffen freilich nie fo recht zu erzielen fein, und wir glauben, dafs mit denfelben Verfuche zur Einführung der Falzziegel bei uns in Oefterreich geradezu fcheitern müfsten.
Apparate zum Trocknen und Brennen.
Als hervorragendfte Novität unter den Brennöfen für die Zwecke der Thonwaaren- Induftrie ift der neuerliche und diefsmal fozufagen völlig gelungene Verfuch der Einführung der reinen Gasfeuerung zu nennen. Das Verdienft hiebei gebührt vor Allem dem thätigen Civilingenieur Georg Mendheim in Berlin, dann aber dem Director der königlichen Porzellanmanufactur dafelbft, dem Regierungsrathe v. Möller, der dem Erfinder diefes Ofenfyftemes beim Neubau der Por zellanfabrik in dem Thiergarten Gelegenheit gab, zum erften Male eine grossartige Feuerungsanlage von 22 Kammern in luxuriöfefter Weife auszuführen und feit December 1871 in Betrieb zu fetzen. Seither find zwölf folcher Oefen an den verfchiedenen Orten im Betriebe, fechs andere im Bau und dient diefes Syftem ebenfowohl zum Brennen von Porzellan, als auch von Steinzeug, Terracotta und Ziegeln.
Die wefentlichften Eigenfchaften diefer Brennöfen laffen fich wie folgt zufammenfaffen:
Erfolgt die Verbrennung der Generatorgafe koftenfrei mit der, den in Abkühlung begriffenen Kammern, entnommenen heifsen Luft;
Wird die heifse Verbrennungsluft aufserdem zum Vorwärmen der zunächſt gar zu brennenden Ofenkammer völlig ausgenützt.
Allen fpeciellen Ausführungen der Mendheim'fchen Oefen find diefe Principien gemeinfam, während die fpecielle Conftruction der Kammern je nach dem vorliegenden Zwecke den gröfsten Modificationen unterliegt.
Eine möglichft gleichförmige Mifchung von Gas und Luft, eine gleich mässige Vertheilung der Flamme, refpective Hitze, in der ganzen Ofenkammer