Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle.
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fehr gern angewandte Reibung wird hier nur foweit in Anfpruch genommen, als es nöthig ist, um den Sperrkegel zu bewegen.
Ein älteres Arrangement von Sellers beruhte ganz auf Reibung und man konnte ihm den Vorwurf machen, dafs es unnöthig Kraft verbrauche. Es mag wohl diefs der Grund gewefen fein, um deffen Willen es aufgegeben wurde, denn wir fahen eines viele Jahre nach feiner Anfertigung tadellos functioniren und fanden es viel einfacher.
Zum Schlufse fei nur noch bemerkt, dafs die Steuerfcheibe einen drehbaren Winkelhebel trägt, welcher durch eine Schraube mit Handrad verftellt, den Hub der Steuerftange variirt. Ausserdem ift, wie fchon oben bemerkt, die Schnur, welche den Mefferhalter hebt, mit unveränderlichem Hube an der Steuerfcheibe eingehängt. Die bezügliche Einrichtung erhellt ohne Weiteres aus der Figur 24.
Suportdrehbank.
Noch eine Mafchine von Sellers wollen wir ganz ausführlich behandeln und in ihre einzelnen Theile zerlegen, um zu zeigen, mit welcher Energie der Genannte gegen alles Herkömmliche meift unbewufst von Werkſtatt zu Werkſtatt getragene Detail zu Felde zieht. Es ift diefs feine Suportdrehbank.
Wir müffen aber für einen Augenblick den amerikaniſchen Standpunkt ins Auge faffen, um diefs recht zu verftehen. Während in England und bei uns die geraden Oberflächen der Drehbanksbetten, die Bahnen, für die Auflage der Köpfe und der Suportfchlitten Regel find, hing man noch bis vor Kurzem in Amerika an der älteren Form feft, welche ftatt gerader Flächen Vförmige fchmale Leiften, mit der Spitze nach oben, darbot. Es ist wohl nicht nöthig, bei einer Auseinanderfetzung zu verweilen, welche Nachtheile diefe ältere Form in Bezug auf Dauerhaftigkeit und Steifigkeit darbietet, und wie viel fchwerer fie herzuftellen ift, als unfere gewöhnliche, welcher die Hobelmafchine alle wünfchenswerthe Genauigkeit faft von felbft gibt.
Sie ftammt eben aus einer Zeit, wo es noch keine Hobelmafchinen gab. Trotz ihrer Mängel war diefe ältere Form in Amerika beliebt und man hing mit aller Macht des Vorurtheils daran, fo dafs es ein Verdienft unferes Ausftellers war, die ftärkere, einfachere und dauerhaftere englifche Form eingeführt zu haben.
Wenn wir in der Schraubenfchneidmafchine und Hobelmafchine principielle Neuerungen fanden, fo ift diefs in der Drehbank von Sellers weniger der Fall.
Die Drehbank ift das ältefte und am meiften gebrauchte Werkzeug und es fcheint die Praxis trotz gänzlichen Mangels einer theoretifchen Beleuchtung im Laufe der Jahre dennoch die richtigen Conftructions- und Stärkeverhältniffe getroffen zu haben, fo dafs alle guten Drehbänke einander überrafchend ähnlich find und wenig Spielraum für Erfindungen bleibt.
Neu und von Wichtigkeit find indeffen bei Sellers die Anordnung der Ueberfetzung im Spindelftock; die Einrichtung, um den axialen Druck auf die Spindel aufzunehmen, die variable Frictionsfteuerung, einige Details an der Steuerung des Suportfchlittens, die durchausgehende Lagerung der Leitfpindel, und die Einrichtung, durch welche der Reitftock immer in der Richtung erhal
ten wird.
Im Allgemeinen wäre noch zu bemerken, dafs der fchwache fchmale Suport bei uns wenig Beifall fand. Wenn Sellers dennoch diefe Conftruction, neben ähnlichen bei uns noch unmöglicheren Drehbanks- Suporten beibehält, fo hat diefs feinen Grund in den ihm mafsgebenden landesüblichen Gewohnheiten, und wahrfcheinlich auch in einem Umftande, auf den wir fpäter zurückkommen
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