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Carl Pfaff.
kann, wenn er mit der Muffe vorgefchoben wird. Hiermit wird die Verkuppelung bewirkt Der lange Hebel des Fufstritts ift ein Winkelhebel und wird durch eine ftarke Feder mit feinem vorderen Ende in die Höhe gezogen, fo dafs die Muffe mit dem Kuppelungskeil ausgelöft wird. Er ift aber durch einen vertical dicht am Ständer niedergehenden Einfallhebel, gegen welchen er fich in der verticalen Lage des letzteren ftützt, verhindert, dem Impulfe der Feder zu folgen, und mufs die Kuppelung fo lange eingelöft laffen, bis ihn diefer Hebel frei läfst. Diefs gefchieht bei jeder Umdrehung einmal, und zwar beim höchften Hube dadurch, dafs an der früher genannten feften Kuppelungsfcheibe ein Anfatz angebracht ift, der bei jeder Umdrehung einmal das obere Ende des Einfallhebels antrifft und diefen zur Seite fchiebt. In diefem Momente wirkt der lange Winkelhebel und löft die Verkuppelung aus. Die Mafchine bleibt fo lange ftehen, bis der Fufstritt neuerdings niedergedrückt wird. Wird er fogleich wieder frei gelaffen, fo tritt die automatifche Auslöfung in Wirksamkeit und die Excenterachfe macht nur eine Umdrehung. Will man die Preffe ohne die automatifche Auslöfung betreiben, fo nimmt man den Einfallhebel ab. Sie geht dann fo lange, als man den Fufstritt niederdrückt, und bleibt ftehen, fobald man ihn freiläfst.
Die Lifte der Werkzeugmafchinen aus Amerika ift nun erfchöpft und wir wollen nur noch einige intereffante Expofitionen erwähnen, welche mit unferem Fache in engem Zufammenhange ftanden und auch mitten unter den gefchil derten Maſchinen Platz gefunden hatten. Hierher gehören vor Allem die ausgezeichneten Mefsinftrumente von Darling, Brown& Sharpe, Providence R. I. Diefe Herren hatten Mafsftäbe, Schublehren, Winkel und andere einfchlägige Mefsinftrumente für den Werkstättengebrauch ausgeftellt. welche fich durchaus durch Schärfe, höchfte Genauigkeit und Schönheit der Ausführung auszeichneten.
Als charakteriftifch führen wir ein kleines Inftrument an, welches in Fig. 49, Taf. XIII, dargeftellt ift. Es befteht aus einem Stahlplättchen, welches an einem Ende einen vorfpringenden, am anderen Ende einen einfpringenden Winkel von 60° hat. Auf einer Seite ift ein englifcher Zoll in 24 Theile, auf der anderen in 32 Theile getheilt und überdiefs nochmals ein einfpringender Winkel von 60° angebracht. Nun mufs bemerkt werden, dafs man in Amerika nicht genau das Whitworth'fche Gewinde hat, fondern ein ähnliches, deffen Gänge nach einem Winkel von 60° gebildet find. Unfer Inftrument dient alfo dazu, die Gewindegänge zu controliren, und hauptfächlich, um die Gewindeftähle richtig zu fchleifen. Es ift aber auch nöthig, einen Gewindeftahl auf der Drehbank richtig einzufpannen, und dazu dient abermals unfer kleiner Controleur fowohl für Schrauben- als Muttergewinde. Schliefslich gibt der Amerikaner feiner Drehbankfpitze, dem Körner, denfelben Winkel von 60° und benützt das Inftrument dazu, um alle Körner in einer Werkſtatt mit gleicher Conicität herzustellen.
Schon bei Befprechung der Räderfchneidmafchine von Sellers thaten wir des eigenthümlichen Fraifers, Cutter" Erwähnung, welcher in Verwendung war. Nach den amerikaniſchen Katalogen fcheint es, dafs derfelbe von Brown& Sharpe herrührt, er war aber mit den Mefswerkzeugen von Darling, Brown& Sharpe ausgeftellt.( Fig. 50, Taf XIII.)
Diefer Fraifer hat die Eigenfchaft, dafs er nachgefchliffen werden kann, ohne die Form der Lücke zu verändern, welche er fchneidet. Er bietet eine Anzahl möglichft günftig geftalteter Meffer dar, welche von der Schneide ab nach rückwärts ganz gleiche radiale Querfchnitte befitzen. Die Mittellinie aller diefer Querfchnitte ift aber eine Schneckenlinie, fo dafs der Radius aller Querfchnittspunkte nach rückwärts kleiner wird. Hierdurch wird ein für Fraifer immer noch günftiger Schnittwinkel und völliges Freifchneiden der angefchlif fenen Fläche erzielt und diefe kann fortwährend nachgefchliffen werden, ohne dafs der Fraifer ausgeglüht zu werden braucht.