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Maschinen zur Bearbeitung der Metalle : (Gruppe XIII, Section 2) ; Bericht / von Carl Pfaff
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Carl Pfaff.

unverrückbare Lage der Spindel bei leichtem Gang derfelben, Ausgleichung oder Verhinderung der Abnützung, gute Aufnahme des axialen Druckes. Wir wollen nun die verfchiedenen gebräuchlichen Syfteme vergleichen, um zu fehen, wie fie diefen Bedingungen entſprechen.

Wir kennen Spindelftöcke mit konifchen Lagern, folche mit cylindrifchen und endlich combinirte, welche an einem Ende cylindrifche, am andern konifche Lager haben.

Da ift vor allem Anderen der Spindelftock vonWhitworth, Fig.64, Taf.XIX. Derfelbe hat konifche Lager. Beide laufen nach der gleichen Richtung zu und haben nur fo viel Anlauf, um eine Ausgleichung der Abnützung zu geftatten. Die Lager­büchfen find feft in den Spindelftock eingefetzt und die konifchen Laufflächen an die Spindel felbft angedreht. Der axiale Druck wird durch einen flachen Ring, welcher mittels zweier Muttern verftellbar ift, auf die Flantfche der rückwärtigen Lagerbüchfe übertragen. Angezogen wird die Spindel durch einen ähnlichen Ring, der fich gegen die andere Seite genannter Lagerbüchfe anlegt und eben­falls durch Muttern regulirt und feftgeftellt wird. Mittels diefer Ringe wird die Lage der Spindel, alfo auch ihr mehr oder weniger dichter Gang in den Lagern regulirt, und der vordere hat aufserdem noch den Zweck, den axialen Druck auf zunehmen. Das rückwärtige Ende der Spindel bleibt frei für das Aufftecken der Wechfelräder. Bei der berühmt exacten Ausführung Whitworth's, welcher alle diefe Lagerbüchfen, Spindeln und Muttern glashart und mathematiſch genau rund herftellt, haben feine Spindelftöcke erfahrungsmäfsig eine Dauer von noch nicht bekannter Begrenzung. Sie veranlaffen keine Reparaturen und bleiben ftets richtig.

Der einzige Fehler, der ihnen anhaftet, liegt in dem flachen Druckringe, der fich, wie wir bei Gelegenheit der Befprechung von Seller's Drehbank gezeigt haben, leicht verreibt.

Aber trotzdem laufen Whitworth's Spindeln mit verriebenen Druckringen noch immer gut, und es ift nur die fchwierige Anfertigung und der hohe Preis, welche der allgemeinen Anwendung im Wege ftehen.

Weit weniger Sorgfalt erfordern die allgemein üblichen Lagerungen nach Fig. 65. Die Conicität der Lager ift bedeutend gröfser als bei Whithworth, weil, wie wir gleich fehen werden, die Lage der Spindel zum Theil durch die konifchen Lauftheile felbft regulirt wird und bei gröfserem Anlaufe nicht fo leicht ein Fest­fetzen der Spindel eintritt. Die Kegel, deren Theile beide Lager bilden, ftehen einander mit den Spitzen gegenüber.

Der Lauftheil im rückwärtigen Lager ift als lofe Büchfe gebildet, welche auf die Spindel aufgefchoben und durch eine Feder an der Verdrehung gehindert ift. Diefe konifche Büchfe wird durch Stell- und Gegenmuttern regulirt, und abgefehen von dem vom vordern Ende der Spindel nach rückwärts gehenden Achfendruck wird die Spindel durch die beiden konifchen Lauftheile in ihrer Lage gehalten, der erwähnte Achfendruck aber wird durch eine Druckfcheibe aufgenommen, welche meift in einem durch zwei Säulchen oder Stützen rück­wärts am Spindelftock befeftigten Querftück angebracht ift.

Das Querftück kann auch durch anders geformte Theile, Arme, Büchfen etc. erfetzt werden. Allemal ift aber das Aufftecken der Wechfelräder gehindert und man findet die verfchiedenften Conftructionen, um diefem Uebelftande abzu­helfen, am meiften eine Reverfirvorrichtung oder Wechfelbolzen. Der axiale Druck wird durch die Druckfchraube am beften aufgenommen, indem er hier am wenigften Reibung und Abnützung hervorruft. Bei der hier befchriebenen Spindelconftruction ift zumeift nur Vorficht beim Aufpaffen der lofen konifchen Büchfe zu beobachten. Alles Andere daran ift leicht auszuführen und in Ordnung zu halten. Gehärtete und genau rund gefchliffene Lager und Spindeln find nicht nothwendig, indem fchmiedeeiferne Spindeln und Rothgufsbüchfen fchon fehr gute Refultate geben, und fo ausgerührte Spindelftöcke eine ganz refpectable