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Maschinen zur Bearbeitung der Metalle : (Gruppe XIII, Section 2) ; Bericht / von Carl Pfaff
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Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle.

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Dauer haben. In der That find fie auch die am meiften ausgeführten, und wir werden fie in der Folge mit dem Namen gewöhnliche Spindelftöcke mit konifchen Lagern bezeichnen.

Der Hauptübelftand, welchen fie mit fich bringen, befteht in der Behin­derung des Auffteckens beliebiger Wechfelräder. Man kann diefem allerdings begegnen, aber immer nur durch Geftattung eines anderen Nachtheiles, nämlich der Vermehrung von Rädern und Achfen. Ferner ift die Regulirung, welche immer gleichzeitig am rückwärtigen Lager und an der Druckfchraube vorzu­nehmen ift, ziemlich fchwierig und endlich dürfte noch das ungefällige Ausfehen der am Spindelftocke rückwärts vorftehenden Anhängfel erwähnt werden.

Alle Spindelftöcke mit konifchen Lagern, denen wir in diefem Berichte begegnen werden, laffen fich auf eine der beiden obgenannten Conftructionen zurückführen. Wenn wir uns aber die Frage ftellen, ob denn überhaupt konifch gelagerte Spindeln den cylindrifch gelagerten vorzuziehen feien, fo werden wir darauf kaum eine entfcheidende Antwort finden können. Theoretisch betrachtet, erfcheinen konifche Lager als die allein rationellen. Die Praxis aber beweift, dafs auch Spindeln mit cylindrifchen Lagern ebenfo gut befunden, ja in manchen Ländern durchaus vorgezogen werden.

Während in England faft ausfchliesslich Drehbankfpindeln mit konifchen Lagern angewandt werden, kommen in Amerika faft nur folche mit cylindrifchen Lagern vor und in Deutfchland theilen fich beide Syfteme gleichmässig in die Herrfchaft.

Wie in vielen Fällen, fo ift auch hier die Theorie auf gewiffe Annahmen und Voraussetzungen geftützt, welche in der Ausführung fchwer zu erreichen find. In der That ift die Ausführung und Erhaltung konifch gelagerter Spindeln mit Schwierigkeiten verbunden, welche einerfeits die Anfertigung überall dort ver­hindern, wo billige Preife mafsgebend find, anderfeits die Erhaltung zweifel­haft machen, wo weniger geübte und vorfichtige Arbeiter zur Verfügung stehen. Man hat auch beim Gebrauche die konifchen Lager dann nicht gern, wenn viel auf der Planfcheibe gedreht werden foll, ohne dafs die Reitftockfpitze zur Anwendung kommt. Während nämlich bei Anwendung der Reitftockfpitze mit mehr oder weniger ftarkem Achfendruck eine gewifse Elafticität fämmtlicher Theile, guten dichten Schlufs in den konifchen Lagern hervorbringt, fehlt der­felbe, fobald die Reitftockfpitze diefen Druck nicht hervorbringt und man mufs die Spindel für das Plandrehen anders reguliren, als für das Drehen zwifchen den Spitzen. Bei cylindrifchen Lagern fällt diefer Uebelftand weg, und man hat noch den Vortheil in der Hand, durch einfaches Nachziehen der Deckelfchrauben beim Plandrehen eine oft erwünſchte Bremfung der Spindel hervorzurufen.

Laffen wir die Syftemfrage unentfchieden, begnügen uns mit diefen Andeutungen und gehen direct zu den Spindelftöcken mit cylindrifchen Lagern über.

Ein folcher ift in Fig. 66 dargestellt. Während alle konifchen Lager als gefchloffene Büchfen gemacht werden, in welchen die Ausgleichung der Abnützung durch Verfchiebung der Spindel in der Achfenrichtung erfolgt, find alle cylindrifchen Lager zweitheilig und die Abnützung wird durch Zuſammen­ziehen der beiden Hälften ausgeglichen. Der axiale Druck wird ebenfo wie bei den gewöhnlichen Spindelftöcken mit konifchen Lagern durch eine Druck­fchraube aufgenommen, während die Spindel entweder durch einen Bund am vordern Lager oder durch Ring- und Stellmuttern am rückwärtigen in ihrer Lage erhalten wird. Der axiale Druck kann auch durch Druckringe wie bei Whitworth's Spindelftock aufgenommen werden, es ift diefs jedoch, trotzdem dabei das Spindelende ganz frei bleibt, nur für grofse Drehbänke zu empfehlen.

Die Druckfchraube ift meift in einem rückwärts durch Stützen gehaltenen Querftück angebracht, kann aber auch ganz dicht an den Lagerfchalen liegen, wobei dann eine befondere Uebertragungsachfe für die Wechfelräder ein­

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