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Carl Pfaff.
Diefer Reitftock ift in Fig.91( Taf.XXXIII) dargestellt, er hat gute Führung des Stofses, falls derfelbe auch im Muttergewinde gut pafst, und einfache Herſtellung für fich. Während bei dem englifchen Reitftock die Druckfchraube als fchwacher Theil erfcheinen möchte, finden wir diefelbe hier fehr kräftig ausgebildet, dagegen die Schrauben, welche den zweitheiligen Deckel halten und durch ihn den ganzen Spitzendruck empfangen, fehr in Anfpruch genommen. In Wirklichkeit. functioniren jedoch beide Arten vollkommen gleich gut, und haben die hier ange regten, nur fchwach erfcheinenden Theile niemals Anftände herbeigeführt. In der Form ift jedoch der engliſche Reitſtock entfchieden eleganter.
Eine typifche, für kleine und mittlere Drehbänke oft angewendete Conftruction repräfentirt das Schlofs Fig 92( Taf. XXXIII).
Schlofs nennen wir jene Vorrichtung, welche die Verbindung der Leitfpindel mit dem Suportfchlitten herftellt, und die verfchiedenen Bewegungen, fowie die Feftftellung des letzteren vermittelt. Das in Rede ftehende ift zufammengefetzt aus einem Schrägrade mit einfeitig gefchlitzter Hülfe, in deren Bohrung fich das Muttergewinde für die Leitfpindel befindet, und aus einem zweiten Schrägrade auf einer kurzen rechtwinklich zur Leitfpindel ſtehenden horizontalen. Achfe, welche beide in einem Winkellager gehalten find. Die kurze horizontaleAchfe kann durch eine Druckfchraube feftgeftellt werden. Ift die letztere gleichzeitig mit der Hülfe des Schrägrades auf der Leitfpindel gelüftet, fo kann mit Hilfe einer Kurbel der Suportfchlitten von Hand verfchoben werden, was natürlich wegen der geringen Steigung des Leitfpindelgewindes nur langfam vor fich geht. Um diefem Uebelftande zu begegnen, findet man oft das treibende Schrägrad gröfser, als jenes auf der Leitfpindel. Wird die horizontale Achfe feſtgeſtellt, fo ift das Schrägrad auf der Leitfpindel verhindert, fich zu drehen und wirkt als Mutter, fo dafs der Schlitten durch die Leitfpindel der Wange entlang transportirt wird. Ift endlich nur das Schrägrad auf der Leitfpindel durch Zufammenziehen feiner Hülfe feſtgeſtellt, fo wird es gezwungen, die Drehbewegung mitzumachen, welche es dann durch die kurze horizontale Achfe und aufgefteckte Räder auf die Schraubenfpindel des Suports überträgt und fo die Planfteuerung bewirkt. Beim Drehen von Hand bleibt die Leitfpindel ftill ftehen und die Fixirung des Schrägrades auf derfelben bewirkt dann auch die Feftftellung des Suportfchlittens.
Es ift nicht zu leugnen, dafs diefes Schlofs ungemein einfach ift und für kurze Drehbänke alle Functionen auf das vollkommenfte verrichtet; für längere Drehbänke würde es jedoch wegen des langfamen Handtransportes nicht zu empfehlen fein.
Faft alle Drehbänke der Chemnitzer Schule haben gekröpfte Wangen und Platten, welche in die Ausfchnitte eingelegt werden können, um dem Suportfchlitten Führung bis dicht an die Planfcheibe heran zu geben. Die Leitfpindeln find ohne Ausnahme aufsenliegend. Doppelte Bewegungsmechanismen für die Suportfchlitten find häufig, indem für das Schraubenfchneiden Leitfpindeln, für das Egalifiren und Plandrehen Antriebe mit Zahnftangen und Schnecken gleichzeitig. angebracht werden, welcher Einrichtung wir jedoch nur unter befonderen Umftänden eine Berechtigung zugeftehen können.
Wir finden ferner eine typifche Conftruction bei den Spindeln der verticalen Bohrmaschine und der Lagerung derfelben.
Die Bohrfpindel, Fig. 93( Taf. XXXIII), hat an ihrem unteren Ende den gewöhnlichen gut ausgebildeten Bohrkopf, deffen konifche Bohrung Einſatzſtücke oder Bohrftangen aufnimmt, die durch flache Fortfätze, welche in einen querdurchgehenden Schlitz eingreifen, mitgenommen werden. Der Haupttheil der Bohrfpindel ift cylindrifch und verfchiebt fich in einer langen Hülfe. Das obere Ende ift fchwächer gehalten und in der Druckfpindel drehbar gelagert. Eine Druckfchraube im Ende der Druckfpindel erfüllt hier denfelben Zweck, wie bei der Drehbankfpindel, indem fie den axialen Druck beim Bohren aufnimmt, während Stellmuttern die Bohrfpindel in der entgegengefetzten Richtung
fefthalten.