Dokument 
Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eisenbahnen : (Gruppe XIII, Section 4) ; Bericht / von Emil Tilp, Maschinen- und Werkstätten-Inspector der Kaiser Franz Josefbahn
Entstehung
Seite
15
Einzelbild herunterladen

Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen.

15

ziemlich grofs. Die Triebräder liegen hinter, die Kuppelräder vor dem Feuer­kasten.

Die übrigen Vortheile, welche der geiftreiche Erfinder feinem Syfteme vindicirt, als: Entfernung der Bewegungstheile vom Staube der Bahn, Ueberfichtlich­keit für den Führer, Identität der Cylinder, find ganz untergeordneter Natur. Trotzdem( und obwohl diefs Syftem ein geniales Experiment bleiben wird) war diefe Mafchine eine Zierde der Ausstellung und foll nicht abhalten, mit Neuem ftets wieder hervorzutreten. Warum diefs Equilibrirungsfyftem nicht an einer Eilmafchine, wo es doch von höherem Werthe wäre, ftatt an einem Zwitterding zwifchen Laft­und Perfonenmafchine verfucht wurde, ift unklar.

Die Ausführung des Ganzen entbehrte aber jener Eleganz, die uns an Aus­ftellungsmaschinen noch immer entgegengetreten ift.

Eine andere belgifche Eilmafchine, gemifchtes Locomotiv für Eilgefchwin­digkeit" benannt nach ihren Erbauern, der anonymen Gefellſchaft von Marcinelle und Couillet, war ein gekuppelter Crampton, die Triebachfe hinter; Kuppel- und Laufachfe vor dem Feuerkaften, Cylinder zwifchen letztgenannten gelegen. Ein fehr grofser Radftand befähigt fie nicht für fcharfe Curven; fie ift auch nicht fehr Stark und foll doch mit 40 Kilometer per Stunde neun Wagen über die Steigung von I: 55 ziehen, und 21 Wagen mit 60 Kilometer über 1: 200.

Bemerkenswerth ift ferner die Steuerung, wieder nach Walfchaert", jedoch mit zweitem Expanfionsfchieber. Sie iſt in der That complicirt, fo dafs den Bahnen, die bereits über 50 folcher Locomotiven befitzen, zu ihren intelligenten Bedienungs­mannſchaften nur zu gratuliren ift. Walfchaert ift durch Guinotte vermehrt. Der untere Schieber dient zur Umfteuerung, hat ftetigen Hub, der obere variirt die Einftrömung durch veränderlichen Hub. Bei der Umfteuerung wird der Expanfions­fchieber nicht alterirt; fein Mechanismus ift nahezu eine diminutive Verdopplung jener des grofsen Schiebers. Die Wellen liegen oberhalb des Feuerkaftens und gehen durch einander, indem jene der Expanfionsfchieber hohl ift.

Diefes Syftem gewährt lange Treibftangen und hätte daher eine fehr vortheil­hafte Stephenfon'fche Steuerung geboten. Die Tragfedern liegen bei Trieb- und Kuppelachfe unterhalb der Lager und find durch Balanciers verbunden. Die Hinter­köpfe der Treib- und Kuppelftangen find nach rückwärts offen.

Der Manometer ift ein transparenter, nach Rau. Die Dampffpannung blofs 8 Atmoſphären. Die Speifung gefchieht durch zwei Friedmann'fche Injectors, wie gewöhnlich mit 7 und 9 Millimeter. Der Feuerkaften nach Belpaire. Bei 23.2 Tons Gewicht und 106.680 Total- Heizfläche mufs diefes Locomotiv unter die fchwächeren gerechnet werden und darf man die erwähnte Leiftung billig anftaunen. Der Schwerpunkt der Mafchine liegt 160 vor der Kuppelachfe.

Die dritte belgifche Eilmafchine, von Tübize, zeichnete fich nicht durch Befonderheiten, wohl aber durch praktifche, einfache Anordnung und forgfame Adjuftirung aus. Die einfeitige Trägerform der Bläuel- und Kuppelftangen ift kein Fortfchritt und ebenfo unfchön als unconftructiv. Sie hat das Triebrad und Laufrad vor, das Kuppelrad unter der Belpaire'fchen Feuerbüchfe, ift alfo eine jener Conftructionen, die fich auf der Ausftellung mehrfach wiederfand. Die Frames find innen. Die Federn der gekuppelten Räder find mit Balanciers in Winkelhebeln verbunden und unterhalb der Achfen gelagert. Die Steuerung ift natürlich Walfchaert, die Reverfirung kann mittelft Schraube und Hebel gefchehen. Der vierrädrige Tender hat nur einfeitig wirkende Bremsfchuhe, die aber in einfacher Weife kräftig angedrückt werden können, indem die mit Muffen verfehenen Streck ftangen der Klötze an der einen Seite knapp vor dem Hängeifen einen kurzen Hebel tragen; die Spindel wirkt unmittelbar auf den daran befindlichen Zughebel.

Das Locomotiv Rittinger aus G. Sigl's Fabrik ift eigentlich als Verfuchs­mafchine zu betrachten. Die öfterreichische Südbahn befördert ihre Eilzüge mit