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Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eisenbahnen : (Gruppe XIII, Section 4) ; Bericht / von Emil Tilp, Maschinen- und Werkstätten-Inspector der Kaiser Franz Josefbahn
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Emil Tilp.

Das Locomotiv der Mont Cenis- Tunnelbahn, erbaut von Köchlin in Mühlhaufen( Elfafs), ift von den ftärksten Verhältniffen, nach Borfig'fchem Mufter, jedoch mit Innenframen und Aufsenfteuerung.

Mit eben folcher Räderanordnung, Innenframes und Innenfteuerung( Allan) war die durch Rufsland ausgeftellte Perfonenmafchine der grofsen ruffifchen Eifenbahn- Gefellfchaft, erzeugt in deren Petersburger Werkstätten. Die Tragfedern des vorderen und mittleren( Trieb-) Räderpaares find mittelft ungleich­armigem Balancier verbunden, fo dafs das gröfsere Gewicht der Laufachfe ent­fpricht. Auch die Federn der beiden Vorderachfen des fechsrädrigen Tenders haben Balanciers. Kuppelachfe und gemeinfchaftliche Querfeder wie bei der Ege­ftorff'fchen Mafchine.

Am reichhaltigften war die Gattung der Locomotiven für Güterzüge und Stationsdienst normaler Hauptbahnen in der Ausftellung vertreten. Mächtige Giganten für Gebirgsbahnen bis zu Laftmafchinen zweiten Ranges, mit gröfster Leiftungsfähigkeit dürften nicht oft in fo verfchiedener Geftalt bei einander gefehen werden.

Den gröfsten Colofs hatte wiederum Belgien gebracht mit feiner zwölf­rädrigen Type Meyer", den verbefferten Nachfolger des" Avenir". Ueber die Originalität diefes Syftems und deffen Aehnlichkeit mit der Type Fairlie ift bereits gefprochen worden und ift diefes Tenderlocomotiv nur mehr bemerklich durch die geniale Detailconftruction und das Studium, dem diefe forgfältigft unterzogen worden ift.

Es besteht aus einem mächtigen Keffel mit 2-896 Meter langer Feuer­büchfe und 5.500 Meter langem Cylinder, ruhend auf drei Punkten zweier beweg­lichen Drehgeftelle, jedes mit fechs gekuppelten Rädern, deren äufserfte die Trieb­räder find, zwei Dampfcylindern und äufserer Steuerung nach Walfchaert. Die Wafferkäften liegen zu beiden Seiten des Keffels, unabhängig von den Unter­geftellen.

Das Vordergeftell trägt einen fphärifchen Drehzapfen, durch deffen Höh­lung die gemeinfchaftliche Dampfausftrömung ftattfindet; auf das rückwärtige drückt der Keffel mit zwei feitlichen Zapfen in Schlittenführungen, befeftigt an der Feuerbüchfe. Verbunden find beide Geftelle mittelft der Stradal'schen Kupplung, fo dafs bei jeder Fahrtrichtung immer eines derfelben gezogen wird, welches Kuppelfyftem auch an beiden Zughaken angewendet ift. Die Kuppelftange geht durch einen hohlen Puffer, der den Geftellrahmen gemeinfchaftlich ift. Die Räder­anordnung und die der Federn ift fymmetrifch, ebenfo die zu einander ftehenden Cylinder. Die Entfernung der Stützpunkt- Mittel ift o 150 Meter vor und hinter den Mittelachfen. Für die Verfchiebung des Hintergeftells in Curven ift ein begrenztes Längenfpiel in den Gleitfupporten vorhanden.

Die Dampfabnahme gefchieht aus einem Dome mittelft zweier Regulator­fchieber, deren jeder für fich oder beide zugleich bewegt werden, fo dafs jeder der Doppelmechanismen nach Belieben getrieben werden kann. Senkrechte Rohre mit Kugelgelenken reichen an die horizontalen Verbindungsrohre je zweier cor­refpondirender Schieberkaften. Das senkrechte Rohr verfchiebt fich innerhalb eines Gelenkkaftens in fenkrechter Richtung auf dem Stutzen des horizontalen Rohres. Die Verbindung der Ausftrömungsrohre der vier Cylinder gefchieht auch durch Gelenke.

Das Locomotiv hat dreierlei Bremfen: erftens die Lechatelier'fche; dann werden die Hinterräder des rückwärtigen Geftells mittelft Schraubenbremfe ge­ftellt, endlich wirkt eine Dampfbremfe auf das Vordergeftell derart, dafs der Kol­ben eines Cylinders mittelft Querbaum auf die Bremshebel wirkt; das Aus- und Einftrömen des Dampfes in den Cylinder gefchieht durch das nämliche Rohr. Um das Federfpiel beim Bremfen nicht zu beeinträchtigen, find die Hängeifen mit Kautfchuk verfehen.