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Emil Tilp.
Die beften Verhältniffe, befonders der directen Heiz- und der Roft- zur Totalfläche hat entfchieden G. Sigl's Semmeringmafchine, und ihre Leiftung wird auch trotz der kleineren Gefammt- Heizfläche und des um drei Tons geringeren Gewichtes, da fie zudem den kleinften Radftand hat, unübertroffen fein. Nach Angabe der Südbahn werden die Züge auf den Gebirgsftrecken nicht mehr getheilt und befördern diefe Locomotiven bei fehr ökonomifchem Brennftoff- Gebrauche die Laft von 400 Tons mit 15 Kilometer Gefchwindigkeit per Stunde auf Steigungen von 1: 40( Semmering und Brenner), jedoch mit Hilfe von Schiebemaſchinen.
Bei allen diefen Locomotiven ift die dritte Achfe die Triebachfe, die Hinterachfe feitlich verfchiebbar. Die Rahmen liegen innen bei denen von Creuzot, Haswell, Chemnitz und der Semmeringmafchine.
Aufsenfteuerung haben Creuzot und die Semmeringmafchine, an allen iſt die Stephenfon'fche.
Die Speifung gefchieht, wie diefs in Frankreich üblich, an Creuzot's Locomotiv durch einen links angebrachten Injector und eine rechts durch Excenter von der erften Achfe aus getriebene Kolbenpumpe; das letzte Räderpaar ift mittelft Spindelbremfe an den hinteren Seiten bremsbar. Es find vier Probirhähne und zwei Wafferſtände des weiten Keffels wegen vorhanden. Die Kuppelſtangen haben beide, wovon die Hälfte überflüffig, in fenk- und wagrechter Linie drehbare Charniere. Zum Tender führen die bei uns wenig mehr gebräuchlichen Gummifchläuche. Der Raddurchmeffer ift eben auch grofs, die Augen der Schleif bogen der Steuerung trotz langer Excenterftangen unvortheilhaft zufammengerückt. Es ift intereffant, dafs diefe Bauart nach fo vielen Jahren nach dem Lande zurückkehrte und dafelbft zur Anwendung für jene fpeciellen Zwecke gelangte, wo und für welches diefelbe erfunden worden.
Die öfterreichifche Semmeringmafchine trägt an den Federn der Hinterachfe einen Querbalancier; die Sandkäften find unter dem Keffel nahe der Rauchkammer zwifchen den Frames angebracht. Die ungarifche von G. Sigl erbaute Mafchine hat für die zwei Mittelachfen gemeinfchaftliche Tragfedern und Balanciers, fo das Haswell'fche Locomotiv und das Chemnitzer für die beiden letzten Achfen. Die Achfen liegen vor den Feuerbüchsen, die dritte ift Triebachfe. Die Ausführung aller diefer Achtkuppler war tadellos; mit einem ganz exquifiten, koftfpieligen, nur für die Ausftellung berechneten und, offen gefagt, überflüffigen Glanze ausgeftattet aber das Locomotiv von Creuzot.
Von den fich anfchliefsenden Sechskupplern war Haswell's ,, Stainz" der bemerkenswerthefte, weil er vielfache Abweichungen von der Norm zeigt. Der Keffel ift, entgegen dem Gebrauche, fammt Feuerbüchfe über die Rahmen emporgehoben, an welchen letztere frei aufgehängt ift. Die hohe Schwerpunkts- Lage wird nicht für fchädlich gehalten- bei Laftmafchinen wohl angängig. Diefe Anwendung gefchah aus dem Grunde, um einen mächtigen, breiten, nicht durch die Rahmen begrenzten Roft zu erzielen, da der Radftand gegeben und ein ftarkes Ueberhängen zu vermeiden war. Die Führung der Achslager gefchieht in der am Anfange erwähnten centralen Weife. Die Federn der Vorder- und Mittelräder haben Balanciers. Vier Sandkäften bedecken die Vorder- und letzten Räder. Die Injectoren nach Fink's Syftem find auf der Plattform angebracht. Die Rahmen lieger innerhalb, die Steuerungen aufserhalb der Räder, das Reverfiren gefchieht mittelft Schraube, der innere Feuerkaften hat die Haswell'fche gewellte Decke. Die letzte Achfe, zugleich Triebachfe, liegt unterhalb des fchief abgefchnittenen Afchenkaftens. Die Sechskuppler( mit Tender), von G. Sigl, Maffei, Egeftorff, Cockerill, aus Caffel und aus Petersburg find durchwegs Locomotiven von trefflichen Conftructions- Verhältniffen und fehr guter Ausführung. Die Sigl'fche Mafchine ,, Hall" trägt einen Schmierapparat an den Aufsenrädern, der aus einer mit Unfchlitt gefüllten Zinkblech- Hülfe befteht, die, unter 45° geneigt, an der Hohlkehle des Spurkranzes anfteht und beim Durchlaufen der Curven in trockenem Wetter fich