Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen.
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find, mag man es nicht allzufcharf mit der hier getroffenen Eintheilung nehmen, welche die folgenden Locomotiven für fecundäre Zwecke erbaut denkt, obwohl mehrere der im Vorhergehenden Abgehandelten vielleicht auch hieher paffen würden.
Es waren zehn folcher Locomotiven, wovon je zwei aus Oefterreich und England, je eins aus Belgien und Frankreich, vier aus Deutfchland. Ihr Dienftgewicht variirt von 6 bis 20 Tons, die Heizfläche von 8 bis 46 Quadratmeter. Eins war achträdrig, eins fechsrädrig gekuppelt, eins fechsrädrig, wovon vier Kuppelräder, alle anderen vierrädrig gekuppelt. Es find mit Ausnahme des Achtkupplers durchwegs Tendermaſchinen, zwei mit ftehendem Keffel. Sonft beftehen die Hauptverfchiedenheiten in innerer oder äufserer Steuerung, in feitlicher, oberer fattelförmiger, oder unterer innerer Situirung der Wafferkäften. Die Rahmen find sämmtlich innerhalb der Räder, die Cylinder aufsen gelagert.
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Das ftärkfte hierunter ift der Orient", aus der Fabrik der Staats- EisenbahnGefellſchaft in Wien, fonft ganz nach dem normalen Sechskuppler Stainz conftruirt durch Haswell. Unter ihren vier gekuppelten Achfen ift die letzte um 35 Millimeter feitlich verfchiebbar, die Tragfedern der vorderen zwei, ebenfo wie der rückwärtigen zwei Räderpaare find durch Balanciers, die Letzteren ebenfo querüber verbunden. Achslager- Conftruction und Feuerdecke find nebft dem Keffelftein- Apparat fo wie bei der fchon genannten„ Stainz". Die Steuerung iſt aufsen, Lechatelier's Bremfe ift vorhanden, ein vierrädriger Tender beigegeben.
Ob die hohe Keffellage hier abfolut anzuwenden nöthig war, wie es felbft bei dem gröfseren Sechskuppler vielleicht hätte vermieden werden können, mag bezweifelt werden, da die Schwankungen der weit vom Schwerpunkt entfernten Maffen doch zweifelsohne wachfen müffen und ihnen gröfsere Wege geboten find. Da der Radftand, verhältnifsmäfsig betrachtet, gröfser ift als dort, hätte die Roftfläche durch Verlängerung, ohne Nachtheil in der gewünſchten Gröfse, ähnlich wie bei den normalen Achtkupplern gewonnen und der Keffel bedeutend tiefer gelegt werden können.
Das Locomotiv„ Hungaria" des Banater Eifenwerks Refchitza, Syftem Haswell, hat bezüglich des Roftes und der Feuerbüchfe die gleiche Anordnung, auch gleiche Achfenlager- Führung; die Wafferkaften find zwifchen, die Steuerung ( Allan) aufserhalb der Rahmen, die Kohlen auf der Heizerfeite. Bei den Stangen ift der runde Querfchnitt vorherrfchend.
Das für das Petroszenyer Kohlenwerk erbaute Tenderlocomotiv der Carlsruher Mafchinenfabrik hat gute Verhältniffe. Steuerung aufsen, Cylinder und Schieberkaften horizontal, letzterer nach Aufsen geneigt, die Triebräder beiderfeits bremsbar, die Wafferkäften feitens des Keffelcylinders. Der Feuerkaften hat die alten üblichen Träger und bewegt fich in den Frames mittelft gufseifernen Schlitten mit Metallfutter. Der Keffel ruht auf drei Federn, da jene der Triebachfe querüber liegt. Die Räder find wie bei faft allen diefen kleinen Mafchinen aus Scheiben von Gufseifen mit Stahlreifen.
Ein kleines Locomotiv mit ftehendem Keffel, oberhalb der Vorderräder liegenden fchiefen Cylindern, ftammte aus der Mafchinenfabrik der Harzer Werke in Zorge. Das vordere( Kuppel-) Rad ift an der Aufsenfeite bremsbar. Die Steuerung ift höchft einfach, mit einem Excenter; die Umfteuerung gefchieht mittelft befonderer Steuerfchieber.
Das Wafferrefervoir fitzt vor dem Keffel zwifchen und auf dem Rahmen, der Kohlenraum ift hinten am Plateau des Führers. Zwei Injectoren„ Schau" liegen an der unteren Pufferwand ebendafelbft. Zur Vergröfserung des Raumes und Erzielung trockenen Dampfes ift über der oberen Bodendecke des Keffels noch ein hohler Ring hergeftellt, welcher durch Oeffnungen in der Oberdecke mit dem Keffel
communicirt.
Die Stärke wird auf 23 Pferdekräfte, die Zugkraft auf 150 Tons horizontal, 42 Tons auf 1: 100 Steigung angegeben.
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