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Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eisenbahnen : (Gruppe XIII, Section 4) ; Bericht / von Emil Tilp, Maschinen- und Werkstätten-Inspector der Kaiser Franz Josefbahn
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Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen.

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Wagen.

Die in der Mafchinenhalle, in verfchiedenen Annexen, im Mont Cenis- Tunnel und bis im Sanitätspavillon zerftreute Collection der Perfonen-, Lazareth-, Gepäcks-, Poft, Hilfs- und Laftwagen aller Gattungen umfafste etwa fechzig Objecte und mehre Modelle. Oefterreich und Deutfchland hatten jedes ein Drittel diefer Zahl ausgeftellt, der Reft vertheilte fich in einzelnen Exemplaren auf Frankreich, Bel­gien, Italien, Rufsland und die Schweiz. Nebftdem hatte Amerika einen neuen Tramwaywagen gebracht.

Sehr fchöne Salonwagen für Zwecke des Hofes oder gefchloffener Gefellfchaften waren erfchienen in der öfterreichifchen, deutfchen und belgifchen Abtheilung. Mit gröfstem Aufwande und wahrhaft künftlerifcher Ausstattung iſt der in der Wiener Südbahn- Werkstätte ausgeführte Jagd wagen des Monarchen erbaut. Der Wagen ift vierrädrig, hat englifche Holzfcheiben- Räder, die bei der Südbahn üblichen Lager für Starrfchmiere und einfache Federn. Ein durch zwei Treppen befteigbares grofses Plateau ift durch grofse, herabzulaffende, mit Vor­hängen verfehene Spiegelfcheiben eingefafst, Plafond und Rückwand mit Seiden­tapeten, bemalt mit Objecten der Jagd und kaiferlichen Jagdhütten, ausgeftattet mit Sculpturen, Ornamentik und Malerei, die durchwegs fich auf diefen Sport beziehen. Eine Mittelthüre führt in den Salon mit prachtvoller Decoration und befonders fchönem Plafond. Ein verfenkbarer Ofen wird behufs der Heizung mit Briquettes gefüllt. Den Schlufs bilden Abtheilungen für die Toilette.

Arbeit und Ausführung find ebenfo forgfältig als koftfpielig; die einfachen und doch angemeffenen Aufsenfeiten laffen die innere Pracht nicht ahnen.

Minder koftbar, aber gleich gediegen ausgearbeitet, ift ein Perfonenwagen I. Claffe mit Schlafcoupé, eigentlich Salonwagen, der Grazer Waggonfabrik vormals Weizer. Der Kaften ruht mittelft zehn Confolen auf Kautfchukfcheiben und ift durch die Reiffert'fchen Schwungarreten gefichert. Er enthält einen Salon mit zwei mechanifchen Schlafftühlen, Toilette und Clofet mit Wafferrefervoir auf dem Dache und mit fchmalen, fich automatifch nach beiden Seiten öffnenden Thüren, ein Coupé erfter Claffe mit fünf und eines mit drei Sitzen, endlich ein Plateau mit Geländer. Die Räume find mittelft Thüren verbunden, nur das Batard- Coupé ift ifolirt; deffen Sitze find in bekannter Weife herauszufchieben, während die Stirn­wand umfchlagbare Klappen enthält. Mit den herausgefchobenen Sitzen legt fich auch die Unterhälfte der Rücklehne nach vorwärts. Der Wagen hat die Lufthei­zung von Thamm und Rothmüller, Luftventilation ift mittelft doppelter Dachver­fchalung und Schieber hergeftellt. Wie die Decoration und Ausftattung gefchmack voll, ift die Arbeit folid und elegant.

Der Salonwagen der Waggonfabrik Bubna enthält einen über 7 Quadrat­Meter grofsen Salon an einem, eine kleinere Schlafabtheilung mit zwei Divans am anderen Ende, in der Mitte die Einfteigthüren und einen 895 breiten Gang über die ganze Wagenbreite, von dem eine Thür in den Salon, ein 690 breiter Gang zum Schlafraum führt. Zu beiden Seiten diefes Ganges find Toilette und Clofet. Die Ausftattung diefes Wagens ift einfacher, die Eintheilung zweckmäfsig, die Thamm'fche Heizung vorhanden.

Bemerkenswerth war der Perfonenwagen I. Claffe( eigentlich aber Salon­wagen) der vereinigten Schweizer Bahnen, von Rathgeber in München. Er vex­einigt das Coupé- mit dem Durchgangfyftem in eigenthümlicher Weife und enthält aufserdem mehrere ungewönliche Anordnungen, ift mit Ausnahme des Fussbodens und Kaftengerippes ganz aus Eifen erzeugt, Eifen fogar die Fenfterrahmen; die zwei Räderpaare mit 4.500 Meter Radftand haben nach der Längenrichtung 012 Spiel, und find durch eine Art Kreuz- und Querverbindung, ausgehend aus der Mitte der