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Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eisenbahnen : (Gruppe XIII, Section 4) ; Bericht / von Emil Tilp, Maschinen- und Werkstätten-Inspector der Kaiser Franz Josefbahn
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Emil Tilp.

Feder Hänglafchen, zu einem Geftell verbunden, und zwar in entbehrlicher Weife, umfomehr als fich die Achfen nicht in allen Lagen, beim Ein- und Aus­fahren in Curven, richtig einftellen können, und das übliche Spiel bei fteifen Achfen und feftgekuppelten Wagen zur ftetigen Führung ausreicht, und als endlich auch bei der Kaftenlänge von blofs 8.650 Meter ein kleinerer Radftand für fchärfere Curven hätte gewählt werden können. Sobald beide Achfen in der Curve find, werden fie fich wohl allerdings radial ftellen. Man gelangt in den Wagen durch zwei diametral entgegengefetzte Eifentreppen mit halbrundem Abſchnitte und zwei gewöhnliche, die auf die Endplateaux und mittelft 2.075 Meter langer, 700 breiter, fenkrecht zum Plateau ftehender kurzer Seitengallerien ins Innere führen. Den Mittelraum des Kaftens nimmt ein 2'940 Meter langer Saal der ganzen Breite nach ein, aus dem drei Thüren auf die Seitengänge und zur Toilette führen. Aufserdem ift ein Coupé für fechs und eins für drei Sitze vorhanden. Beide wegen der Aufsengänge nur 2'120 Meter lang. Die lichte Kaftenbreite beträgt 2.870 Meter, über die ganze Länge reicht ein Oberbau mit Seitenlicht, 1500 Meter breit. Da der Wagen nur für kurze Touren beftimmt ift, befitzt er keine Schlafeinrichtungen. Von beiden Plateaux führen Charnierbleche zum nächsten Wagen. Ausftattung und Arbeit, namentlich die Holztäfelung exquifit; fchlecht pafst die, noch dazu von Innen aus zu bewerkstelligende Beleuchtung mit Petroleum. Die durch die eifernen ( broncirten) Fenfterrahmen etwas fchweren Fenfter find durch Gegengewichte, die zwifchen den Fensterpfeilern über zweckdienlich grofse Rollen laufen, equilibrirt. Die Kloben der Nothketten find hinter der Bruft durch Stangen und Winkelhebel verbunden und balancirt.

Der fechsrädrige Salonwagen der Compagnie belge pour la conftruc­tion de machines et de matériels de chemins de fer zu Brüffel gewährt mit feinem 10 450 Meter langen, 2.500 Meter breiten, 2.600 Meter hohen Kaften eine bequeme Eintheilung, die denn auch gut getroffen fcheint. An jeder Stirnfeite ift ein Raum für Toilette und Clofet, anftofsend einerfeits ein Damen-, anderfeits ein Herrencoupé mit der fpäter zu befchreibenden Nagelmaker'fchen Schlafeinrich­tung. Neben dem Damen- Coupé ift der Gang über die ganze Wagenbreite, mit den Einſteigthüren beiderfeits und einfachen Sitzen für die Diener. Den reftlichen Mittelraum nimmt ein grofser Salon mit zwei als Doppelbetten einrichtbaren Schlafdivans, Tifchen und Fauteuils ein. Durch den ganzen Wagen ift der Durch­gang mittelft Charnierthüren hergeftellt. Die Heizung gefchieht mittelft acht Weingeift- Lampen, aufsen angebracht; ein Rohr führt unter dem Kaften, welches die Aufsenluft aufnimmt und fie erwärmt durch Oeffnungen in kupfernen Platten nach Innen abgibt. Die Ventilation wird durch Apparate im Dache hergeſtellt, die Beleuchtung gefchieht durch Oel. Die Ausftattung ift gediegen, die Wahl der Stoffe und Deffins im Salon Sache des individuellen Gefchmacks.

Das Traggerippe ift von Eifen, die Träger in U- Form. Radftand 6400 Meter die mittlere Achfe feitlich verfchiebbar, die Tragfedern 2000 Meter lang, Gewicht des Wagens 13 Tons.

Ein unfcheinbarer Salonwagen aus Neapel hat zwei Achfen, Bremfe, Schalldämpfer. Die Lagergabeln find durch breite Flacheifen verbunden, die zur Führung der Bremsfchuhe dienen. Durch beiderfeitige Einfteigthüren gelangt man in einen gefchloffenen Vorraum mit drei Fenſtern in der Stirnwand, zwei Sitzen und die Mittelthüre, die in den Salon führt. Diefer enthält Sitze an beiden Langfeiten, in der Mitte einen Tifch mit vollſtändigem Service. Von da geht es in den Schlaf­falon, deffen Tifch zur Gepäcksaufnahme beftimmt ift. Den engen Reft nimmt Toilette mit Clofet ein, zu denen zwei fchräg zufammenftehende Thüren führen. Nebftdem enthält eine Zwifchenwand einen herausfchiebbaren grofsen Spiegel. Die Ausführung ift die in Italien und Frankreich gewöhnliche, namentlich aufsen nichts weniger als prächtig.