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Emil Tilp.
ftellen auf der Schmalen Seite entſtehen ähnlich wie bei den vorbefchriebenen, auf der breiten bilden je zwei Nachbarfitze die ebenerdige, ein oberhalb herabzufchlagender Rahmen mit Polfterung die obere Schlafftelle, fo dafs ebenfoviele Schlafftellen entſtehen als Sitze. Die Heizung gefchieht mittelft Oefen, die Circulation durch Oeffnungen der Coupé- Scheidewände. An allen ruffifchen Wagen find Dop pelfenfter vorhanden.
Einzelne Coupés und Sitze mit Schlafeinrichtung find fchon 1867 erfchienen, hier in verfchiedenen Formen verbeffert. So auch wieder an den Wagen der öfterreichiſchen Nordbahn. In Halbcoupés fchieben fich die Sitze horizontal vorwärts, in der Gegenwand find durch Einbau ins nächſte Coupé zweiter Claffe gefchloffene Käften gebildet, die fich herauslegen, das Lager vervollſtändigen, Matratze und Decke enthalten. Der Rücklehnen- Untertheil bildet durch Umkehren einen bequemen Kopfpolfter. Die Betten laffen noch je einen Zwifchenraum und haben die volle Länge.
Der Wagen im Mont Cenis- Tunnel hatte ein Stirn- Batardcoupé mit drei vorfchiebbaren Sitzen und aus der Stirnwand herausfchlagbaren Schämeln. Oberhalb derfelben ift jedem Sitze eine kleine Toilettevorrichtung gegenüber geftellt. Aufserdem waren faft alle Wagen in der I., theilweife auch in der II. Claffe, zum Herausfchieben der Sitze, in den Halbcoupés mit Schämeln oder Klappen eingerichtet, mit Spiegeln, Armfchleifen ausgerüftet, die Wände entweder getäfelt oder mit Seiden- oder Wollftoffen überzogen, mit Gold- oder koftbaren Holzfimfen geziert, die Sitze meift mit Sammt überzogen, die Böden mit Teppichen belegt, Verbefferungen, mit denen Deutfchland und Oefterreich, abgefehen von der reichlicheren Raumbemeffung für jeden Reifenden, feit Jahren allen anderen Ländern vorangeeilt find. Solche Wagen I. und auch gemifchter Claffen hatten namentlich die Grazer Waggonfabrik, Ringhoffer in Prag, Rathgeber in München, Reiffert in Bockenheim und die fchweizerifche Induftriegefellſchaft in Neuhaufen und Pefter Fabriken ausgeftellt, theilweife mit Abgehen von der ftricten Coupé- Eintheilung und mit 14 bis 18 Sitzen für einen Wagen I., mit 16 bis 25 Sitzen für einen Wagen I. und II. Claffe, meift mit Anwendung des Auflagerns der Käften auf Confolen oder Platten von Kautfchuk. Reiffert und die Breslauer Actiengefellfchaft hatten Wagen mit Reiffert's Syftem der Doppelfedern gebracht; der gemifchte Wagen letzterer Gefellfchaft hat vier Haupt- und acht dreiblättrige Kaften- Tragfedern, die Arrêten beftehen aus Kautfchukcylindern, deren eine Serie an Riemen hängt.
Der Commiffionswagen aus der Simmeringer Waggonfabrik, fehr praktifch eingetheilt, nett und gediegen ausgeführt, hat ein 2.600 Meter langes Plateau, einen 3.350 Meter langen Salon mit Divans, ein Entrée, Toilette, Abort und ein kleines Bremsplateau. Die Poftwagen aus gleicher Fabrik find mit dem erforderlichen Raffinement und, entſprechend den Anforderungen aller Zwecke, beftens ausgearbeitet.
Die Südbahn- Gefellſchaft( Werkstätte Marburg) brachte einen Intercommu. nications- Wagen dritter Claffe mit Plateau und Treppen an beiden Enden; der Längenraum ift durch Querwände mit Thüren getrennt. Kaftenlänge, Sitzzahl und Gewicht wenig variirend mit gleichen Wagen des Coupéfyftems.
Der Etagenwagen mit Bremfe, aus der Hernalfer Fabrik bei Wien, hält. 90 Plätze bei 113/4 Tons Gewicht. Die Federn haben 1345 Meter Länge bei 12 Blät tern, o'080 Meter breit, o'013 Meter dick. Die untere Etage fowie die obere ( gedeckte) find 1920 Meter licht hoch, die Räder haben o 790 Meter Durchmeffer, der Radftand ift 4'000, die äufsere Kaftenlänge 7.000, die gröfste KaftenAufsenbreite unten 2.770, oben 2-560, die lichte Länge der oberen Etage, erfteigbar durch die vier Endtreppen 6.860 Meter. Die lichte Länge eines unteren Coupés ift 1335 Meter. Der Fufsboden der oberen Etage, zugleich Plafond der untern, aus 26 Millimeter dicken Föhrenbretern mit Feder und Nuth, ift kalfatert und mit Kautfchuk belegt.