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Strassen-Fuhrwerke und andere Transportmittel : (Gruppe XIII, Section 5) ; Bericht / von M. B. Rideli, Ing. in Wien
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Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel.

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Schwere Frachtwagen waren in der öfterreichifchen Wagenabtheilung ver­hältnifsmässig fchwach und nur durch 2 Exemplare vertreten.

Hievon wurde ein Transportwagen, deffen Tragfähigkeit 145 Zollcentner betrug, von dem Hernalfer Wagenfabrikanten Auguft Opawfky ausgeftellt.

Bei einem Radftande von 2 700 Meter hatten die vorderen Räder einen Durchmeffer von I Meter, die hinteren Räder 1 200 Meter; Radfpeichen und Rad­felgen, fowie das ganze Geftelle waren aus gefirnifstem, wohl ausgefuchtem Efchen­holze, alle Eifenbeftandtheile fchwarz lackirt, die Radreifen hatten eine Stärke von 23 Millimeter bei einer Breite von 0 160 Meter und wurde deren Aufzug mittelft einer vom Fabrikanten eigens hiezu conftruirten Mafchine bewerkstelligt. Zwifchen dem efchenen, mit fteierifchen Eifenachfen montirten Achsftocke und der Achsfchale war mittelft ftarken Spangen und Eifenklammern ein 0 140 Meter mächtiger Lang­baum in der Länge von 3.90 Meter fammt Zwiefeln eingezwängt und derfelbe im Vordergeftelle aufserdem mittelft eines entſprechend ftarken Reibnagels mit dem Wendfcheit in Verbindung gebracht.

Von den drei Wagenträgern war der letzte am Ende des Langbaumes angebrachte mit der Bremsfpindel montirt, mittelft welcher zwei Efchenholz- Brems­klötze an die rückwärtigen Räder geprefst werden konnten.

Die mit der gröfsten Sorgfalt gearbeiteten Wagenbeftandtheile boten in ihrer zweckmässigen Zufammenfetzung ein fehr ftattliches Bild dar, und es konnte diefes Ausftellungsobject der öfterreichifchen Wagenfabrication nur zur weiteren Zierde gereichen.

Die allgemeine öfterreichifche Transportgefellfchaft ftellte einen Frachtwagen von analogen Dimenfionen aus, deffen Holzbeftandtheile grün, die Eifentheile fchwarz angeftrichen waren.

Diefer in den Werkftätten obiger Gefellſchaft gebaute Wagen ftand mit dem ,, Patent Wiefenburg" in Verbindung.

Diefes Patent bezweckt die Verminderung der Betriebsfchwierigkeiten bei Befahrung von bedeutenden Steigungen. Zu diefem Behufe werden beliebig conftruirte Frachtwagen in der Mitte ihres Langbaumes mit einem aus ftarken Balken gezimmerten Unterfatze in Verbindung gebracht, welcher zu unterft eine 45 Millimeter ftarke Eifenachfe mit darauf gefetzten 2 kleinen Schalengufs- Rädern von circa o 300 Meter Durchmeffer trägt, die fich bei einem Radftande von o'315 Meter unter normalen Verhältniffen um o 260 Meter über das Strafsenniveau erheben.

Wenn daher bei Ueberfchreitung von fteilen Bergrücken im Strafsen­körper ein entsprechend hoher, an den Kanten mit Flachfchienen verfehener Holz­balken in der erforderlichen Länge eingelaffen worden ift, der zur Spurweite des kleinen Räderpaares pafst, fo kann der fchwer beladene Frachtwagen auf dem um circa o 260 Meter über dem Strafsenniveau vorfpringenden Balken mit Leich­tigkeit hinaufgeführt werden, ohne einer Vorfpann benöthigen zu müffen. Dabei fchweben die vorderen Räder um circa o 160 Meter über dem Boden, während 1/10 der Gefammtlaft des Wagens auf die hinteren Räder und% 10 auf das kleine Schalengufs Räderpaar vertheilt find.

Derartige Uebergangsbalken find bereits an mehreren Strafsen, fo namentlich am Karft in der kroatifchen Militärgrenze, eingelegt und kann jeder gröfsere Frachtwagen mit dem entſprechenden Mittelgeftelle ohne Schwierigkeit

verfehen werden.

Der k. k. Hoflieferant A. Moll, ftellte einen kleinen, für grössere Excur­fionen geeigneten, vollſtändig eingerichteten, zweirädrigen Photographenwagen aus. Der grüne Kaften fafs in 2 auf der Achfe befeftigten Druckfedern; Raddurchmeffer 1080 Meter. Vorne am Wagen befand fich zum Ausbreiten der Utenfilien eine Plattform, der eine verftellbare Stütze beigegeben war.

Da bekanntlich die Photographiebefliffenen mit grofser, oft unüberlegter Vorliebe pittoreske, mitunter höchft gefährlich fituirte Ruhepunkte aufzufuchen