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M. B. Rideli.
pflegen, fo ift diefer Wagen überdiefs rückwärts mit zwei Gabeln gegen etwaiges Hinabrollen montirt, um für den Fall des Verunglückens des aufopferungsfähigen Künftlers wenigftens die effectuirten Aufnahmen für eine etwaige Vervielfältigung retten zu können.
Der nach Bedarf leicht zu demontirende und mit einer Bremfe verfehene Wagen koftete ohne Utenfilien und Apparate 130 fl.
Vom Ingenieur Lenz waren zwei Vélocipèdes von der gebräuchlichften Form ausgeftellt, deren Triebräder o 90 Meter im Durchmeffer hatten und mit alternirend auf der Nabe fitzenden hölzernen Speichen verfehen waren.
Einigermafsen bemerkenswerth bei diefen zwei Vélocipèdes war deren Bremsvorrichtung, da hiebei zum erften Male eine Verwendung von Guitarrefaiten ftattgefunden hat, welche, in gewiffen Zwifchenräumen Schwingungsknoten bildend, vom erfindungsreichen Ausfteller offenbar auch zur Erzielung irgend einer phonetifchen Wirkung auserkoren worden find und dem hiezu competenten Berichterftatter der Gruppe XV ohne Zweifel reichlichen Stoff zu einer ehrenvollen Erwähnung liefern dürften.
Die bei den k. k. Poftanftalten gegenwärtig am häufigften gebrauchten Fuhrwerke wurden vom k. k. Handelsminifterium im Pavillon für den Welthandel feparat ausgeftellt. Unter den ausgeftellten 8 Poftführwerken hatte fich ein für Separatfahrten befonders geeigneter Poftlandau, der auf den Poftftrafsen des Salzkammergutes in mehreren neuen Exemplaren in Verwendung fteht, einer ebenfo grofsen als wohlverdienten Anerkennung zu erfreuen.
Der auf 4 Perfonen berechnete, mit dem bekannten hellglänzenden chromgelben Anftriche verfehene und fein lackirte Kaften diefes Landaus, war an den Portièren mit dem k. Wappen und dem Pofthorne gefchmückt, hing vorne auf zwei elliptifchen Druckfedern, rückwärts in drei ftarken Tragfedern, und hatte inwendig eine drapfarbene Tuchgarnitur.
Aufser diefem Landau war noch ein Doppelcoupé, drei Poftmaille wagen, ein Poftpackwagen mit Cabriolet und zwei Poftcariolwagen ausgeftellt.
Von den letzteren hatte der kleinere Cariolwagen einen Radftand von 1 Meter und war mit einem Langbaume verfehen, da der Kaften auf beiden Achfen nur in je Einer parallel über der Achfe befeftigten Feder hing.
Der in neuefter Zeit eingeführte Poftcariolwagen für den Briefeinfammlun gs- Dienft hatte eine Kaftenlänge von 180 Meter, wobei der chromgelbe Kaften mittelft Wagenhalfes mit dem abgefonderten, fchwarzlackirten Kutfchbocke zufammenhing. Der für das Placiren von 18 Briefbeuteln eingerichtete Kaften hatte einen verfchliefsbaren, fchwarzlackirten Blechdeckel.
Bei einem Radftande von 180 Meter fafs der Kutfchbock in zwei auf der vorderen Achfe befeftigten elliptifchen Druckfedern, während das Gewicht des Kaftens auf der rückwärtigen Achfe in zwei Trag- und einer Balancierfeder ruhte und trotz der beträchtlichen totalen Wagenlänge die Anwendung eines Langbaumes entbehrlich machte.
Die fämmtlichen Wagenbeftandtheile und Ausstattungsgegenstände diefer k. k. Poftwagen find inländifcher Provenienz; die nach den Zeichnungen und Bedingniffen des k. k. Handelsminifteriums auszuführenden Arbeiten werden an die diverfen Fabrikanten vergeben und dann gewöhnlich in der Lohner'fchen Wagenfabrik montirt, wo auch der Anftrich, fowie die Lackirung, Tapezierung u. f. w. beforgt zu werden pflegt.
Bei der Vorzüglichkeit der Ausführung diefer k. k. Poftwagen könnte allenfalls nur die Wahl der zum Anftriche des Untergeftelles verwendeten Farben, nämlich röthlich- orangegelb mit fchwarzen Streifen als mit dem lichten Chromgelb des Kaftens gar nicht harmonirend bezeichnet werden. Die k. preufsifche Poft benützt, wie aus den ausgeftellten 28 Modellen von Poftwagen erfichtlich war, dasfelbe Chromgelb zum Anftriche des Kaftens fowohl, als des Untergeftelles, während eine vom Turiner Wagenbauer Locati ausgeftellte Mail- Coach mit chrom