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Ferdinand Lippich.
nach Aufwärts gerichtete Schneide trägt, und auf diefe ftützt fich ein Hebel, der über den erwähnten Arm hinweg bis zu einer Spalte im cylindrifchen Mantel der Dofe reicht, wo fein Ende, mit einer Marke auf einem Blättchen verfehen, fichtbar wird. Der Drehpunkt diefes Hebels, fehr nahe an der Schneide gelegen, befindet fich an einem Säulchen, das am Boden der Dofe befeftigt ift. Die Bewegung diefes Hebels, noch zu klein, um direct an einer Scala abgelefen zu werden, wird nun mittelft der Mikrometerfchraube gemeffen. Hiebei kann man aber nicht die Spitze direct mit dem Hebel in Contact bringen, denn der Moment des wirklichen Contactes könnte nicht ficher beurtheilt werden. Goldfchmid bringt daher in fehr finnreicher Weife die fogenannte Fühlhebel- Feder an. Es ift diefes eine feine Stahlfeder, welche an dem Hebel nahe bei feinem Drehungspunkte befeftigt und nach aufwärts gebogen ift. Sie trägt an ihrem Ende ein Blättchen mit einer Marke, die im Spalt des Gehäuſes neben der Marke des Hebels erfcheint. Bringt man beide Marken mit Hilfe der Schraube zur Coincidenz, fo hat auch die Spitze der Schraube gegen den Hebel eine ganz beftimmte Stellung, die immer diefelbe ift, wenn der Luftdruck derfelbe wird. Diefs genügt im Allgemeinen, um das Inftrument mit Hilfe eines Queckfilber- Barometers graduiren und fodann mit demfelben richtige Beobachtungen machen zu können. In Wirklichkeit find übrigens die Aenderungen in der Stellung der Mikrometerfchraube fehr nahe den Luftdruckänderungen proportional. Die Ganghöhe der Mikrometerfchraube ift durchfchnittlich o 25 Millimeter; beiläufig ebenfo grofs ift die Bewegung des Mittel. punktes im oberen Deckel der luftleeren Kapfel, welche einer Aenderung des Luftdruckes um 100 Millimeter Queckfilber- Höhe entſpricht. Die Coincidenz der Marken wird mit Hilfe einer Loupe beobachtet, die an einem Röhrchen fich befindet, das feitlich mit einer Oeffnung verfehen ift, um die Blättchen gehörig beleuchten zu können.
Die befchriebene Einrichtung ift die des Aneroides für Topographie; der Kopf der Schraube ift in 100 Theile getheilt, geftattet noch Höhen von 0.5 Meter zu meffen und reicht bis zu einer Höhe von 4000 bis 5000 Meter aus. Die Empfindlichkeit des Inftrumentes bleibt hiebei nahe diefelbe. Mittelft diefes Barometers, eines einfachen Winkel- Mefsinftrumentes und eines Schrittmafses ift man im Stande, Croquis für topographifche Aufnahmen auszuführen.
Ebenfo eingerichtet ift das Tafchen- Aneoridbarometer, das noch für die gröfsten Höhen verwendbar ift und diefelbe Empfindlichkeit behält. Die Genauigkeit der Einftellung beträgt o1 bis o 2 Millimeter Quecksilber- Druck.
Das Marine- und Obfervations- Aneroidbarometer ift nur für ein kleineres Intervall der Luftdruck- Aenderung eingerichtet und zwar fo, dafs diefes Intervall nicht mehr als eine Umdrehung der Mikrometerfchraube erfordert. Für das Marinebarometer reicht das Intervall von 700 bis 800 Millimeter Queckfilber- Druck; für Standbarometer mufs bei Beſtellung der mittlere Barometerftand oder die Meereshöhe des Beobachtungsortes angegeben werden. Mit Hilfe des Inftrumentes laffen fich noch o'r Millimeter Queckfilber- Druck angeben. Beim Tracirungs- Aneroid ift die Hebelüberfetzung weggelaffen, und das eine Blättchen ift unmittelbar am erften Arm befeftigt, der bis zum Schlitz reicht. Diefes Inftrumentchen geftattet, noch Höhenunterfchiede von I bis 2 Meter zu meffen und reicht von 400 bis 800 Millimeter Quecksilber- Druck.
Genau fo ift auch das Tafchenaneroid eingerichtet, das fo klein ift, dafs es ganz bequem in der Tafche getragen werden kann. Es reicht noch für die gröfsten Höhen aus und geftattet eine Ablefung bis auf o 2 Milimeter.
Die fämmtlichen von Goldfchmid verfertigten Aneoride werden fehr forgfältig mittelft eines eigens zu diefem Zwecke conftruirten Apparates mit einem Queckfilberbarometer durch Anwendung der Luftpumpe verglichen. Die Werthe der Ablefungen find in einer kleinen Tabelle am Deckel des Aneroides zufammengeftellt Defsgleichen werden die Temperaturcorrectionen durch einen Erwärmungsapparat beftimmt und in einer Tabelle graphifch dargestellt.