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Heereswesen : (Gruppe XVI) ; Heeresbekleidungs- und Ausrüstungswesen ; (Gruppe XVI, Section 1, a) ; Bericht ; Das Heeres-Verpflegungswesen : (Gruppe XVI, Section 1, b) ; Bericht / von Carl Mayer, k.k. Hauptmann des Monturdepot Nr. 4 ; von Alexander Poppović, k.k. Militär-Unter-Intendant
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Heeresbekleidungs- und Ausrüftungswefen.

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gewordene Sattelhaut, falls nicht etwa der Mann noch früher durch den Genufs eines der Gefundheit fchädlichen und eben nicht behaglichen, nur langfam verdampfenden Sitzbades berufen war, das Trocknen wenigftens theilweife zu befördern.

Nach langem, vergeblichem Suchen in den Abtheilungen anderer Staaten gelangte man nach dem in diefer Beziehung reichlich vertretenen Rumänien; doch ift felbft durch die getreulichfte Wiedergabe ebenfo wie das Umgehen einer Befchreibung diefer Ausftellung als Anwendung auf die Syfteme anderer Armeen nichts zu profitiren und nichts zu verlieren.

Es erübrigt fonach noch die öfterreichifche Ausftellung der Gefell­fchaft für Heeresausrüftung des Herrn Alfred Skene und Conforten. Diefe läfst fowohl in ihrer Vollständigkeit, dem einen leichten Ueberblick gewährenden Arrangement, der Muftermäfsigkeit fämmtlicher ausgeftellter Materialien und netten gediegenen Confection der fertigen Sorten nichts zu wünſchen übrig und dient der Firma als Zeugnifs ihrer Solidität.

Die Lieferanten der kaiferlich königlichen Landwehr haben fich nicht bewogen gefunden, die Ausftellung zu befchicken, während jene der königlich ungarifchen Honveds mit einer fehr viel Raum einnehmenden, recht gut model­lirten Reclame ziemlich demonftrativ auftraten. Das Materiale war im Allgemeinen von annehmbarer Befchaffenheit.

Eigenthümlich, doch nicht national ift die Tragart des Säbels der Honved­cavallerie. Diefer ift bis an feinem unteren Tragring durch eine, vor der linken Kniepaufche der Sattelfitz Decke eingeftochene, breite Lederfchleife geführt und überdiefs durch einen am oberen Tragriemen angebrachten eifernen Haken am Packe des Pferdes befeftigt.

Obgleich auch die Vorrichtung befteht, dafs der Reiter beim Verlaffen des Pferdes den Säbel in den Leibriemen einhaken kann, fo gibt es denn doch Momente, wo derfelbe von feinem unzertrennlichen Gefährten in den ent­fcheidenften Augenblicken feines Lebens" unwillkürlich, felbft unwieder­bringlich getrennt werden und auf diefe Weife zugleich feine handgerechtefte Wehr verlieren kann.

Doch wie dem unpraktifcheften Dinge faft immer eine praktiſche Seite abgenommen werden kann, fo wäre es hier allenfalls die der ungehinderten Bewegung beim ,, Abfitzen und zu Fufs Formiren".

Nach der Betrachtung der, wie bereits erwähnt, fehr geringen Ausstellungs­gegenftände fei eine kurze Betrachtung über die verfchiedenen Syfteme der militärifchen Bekleidung geftattet.

Die Syfteme der Kopfbedeckungen werden durch Gewöhnung, Vorurtheile, wohl auch durch militärifche Prunkfucht, weniger durch Zweckmäfsigkeit, klima­tifche Verhältniffe und praktifchen Sinn geregelt. Für Fufstruppen ift die leichtefte, doch gegen Sonnenftrahlen und Unwetter den meiften Schutz gewährende Feld­Kopfbedeckung die befte, während jene für Cavallerie, bei möglichfter Anftrebung der obigen Eigenfchaften, gegen den Hieb Schutz gewähren muſs.

Nach unferem Erachten hat die öfterreichifche Feldkappe als Kopfbedeckung für Fufstruppen im Felde den Vorzug vor allen uns bekannten anderen.

In ihrer Anwendung für Militärmonturen müffen wir im Allgemeinen eine dunkle, die Qualität des Materiales nicht fchädigende, gegen Sonnenftrahlen und Näffe widerftandsfähige Farbe allen hellen Schattirungen vorziehen, da fie die Maffen nicht fchon in grofser Entfernung kenntlich macht, nicht fo leicht fchmutzt und, wenn verunreinigt, fich leichter reinigen läfst.

Bezüglich der Stärke des Materiales, worunter wir jedoch nicht deffen Dauerhaftigkeit verftanden wiffen wollen, welche unter allen Himmelsftrichen gleichmässig angeftrebt werden mufs, fowie des Schnittes der Bekleidungsstücke,