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Heereswesen : (Gruppe XVI) ; Heeresbekleidungs- und Ausrüstungswesen ; (Gruppe XVI, Section 1, a) ; Bericht ; Das Heeres-Verpflegungswesen : (Gruppe XVI, Section 1, b) ; Bericht / von Carl Mayer, k.k. Hauptmann des Monturdepot Nr. 4 ; von Alexander Poppović, k.k. Militär-Unter-Intendant
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Carl Mayer.

follten Rückficht für Klima, für freie bequeme Bewegung der Gliedmafsen und möglichftes Wohlbehagen des Mannes bei verfchiedener Witterung dem Schön­heitsfinne unter allen Umftänden vorangehen.

Da uns aufser der bereits befprochenen Leibwäfche der kaiferlich ruffifchen Armee eine andere zur Beurtheilung nicht zu Gebote ftand, fo haben wir nur der feit Kurzem in der öfterreichifchen Armee in Anwendung gekommenen Wäfche von unappretirtem Calicot zu erwähnen, welche nicht blofs in fanitärer Rückficht, fondern auch bezüglich der Güte und Dauerhaftigkeit des Materiales vor der ihr vorangegangenen Leinenwäfche von mittelmäfsigem, überdiefs oft fchon in der Appretur angegriffenem Materiale den Vorzug verdient.

Auf die vitale Frage der verfchiedenen Fufsbekleidungs- Syfteme über­gehend, wollen wir die Brauchbarkeit in heifser trockener Jahreszeit der Binfen­geflecht- Sandalen Spaniens nicht anzweifeln, den Vortheil des leichteren Anziehens des durchnäfsten Schnürfchuhes vor dem der Stiefel nicht in Abrede ftellen, pflichten jedoch der in den verfchiedenen Armeen fich bahnbrechenden Annahme des Stiefels auch für Fufstruppen bei.

Oefterreichs Kriegsverwaltung fteht im Begriffe, den praktifchen Weg des gemifchten Syftems von Schuhen und über das Beinkleid zum Tragen eingerichteten Stiefeln für Fufstruppen zu betreten. Nach unferem Dafürhalten follten die für fchlechtes Wetter beftimmten Stiefel der Fufstruppen ausfchliefslich mit Pfund­fohlen erzeugt werden.

Wir erachten es als undankbares, keine Früchte tragendes Thema, die verfchiedenen Syfteme der zwar nicht in der Weltausftellung, doch theilweife im Archive des kaiferlich königlichen Montur depots Nr. 4 in Wien vorliegenden Mannesrüftungen des Näheren zu beleuchten und die relativ geringen Vorzüge des einen vor dem anderen herzorzuheben, da die den verfchiedenen Armeen eigen­thümliche Art der Bewaffnung, die Verfchiedenheit der Pionnier- Werkzeuge und fonftigen Feldgeräthe fchon an und für fich eine Verfchiedenheit der Rüftung und ihrer Tragart bedingen.

Das anzuftrebende Ziel bleibt doch immer bei allen Syftemen die möglichft geringe Belaftung und bequemfte Tragart bei freiem Gebrauche der Glieder, ver­bunden mit der Sorgfalt für des Mannes Erhaltung und thunlichftes Wohlbefinden.

Die praktifche Pferderüftung der öfterreichifchen Cavallerie, eine eigene nicht fremden Armeen entlehnte Schöpfung, befteht aus einer leichten Zäumung aus gefchwärztem Blankleder ohne Nafenriemen und Stirnkreuz. Durch die leichte Stange mit mässiger Zungenfreiheit, nur bezüglich der Maulbreite nach zwei Gröfsengattungen erzeugt, wurden die zahllofen ihr vorangegangenen Syfteme über Bord geworfen, über deren Anwendung für ehemalige Durchgeher, Nicht­andiehandgeher, Bohrer und Sterngucker, Kopffchleuderer, Zungenblöcker u. f. w. fich der Abtheilungscommandant oft ernft den Kopf zerbrochen und auf die ver­meintlich richtige Auswahl eines diefer Marter- Werkzeuge für das unbändige Thier fich etwas zu Gute halten durfte.

Es wurde zugleich die veraltete irrige Annahme niedergeriffen, wornach die Mutter Natur fich in der Laune gefallen habe, ausfchliefslich in der Bildung des Pferdemaules ein latentes Spiel zu treiben, fowie längft der Beweis geliefert wurde, dafs das nur für den gebildeten Reiter Geltung haben follende Axiom die Hand ift die Stange" auch für den gemeinen Reiter feine Anwendung findet, wenn eine gediegene Dreffur vorangegangen.

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Der öfterreichifche hölzerne Sattel der Cavallerie, feit neuerer Zeit mit Zwiefeln aus fchmiedbarem Gufseifen, welche jedoch nicht als Norm angenommen find, ift in der Form und den Dimenfionen des Sitzes für die ganze Waffe gleich gehalten, bezüglich einer mehr horizontalen oder fchrägeren Lage der Seitenblätter und Höhe der Kammer aber gemäfs den Abweichungen der Form des Pferde­rückens, nach vier Claffen erzeugt, wodurch bei richtiger Auswahl das Nachhelfen mittelft der Holzrafpel entfällt.