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Heereswesen : (Gruppe XVI) ; Heeresbekleidungs- und Ausrüstungswesen ; (Gruppe XVI, Section 1, a) ; Bericht ; Das Heeres-Verpflegungswesen : (Gruppe XVI, Section 1, b) ; Bericht / von Carl Mayer, k.k. Hauptmann des Monturdepot Nr. 4 ; von Alexander Poppović, k.k. Militär-Unter-Intendant
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Alexander Poppović.

centner Mehl jährlich erzeugen, bietet die Beruhigung, dafs im Falle eines plötz lichen gröfseren Bedarfes ein Aufliegen an feinem Weizenmehl nicht eintreten kann.

Zwieback. Der Zwieback ift einer der wichtigften Artikel für die Ver­pflegung im Kriege, da er in den häufigften Fällen das frifche Brot, welches mit grofsen Schwierigkeiten in gutem Zuftande und in ausreichender Menge bei­gefchafft werden kann, zu erfetzen hat.

Die Verpflegung mit Zwieback macht eine geringere Anzahl der Feldöfen und des Arbeitsperfonales nöthig, erfordert gegenüber dem Brote um 44 Percent weniger Transportmittel, verringert daher den Train im hohen Maſse, dann ist der Zwieback leichter gegen Verderben zu bewahren und belaftet den Mann um 22 Loth weniger als eine Brotportion.

Diefe grofsen Vortheile gebieten es, dafs der Zwieback, obgleich hart und trocken, daher vom Soldaten nicht gerne genoffen, unausweichlich als Ver­pflegsartikel beibehalten werden mufs; anderfeits weifen die Mängel gerade hin, dafs eine Verbefferung diefes Artikels zur Befeitigung derfelben unverrückt anzuftreben fei.

Das k. k. Kriegsminifterium liefs fchon im Jahre 1866 den Zwieback aus feinerem, das ift Weizen- Semmelmehl erzeugen, welcher fchmackhaft, dauerhaft ift, auch gerade nicht ungerne genoffen wurde, derfelbe ift jedoch ftark gebacken, fehr hart und bricht leicht, welch letzterer in Bezug auf die beffere Haltbar­keit nachtheilige Umftand der Gröfse und Dünne der Flecke zugefchrieben werden mufs.

Die in der Ausftellung befehenen Zwieback- Gattungen waren, mit Ausnahme der vom Herrn G. B. Tiani in Trieft, welche viereckig ift, rund, und gleichen darin, fowie, dafs fie nur von einer Seite geftupft( durchlöchert) und ohne Salz­beigabe erzeugt find, unferem Militär- Zwiebacke.

Alle waren aus feinem, zumeift weifserem Mehle, nicht zu ftark ausgebacken, fondern mehr gedörrt und in viel kleineren Flecken( Kuchen) geformt als unfer

Zwieback.

Der niederländifche und der Schiffs- Zwieback des Herrn G. B. Tiani, welch' letzterer durch fein befonders gutes Ausfehen fehr beftach, dann der fpanifche Schiffs- Zwieback fcheinen ganz ohne Ferment erzeugt zu fein. Die beiden erfteren lieffen fich leichter als der letztbenannte zerbrechen, find nicht fehr hart zum Kauen, fchmecken gut, aber etwas nach rohem Teige.

Im Waffer quillt nur der fpanifche etwas auf, der niederländifche und der Tianifche bleiben teigartig.

Der Zwieback des Herrn Andronico Giuſeppe da Nizzen di Sicilia nähert fich in der Qualität unferem Erzeugniffe. Derfelbe ift jedoch ftark und ungleich porös, hat nicht das charakteriſtiſch glafige Ausfehen und dürfte nicht lange haltbar fein, fchmeckt übrigens gut und quillt auch im Waffer etwas auf.

Vorzügliche Qualitäten find die des Herrn Koffančich aus Trieft und des Herrn Troia Alfio di Siracusa.

Beide Sorten waren vortrefflich, mit Ferment und fleifsig gearbeitet, haben eine fchöne, wenn auch verfchiedene, die erfte eine fchön poröfe, die letztere eine dichtere Textur, eine vollkommen gefchloffene Fläche, fie find fchmackhaft beim Kauen, nicht zu hart, quillen in der Flüffigkeit fchnell und ftark auf, verfprachen fchliesslich lange Haltbarkeit, daher fie in jeder Beziehung einer befon­deren Beachtung und Nachahmung werth find.

Der Zwieback des Herrn Troia Alfio fiel noch durch feine gelbweifse, fehr fchöne Farbe und durch füfslichen Gefchmack auf, was zur Vermuthung führte, dafs dem Weizenmehle Maismehl beigemengt fein könnte.

Diefe Wahrnehmung legt die Frage auf, ob nicht zur Erzielung einer befferen Zwieback- Qualität überhaupt ein Theil Maismehl, das in Oefterreich­Ungarn auch billiger als das Weizenmehl fein dürfte, beigemengt werden folle.