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Heereswesen : (Gruppe XVI) ; Heeresbekleidungs- und Ausrüstungswesen ; (Gruppe XVI, Section 1, a) ; Bericht ; Das Heeres-Verpflegungswesen : (Gruppe XVI, Section 1, b) ; Bericht / von Carl Mayer, k.k. Hauptmann des Monturdepot Nr. 4 ; von Alexander Poppović, k.k. Militär-Unter-Intendant
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Das Heeres- Verpflegswefen.

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Ein Verfuch würde erweifen, ob bei der Annahme, dafs, weil die Bin­dung und das Verhältnifs von Kleber, Stärkemehl und Dextrin bei dem Maismehle ein anderes als bei dem Weizenmehle, und die Löfung und Verbindung der ver­fchiedenen Mehltheile während der Fermentation und der Hitze- Einwirkung eine ungleiche fein müffe, auch die Textur des Teiges eine lockere, das Erzeugnifs minder zähe und mehr mürbe werden, der Gefchmack und das gute Ausfehen gewinnen würden.

Da ein folcher Verfuch mit keinem unnützen Aufwande verbunden fein kann, fo dürfte derfelbe bei der Wichtigkeit der Abficht vorzunehmen fein.

Zu den vorzüglichen Schiffszwieback- Gattungen gehörten annoch der Zwie­back von Gimmino& Landolfi di Caftellamare u. zw. ein Mufter von hartem Weizen ohne Ferment und ein zweites von gemifchtem Weizen( di grani misti) mit Ferment.

Beide waren in runden Flecken vollkommen gefchloffen und von glatter Rinde, die dazu verwendete Stupfmafchine mufs vorzüglich fein.

Die Flecken find rund à 8 Loth, das dazu verwendete Materiale ift von befonderer Güte, der Zwieback ift fchmackhaft, fchwillt im Waffer gut auf, und dürfte jener aus Hartweizen den Vorzug verdienen.

Confervirte Nahrungsmittel. Bei der gegenwärtigen Kriegsführung mit grofsen Armeekörpern auf verhältnifsmäfsig kleinen Räumen und der ſchnellen Bewegung der Truppen mit in kurzen Zwifchenräumen auf einander folgenden Actionen ift die Verpflegung im Felde wefentlich erfchwert worden.

Grofse Truppenmaffen finden auf eingenommenen engen Räumen felten die erforderlichen Nahrungsmittel und felbft bei einem günftigen Falle macht es oft die häufige und fchnelle Ortsveränderung nicht möglich, die in den Wirth­fchaften zerftreut liegenden Vorräthe zu fammeln und der Truppe zuzuführen, ja oft auch unthunlich, die beihabenden Artikel abzukochen.

Die fchnelle Bewegung der Armee hat die weitere Folge, dafs der Ver­pflegungstrain oft nur mit den riefigften Anftrengungen, zuweilen auch gar nicht nachfolgen, demnach den Truppen die Bedürfniffe nicht zur rechten Zeit bei­ftellen kann.

Diefe für die Verpflegung mifslichen Umftände und die nähere Erkenntnifs, dafs der Soldat nur dann im Felde vor Hungerleiden gefichert wird, wenn derfelbe bei fich oder in feiner nächften Nähe( beim Gefechtstrain) ein Nahrungsmittel befitzt, das entweder ohne aller Zubereitung kalt oder höchftens binnen einigen Minuten aufgewärmt genoffen werden kann, führten dahin, in den Conferven Abhilfe zu fuchen, die, wenn auch bisher noch nicht vollſtändig. fo doch in einem fchätzens­werthen Grade gefunden wurde.

Die Fleiſch-, Gemüſe- und anderen Conferven find, mit Ausnahme der Empo­rien für die Marine, zumeift nur in den Delicateffen- Handlungen abgefetzt worden. Eine grofse Ausnahme bildet der englifche Handel, bei welchem die namentlich in den britifchen Kolonien in grofsen Maffen erzeugten Conferven von Rind- und Schöpfenfleifch ein wichtiger Importartikel geworden find, welche vermöge ihrer Preiswürdigkeit und Güte nicht nur für die See, fondern auch in der Bevölkerung zunehmenden Abfatz finden und dadurch zu regelmäfsigen, mit reichen Lagern dotirte Handelsartikel geworden find.

Die letzten Kriege haben auch in anderen Ländern Anftofs zur gröfseren und fabriksmäfsigen Erzeugung an confervirten Nahrungsmitteln gegeben, allein, es konnte, insbefondere in unferer Monarchie, eine regelmäfsige Fabrication im grofsen Umfange wegen Mangel an Nachfrage für gewöhnlichen Gebrauch zum Auffchwunge nicht gelangen.

Die Anforderungen, welche an die Conferven geftellt werden, find geringes Volumen, widerftandsfähige Verpackung, lange Haltbarkeit, fchnelles Abkochen beffer Genufsfähigkeit im kalten Zuftande ohne alle Zubereitung angenehmer