Das Heeres- Verpflegswefen.
25
In allen Stationen mit grofsen Garnifonen und namentlich in Wien, wo die Wäfche von 24.000 Betten gewafchen werden foll, dürfte wohl eine eigene Wafchanftalt fehr vortheilhaft fein.
Bezüglich der Station Wien mufs auch in Erwägung genommen werden, dafs das jetzt als Militär- Bettenmagazin dienende Etabliffement wahrfcheinlich bald der Ausführung der Stadterweiterung wird weichen, dafs daher hiefür ein anderes Object wird acquirirt werden müffen.
Es liegt daher wohl nahe, dafs, wenn ein Etabliffement für ein Bettenmagazin entweder neu aufgeführt oder adaptirt werden mufs, zu trachten fei, diefes an den Flufs zu legen und mit demfelben gleichzeitig eine Wäfcherei, eventuell auch eine Walke durch eine Waffereinrichtung zu verbinden.
Für die Einrichtung einer Wäfcherei lag ein Modell einer Dampf- Wafchanftalt von den Herren Holdorff& Brückner vor.
99
Einer noch gröfseren Ausdehnung und einer weit allgemeineren Anwendbarkeit, als die Central- Kochküchen, fagten die Fabrikanten, erfreuen fich die Dampf Wafchanftalten. In allen Fällen, wo die Anwendung der erfteren zweck mäfsig erfcheint, wird aus ähnlichen Gründen auch die Behandlung der Wäfche rationell centralifirt werden können; während nun aber in den meiften, felbft in den kleinften Haushaltungen die Speifen in der eigenen Wohnung zubereitet werden müffen, ift die Beforgung der Wäfche aufserhalb des Haufes nicht nur möglich, fondern fogar eine enorme Erleichterung für die Hausfrauen.
Namentlich für gröfsere Städte bietet fich alfo hinreichend Gelegenheit zur Errichtung öffentlicher Wafchanftalten, deren grofse Bedeutung für die Mehrzahl der Bewohner nicht unterfchätzt werden darf.
Die bisher übliche Erledigung der Wäfche aufser dem Haufe durch Wafch frauen bringt keineswegs die Sicherheit einer rationellen und fachgemässen Behandlung mit fich, felbft im Haufe kann man derfelben in den wenigften Fällen die nöthige Sorgfalt widmen, ganz abgefehen von den vielen Unbequemlichkeiten, die durch das Wafchen im Haufe durch die unvermeidliche Feuchtigkeit, durch die Schwierigkeiten des Trocknens etc. hervorgerufen werden. Nur durch unausgefetzte Uebung ift es möglich, ein Perfonal zu erhalten, welches die einzelnen Manipulationen dem jedesmaligen Zuftand der Wäfche anpafst, vor allen Dingen auf eine lange Erhaltung der Wäfche Rückficht nimmt und die Reinigung weniger durch fcharfe, ätzende Kalien, fondern vielmehr durch richtige Behandlung zu erzielen fucht.
100 Pfund reine Wäfche wiegen nach dem Gebrauche circa 105 bis IIO Pfund, das Mehrgewicht befteht faft ohne Ausnahme aus harzigen Subftanzen, welche namentlich bei dem üblichen feften Zufammenballen der Wäfche leicht ranzig werden und im Stadium der Zerfetzung die Fafern angreifen. Die Entfernung diefer Unreinigkeiten erfordert je nach ihrer Stärke oder ihrem Alter eine mehr oder weniger energifche Behandlung, die aber in den meiften Fällen anftatt durch richtiges Wafchen, leider durch fcharfe Zuthaten erzielt wird.
Hier thut eine gründliche Syftemifirung daher dringend noth, man mufs gleichmässige Maſchinenarbeit an Stelle der individuell veränderlichen Handarbeit einführen und erlangt dadurch vor vor allen Dingen den grofsen Vortheil der fchnellften Erledigung, ohne die Wäfche ftark anzugreifen. Wenige Tage nach der Einrichtung kann man die gefammte Wäfche fertig gereinigt aus der Anftalt zurückbekommen, die dafür auflaufenden Koften werden bedeutend geringer fein, als im kleineren Betrieb und trotzdem läfst fich eventuell für Privatunternehmungen noch ein bedeutender Gewinn erzielen.
In Kafernen, Spitälern und ähnlichen öffentlichen Anftalten, wo der Unter nehmer meiftens zugleich Confument ift, kann das ganze Anlage capital innerhall, weniger Jahre vollständig amortifirt werden.
Die Einrichtung der Wafchanftalten und die Manipulation in denfelben fchliefst fich im Allgemeinen dem gewöhnlichen Verfahren des Wafchens an; die rationellfte Eintheilung ift folgende: