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Guftav Semrad und Johann Sterbenz.
Die von folcher Befchickung gewonnenen Floffen werden nach der Befchaffenheit der Bruchfläche einer beim Abftiche mitgegoffenen Probeftange ( 60 Centimeter Länge 2.7 Durchmeffer) forgfältig in Bezug ihres Graphitgehaltes in zehn Claffen eingetheilt. Die 1. Claffe hat einen fchwarzen, ftark graphirten Bruch, während jener der 10. Claffe ganz weifs ift und keine Spur von Graphit zeigt. Zum Gefchützgufs werden im Allgemeinen Floffen der 3., 4. und 5. Claffe, manchmal auch folche der 2. Claffe, nie aber Eifen der 6. oder einer höheren Claffe benützt; ebenfo wenig findet fogenanntes Brucheifen hiefür Anwendung.* Die Dichte des Gefchütz- Gufseifens in den Probeftangen variirt je nach den für den Gefchütz oder Gewehrgufs verwendeten Claffen zwifchen 7.30 und 7.45; die Dichte des Eifens in den Gefchützrohren liegt zwifchen 7.22 und 7.30, während die Dichte des Gufseifens in den durch Schalengufs erzeugten Gefchoffen felbft 7.65 beträgt,
Das fchwediſche Gefchütz- Gufseifen zeichnet fich im Weiteren durch grofse abfolute Feftigkeit, Härte, Zähigkeit und Elafticität aus, und befitzt fomit alle jene Eigenfchaften, welche ein gutes Gefchützmaterial haben foll.**
Zu Finfpong werden alle Rohre vom 24- Pfünder( 15-3 Centimeter) aufwärts mit nach oben gekehrter Mündung über einen hohlen Kern auf dem Wege des Syphonguffes bei gleichzeitiger Kühlung gegoffen.
Die Kühlung wird während des Guffes und bis nach Entfernung der Kernröhre mittelft comprimirter Luft und von da mit Waffer bewirkt. Dadurch, und dafs die Ausftrahlung der Wärme nach Aufsen hin durch eine dicke, die Formen umgebende Sandfchichte*** erheblich verzögert wird, kühlt die Materie von Innen nach Aufsen allmälig ab, und wird in den einzelnen Schichten annähernd jener Spannungszuftand hervorgerufen, den die Theorie anftrebt.+ Rohre kleineren Kalibers werden in der Regel maffiv und auf die gewöhnliche Art von Oben gegoffen.
Mit jedem grofsen Rohre wird zugleich ein 4- oder 6- pfündiges Gefchütz gegoffen und nochmals einer Gewalt- Schufsprobe unterzogen, wodurch man über die Güte des Materials weitaus beffere Auffchlüffe erhält, als durch die anderwärts angeftellten Zerreifsproben einzelner aus dem Maffelot oder fonft von irgend wo genommener Eifenftücke.
Die fchweren gezogenen Gefchütze von 12'12 Centimeter aufwärts werden mit einer bis zwei Lagen Ringe( Fretten) aus Stahl verfehen, welche den cylin drifchen Theil der gufseifernen Kernröhre mit Preffion umfpannen.++
* Laut Analyfen enthält das in Flammöfen niedergefchmolzene Gufseifen folgende Beftandtheile: Silicium.
Ausgefchiedenen Kohlenftoff( Graphite)
Chemiſch gebundenen Kohlenftoff
Mangan
Schwefel
.
o'48 Percent. 2.05
I'41
23
O'25
"
O'13
Phosphor
Kupfer.
Aluminium
Calcium
Eifen und Verluft.
Spuren
nichts
95.68 Percent.
100'00 Percent.
** Als Beweis hiefür hat das Etabliffement eine gufseiferne, der Länge nach durchfchnittene Hülfe von 2 Millimeter Dicke, 71 Centimeter Durchmeffer und 25 Centimeter Breite ausgeftellt, welche fich wie Stahlblech zufammenrollen und aufbiegen liefs.
Was den Widerftand des Gufseifens anbelangt, fei erwähnt, dafs eine Gasfpannung von 2700 Atmoſphären noch keine Gefahr für den Beftand der Rohre involvirt.
*** Die Dammgrube wird, nachdem die Formen eingefetzt und richtig geftellt find, mit Sand vollständig ausgefüllt.
+ Diefelbe verlangt bekanntlich, dafs fich alle Schichten, wie fie im Querfchnitte fucceffive auf einander folgen, im gleichen Mafse am Gefammtwiderftande betheiligen follen. †† Diefe Stahlreifen wurden bisher zum gröfsten Theil aus den franzöfifchen Eifenwerken in Rive de Gier und St. Chaumont und zum geringeren Theil aus dem belgifchen Etabliffement Seraing bezogen. In Hinkunft werden fie aber im Lande, und zwar zu Motala erzeugt, wo man fich für diefen Fabricationszweig bereits einrichtet.