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Guftav Semrad und Johann Sterbenz.
fchiedene in der englifchen Armee und Marine eingeführte Zünder für Granaten und Shrapnels, dann Segmentgefchoffe für Feldgefchütze u. f. w., Gegenftände, welche durchwegs Bekanntes repräfentirten.
Schweiz. Der Wunfch nach Vervollkommnung der Feldgefchütze, welcher, hervorgerufen durch die Erfahrungen der letzten Kriege faft bei allen Mächten befteht, hat zu den eingehendften Verfuchen geführt, und liefsen die auf der Weltausftellung befindlich gewefenen einfchlägigen Objecte namentlich drei Richtungen erkennen, nach welchen die Löfung diefer Frage bisher in einer das Syftem vollkommen durchdringenden Weife angeftrebt worden ift. Indem wir diefe drei Richtungen andeuten, fprechen wir unfere individuelle Anficht dahin aus, dafs mit den vorgeführten Syftemen noch nicht alle jene Wege gekennzeichnet feien, auf denen fich wirkfamere, den Forderungen des neueren Krieges entſprechendere Feldgefchütze componiren laffen.
Auf der Ausftellung hat es fich gezeigt, dafs Italien die Vervollkommnung feines alten, fehr fchwerfälligen Feldartillerie- Materials auf dem Wege möglichfter Erleichterung von Rohr und Laffete zu erlangen fuchte, hiebei wohl eine bedeutende Beweglichkeit und Manövrirfähigkeit erzielte, in demfelben Mafse aber an Gefchofs effect verlor. Die fchweizerifche Artillerie legte hingegen den Hauptaccent auf Trefffähigkeit und Sprengwirkung, wurde dadurch aber naturgemäfs zu fchweren Rohren gedrängt. Die Mitte zwifchen beiden, etwas extremen Richtungen fchlugen die Schweden ein, welche ebenfalls in der Reorganifation ihrer Feldartillerie begriffen find. Die letzteren gingen mit den Gewichtsverhältniffen ihres neu projectirten Materials bis an die für den Feldkrieg zuläffige Grenze, liefsen aber dafür Einiges an balliftifcher Leiftung ihrer Gefchütze nach, fo dafs diefelben wohl als zwifchen der italienifchen und fchweizerifchen Artillerie befindlich, was die vorangedeutenden Factoren betrifft, betrachtet werden dürfen. Welche von den genannten Artillerien den befferen Theil erwählt habe, zu unterfuchen, kann gegenwärtig nicht unfere Aufgabe fein, zumal die Beantwortung einer hierauf abzielenden Frage von Erwägungen abhängt, die uns viel zu weit führen würden. Wir müffen uns daher damit begnügen, die Tendenz zu kennzeichnen, welche bei Schaffung der ausgeftellten Feldgefchütze allem Anfcheine nach vorgewaltet hat. Nach diefer kleinen Abfchweifung kehren wir wieder zur fchweizerifchen Expofition zurück.
Das Militärdepartement derfchweizerifchen Eidgenoffenfchaft hatte unter Anderem ein 8- Centimeter- Gefchütz( conftruirt von Oberft Bleuler) mit neuer Laffetirung, den zugehörigen Caiffon, dann eine Sammlung der für 8-, 10- und 12- Centimeter Gefchütze beftimmten Munitionsforten exponirt.
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Mit vollem Rechte mufs dem 8- Centimeter-( genau 8.4 Centimeter-) Feldgefchütz( Ordonanz 1871) in Bezug auf feine balliftifche Leiftungsfähigkeit ein hervorragender Platz unter den jetzt beftehenden Syftemen eingeräumt werden.
Das exhibirte broncene Rohr von 200 Centimeter Total- und 186 Centimeter Seelenlänge, welches in der Gefchützgiefserei von Emil Rüetfchi in Aarau gegoffen, und bei Gebrüder Sulzer in Winterthur ausgearbeitet wurde,
* Das eidgenöffifche Artilleriewefen fteht fowohl in organifatorifcher als technifcher Beziehung feit Jahren auf einer fehr achtungswerthen Stufe.
Bei einem Sollftande von 8262 Mann Auszug, 5350 Mann Referve und 4643 Mann Landwehr befafs die fchweizerifche Artillerie Ende 1871: 358 gezogene 84- Centimeter- Hinterladgefchütze aus Bronce, und zwar 252 zu 42 Feldbatterien, 36 Ergänzungsgefchütze, 45 Pofitions- und 25 Schulgefchütze, ferner 20 vierpfündige Vorderlader- Gebirgsgefchütze. An gezogenen Hinterladern von Kaliber 10 Centimeter waren vorhanden: 121 Stück, wovon 78 zu 13 Feldbatterien und 43 Pofitionsgefchütze, endlich 118 Stück 12- Centimeter- Pofitionsgefchütze, zufammen 617 gezo. gene Kanonen.