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Allgemeine Bewaffung und Artilleriewesen : (Gruppe XVI, Section 2) ; Bericht / von Gustav Semrad u. Johann Sterbenz
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Guſtav Semrad und Johann Sterbenz.

lichen Aufprotz- und Richtöfen und Handhaben. Gebremft wird in altherkömm­licher Weife mit dem Radfchuhe. Die Requifiten boten nichts Befonderes.

Die Laffete fiel durch ihre aufsergewöhnliche Kürze auf, befafs aber weder leichte, noch gefällige Formen.

Spanien. Das fpanifche Kriegsminifterium hatte die Ausftellung im Allgemeinen fehr reichlich befchickt, jedoch nur das feit 1870 eingeführte broncene 8- Centimeter- Feldgefchütz, und einige Zündergattungen in natür licher Gröfs e, alle übrigen artilleriftifchen Objecte aber in Modellen nach Wien gefendet.

Da waren zunächft die in der fpanifchen Artillerie gegenwärtig beſtehenden Feldgefchütz Rohre, das ftählerne Krupp'fche und das broncene Modell 1868 fammt den zugehörigen Munitions- und Trainwagen, die Gefchütze befpannt, vorhanden.

Weiters das eingeführte Gebirgsgefchütz, auf Tragthieren verladen, und in der Feuerbereitfchaft; eine glatte 28- Centimeter- Küftenkanone und ein gezogener Vorderladungs- Mörfer mit ihren Laffeten und Rahmen, endlich eine leichte und fchwere Transportir- und eine Hebeprotze.

Das fpanifche neuere Materiale ift fehr wenig bekannt; diefs veranlafste uns von demfelben mindeftens eine fkizzenhafte Befchreibung zu bringen. Leider konnten wir über mehrere wiffenswerthe Punkte keine authentifchen Auskünfte erhalten. So fühlbar indeffen die dadurch entftandenen Lücken auch find, fo läfst das Nachfolgende immerhin einige Orientirung und Vergleichung conftructiver Verhältniffe zu.

Die von der Firma Krupp bezogenen Stahlrohre find dem fächfifchen 8- Centimeter- Gefchütz conform.

Das Broncerohr, deffen Hauptdimenfionen in der folgenden Tabelle ( fiehe Seite 99) vergleichsweife mit jenen des Stahlrohres angegeben find, ist mit dem Krupp'fchen Rundkeil( aus Stahl) verfehen, deffen Ladeöffnung mit einem bis zur Hälfte reichenden Broncering gefüttert ift.

Die Bohrung fchliefst ein ftählerner, zur Hälfte mit Schraubengewinden verfehener Ring ab, in welchen der Broadwellring eingefetzt wird. Das Zündloch ift in einen vertical zur Rohraxe ftehenden, eingefchraubten Kern gebohrt.

Das vordere Vifirkorn ift aus Eifen erzeugt, mit vier neben einander ein­gefchnittenen Grinfeln verfehen, und in einen, auf dem rechten Schildzapfen befindlichen Angufs eingefetzt; der dreikantige hohe Stangenauffatz ift aus Meffing hergeftellt, und hat das bekannte Mikrometer- Vifir.

Beim Schiefsen wird zur Reinigung der Bohrung eine mit einer Fett­mifchung gefüllte linfenförmige Kapfel benützt.

Die Granaten find mit dem preufsifchen Percuffionszünder verfehen. Die Büchfenkartätfchen haben zinkblecherne Hülfen mit einer Wulft in der Längenmitte und zinkene Böden.

Die ausgeftellte Broncekanone, deren Conftruction im Jahre 1868 feft­geftellt wurde, und deren Gufs vom Jahre 1869 datirt, iftbe reits mit 1412 Schüffen befchoffen, von denen 515 zur Probe in der Fabrik abgegeben wurden. Die balliftifche Wirkung foll bisher nicht alterirt wor denfein. In der That zeigte die Bohrung auch nur geringfügige Ausbrennungen, und felbft der Zündloch- Stollen fafs feft ohne Klaffung, obwohl das Zündloch bedeutend erweitert und ausgebrannt war. Nur im Fluge war eine in der Transverfalebene der Bohrung gelegene, wahrfcheinlich von einem explodirten Gefchoffe herrührende Vertiefung einzelner Felder wahrnehmbar. Diefe geringen Zerftörungen des Rohres nach 1412 Schüffen deuten auf ein fehr rationelles Schmelz- und Gufsverfahren hin.

Die Laffete des 8- Centimeter- Broncerohres ift aus Holz erzeugt, und befteht aus zwei niederen an Dicke gegen den Protzftock, in den fie ohne Zwifchen­riegel übergehen, zunehmenden Wänden; diefelben find blofs mit eifernen Bolzen