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Das Pionnierwefen.
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Falle in den Hülfen der unteren Pontons- Verbindungsbügel, im anderen Falle aber in den vorderen Oefen der Langbäume eingehakt werden.
Nach diefer allgemeinen Befchreibung der Conftructionseinrichtungen des Wagens wenden wir uns zu zwei Vorrichtungen, die diefem Projectswagen ganz befonders eigen, und die, weil fie neu und originell find, unfere ganz befondere Aufmerkfamkeit verdienen.
Die erfte, die Wendevorrichtung leiftet mehr als alle jene bei den bisherigen Fuhrwerken, felbft wenn diefe, wie unfere Brückenwägen mit ganzer Wendung eingerichtet find, weil bei dem Projecte kein fixer, fondern ein nach der Längen- Mittellinie des Wagens um 9 Zoll verfchiebbarer Reihnagel angebracht ift. Dadurch können alle Wendungen kürzer und fchneller und ftets fo gemacht werden, dafs die innerhalb der Pontonwände laufenden Räder niemals an diefen zu ftreifen vermögen.
Diefe ebenfo finnreiche als zweckmäfsige Erfindung ift unleugbar ein bedeutender Fortfchritt in der Wagenconftructions- Lehre; fie verdient umfomehr Beachtung, weil wir fie nicht nur mit fehr einfachen Mitteln, fondern zuerſt an einem Kriegs- Fuhrwerke, an welches bekanntermafsen ja nur zu oft Forderungen auch hinfichtlich der Wendungen bei fchmalen Strafsen und Paffagen herantreten, welche an fonftige Verkehrs- Fuhrwerke nur höchft felten geftellt werden, zum erften Male in fo gelungener Weife verwirklicht fehen. Diefer Ausfpruch ftützt fich auf die Erprobungen, die vor den Augen einer Commiffion, welcher auch der Berichterftatter angehörte, ftattfanden.
Die Einrichtung diefer Wendevorrichtung, welche die Fig. 4 A, B, C und D veranfchaulichen, befteht nicht wie bei den bisherigen Vorrichtungen für ganze Wendungen aus zwei concentrifchen Wendefchienen, welche fich um einen fixen Reihnagel bewegen, fondern aus einer excentrifchen Führung zwifchen Vorder und Hinterwagen, welche durch folgende Conftructionstheile herbeigeführt wird.
Wie die obere Anficht Fig. 4 A zeigt, ift auf dem vorderen Verbindungseifen E und F des Vordergeftelles und über der Achfe am Vorderwagen ein aus Eifen gebildeter Rahmen befeftigt, welcher vorne die bewegliche Rolle R, in feiner Mitte den Reihnagel N und dann noch die beiden auf ihm befeftigten Führungszapfen O und P trägt
Fig. 4 B zeigt davon den Schnitt durch die Längenmitte; Fig. 4 C die vordere Anficht.
Ueber dem Ganzen liegt der aus Winkeleifen und Eifenplatten gebildete Vorderkaften, welcher mit den vorderen Verbindungseifen der Langbäume, fomit auch mit dem Hinterwagen feft verbunden ift. Sein Boden ift von Holz und in feiner Längenmitte ift aus Winkeleifen ein Schlitz für die Aufnahme des Reihnagels ( Verbindungsbolzens) nebft deffen Schraubenmutter gebildet, deffen Mündung von oben durch den Kaften zugänglich und für gewöhnlich durch eine EifenblechKlappe verfchloffen ift.
Unter diefem Kaften find zwei Wendefchienen befeftigt, und zwar eine äufsere und eine innere.
Fig. 4 D zeigt die Anficht von unten fammt dem Boden des Kaftens mit dem darin befindlichen Schlitze.
Die äufsere Schiene gleicht einer, an einem Ende zufammengedrückten Parabel, deren beide Arme in einem Halbkreife nach rückwärts fich vereinen. Die innere Schiene ift doppelt und dient eben dazu, bei den Wendungen die Bewegung des Vorderwagens auch nach rückwärts zu ermöglichen. Durch die Drehung des Vorderwagens aus feiner geraden Normalftellung nämlich, wobei der bewegliche Reihnagel im Schlitze ganz vorne bei f, die beiden Führungszapfen aber zwifchen den beiden inneren Schienen fich befinden, fängt fich die Rolle R je nach der Wendung rechts oder links zu bewegen an und gleitet an dem vorderen parabolifchen Theile der Wendefchiene des Oberwagens felbftverſtändlich nach rechts
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