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Genie- und Pionnierwesen : (Gruppe XVI, Section 3) ; Bericht ; Militär-Unterrichtswesen : (Gruppe XVI, Section 5) ; Bericht / von Moriz Brunner ; Johann Lauer ; Emerich Zinner
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Das Pionnierwefen.

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der einen Gabelftange nach der Mitte und das Befeitigen der andern ift wohl bald. bewirkt, erfordert aber auch das Aus- und Wiedereinfpannen der Pferde, daher bei mehrfältigen Wiederholungen und ganzen Wagencolonnen nicht wenig Zeit. Alle diefe berührten Uebelftände finden wir bei dem öfterreichifchen Drei­gefpann nicht. Alle Pferde haben vermöge ihrer Einfpannsweife ftets volle und von einander unabhängige Freiheit im Gange und Zuge; die beiden Stangen­pferde können unter allen Verhältniffen im Geleife fortfchreiten, bei engen Wegen auch dem dritten Pferde leichter Platz machen, und dort, wo diefs nicht möglich ist, kann das Wildbahn- Pferd in manchen Fällen auch auf oder gar über der Böfchung gehen. Nur ausnahmsweife wird daher das Vorfpannen desfelben nöthig werden, was leicht und fchnell bewirkt, auch die einzige Aenderung in der Zugsanfpannung ift.

Die Bremsvorrichtung mit der hiemit innig im Zufammenhange ftehenden Deichfel- und Sprengwag- Conftruction, fowie die Befpannung, find nach diefen ein­gehenden Betrachtungen Alles in Allem genommen trotz mancher Vorzüge für Armee- Fuhrwerke nicht brauchbar.

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die fogenannte

Noch mufs hier auch die bewegliche Deichfelftange Deichfelfreiheit- erwähnt werden. Diefe kommt nur bei leichten Fuhrwerken mit Vortheil zur Geltung; bei fchweren Laft- Fuhrwerken erfchwert fie den Pferden das Widerhalten des Wagens zu fehr.

Um den Norrman'fchen Wagen im Bedarfsfalle zurückfchieben zu können, mufs die Sperre unwirkfam gemacht werden. Diefs gefchieht, indem durch einen einfachen Handgriff zwei auf der Sprengwage bei den Winkelhebeln der Bremfe angebrachte Klappen umgelegt werden, wodurch der Druck auf die Bremfe aufge­hoben ift.

Schliesslich ift noch bemerkenswerth, dafs die Tragbäume mit den daran befeftigten Kaften auf Druckfedern ruhen, welche fechsblättrig, je 31 Zoll lang und unter den eifernen Achfen mittelft Klammern und Bügeln befeftiget find.

Die vordere Seite des oberen Federblattes hat die Form einer Hülfe und ift. um einen Hängebolzen unter dem vorderen Querftücke beweglich; das entgegen­gefetzte Ende, welches mit einer Verftärkungsplatte verfehen ift, gleitet unter dem hinteren Querftücke. Diefe Wagenfedern haben beim Durchfahren von Gräben und vielfachen Paffirungen von tiefen Schlaglöchern und Steinverrufungen vollkommen entfprochen und unterſtützten die Widerftandsfähigkeit des allerdings nicht fehr fchwer belafteten Projectwagens fehr; fie waren jedoch, fowie die Anbringung der Sperre an den Vorder- ftatt an den Hinterrädern die Urfache, dafs der Wagen trotz feiner tiefen Schwerpunkt- Lage oftmals nicht wenig gefchleudert wurde. Dennoch find die Vortheile, welche die Federn hinfichlich der befferen Anfchmieg­famkeit des Wagens an den Boden gewähren, überwiegend.

Ihre Einführung aber, fowie die Einführung der als vorzüglich gefchilderten Wendungsvorrichtung in unfere Kriegsbrücken- Wägen wäre nur denkbar bei geringerer Belaftung der Wägen, alfo durch Wagenvermehrung, fowie durch Aende­rungen an dem Materiale und den Verladungsweifen, was aber wieder gleich­bedeutend wäre mit dem Aufgeben unferes fo ausgebildeten Brückenfyftemes.

Für andere als die Kriegsbrücken- Wägen, namentlich für die gewöhnlichen Armee- Fuhrwerke, mögen die Vortheile, die der Norrman'fche Brückenwagen dar­bietet, immerhin mit Nutzen verwerthet werden.

Es wird diefs hier, obwohl über die Grenzen der Aufgabe liegend, darum befonders betont, weil der Wagen bei den Verfuchen eine überraschend leichte Fahrbarkeit gezeigt hat. Die Commiffion fchrieb diefe folgenden, günftig zufammenwirkenden Factoren zu: den etwas fchwächeren und cylindrifchen Achs­ftängeln, den etwas grösseren Hinterrädern, den gröfseren Radkranz- Breiten, der kürzeren Wagenspannung( Entfernung der Achfen), der Anbringung der Federn, der tieferen Lage des Schwerpunktes der Ladung, der vollen Deichfel- und der gröfseren Achfenfreiheit( der Verftellung der Achfen gegen einander) befonders

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