18
Emerich Zinner.
unter dem Feder- Ende des Wagens angebrachten Rolle ruht, und bei dem Drucke der Sprengwage nach unten, unter die Rolle gleitend, die Senkung der Wage geftattet. Die Bremsgeflänge beftehen aus Rundeifen- Stäben, welche theils von dem befagten Hebel ausgehend zu den Enden der Radachfen reichen und dort von den Lahnnägeln gehalten werden, theils aus längeren und gegliederten Geftängen, welche zu den Bremsftöckeln hinführen, diefe umfaffen und leiten.
Schon bei einem mäfsigen Zurückhalten der Pferde tritt die Bremfe in Wirkfamkeit, und diefe verſtärkt fich immer mehr bis zur vollſtändigen Sperrung der Räder, je mehr das Zurückhalten der Pferde bei Zunahme der Strafsenneigung zur Nothwendigkeit wird. Nun darf diefs aber nur bis zu einem gewiffen Mafse gefchehen, weil fonft gar Stillftand einträte; die Pferde müffen defshalb zum fortwährenden Vorwärtsfchreiten angefpornt werden; dabei ift aber ein geringes Zuviel oft unvermeidlich, und die Bremfe wirkt dann gleich darauf wieder zu wenig oder gar nicht. Die Pferde müffen fomit wieder zurückgeriffen werden, um fie nicht durch den fonft nachrollenden Wagen zu gefährden.
Die projectirte Bremfe ift fomit nur für kurze, minder fteile Neigungen gut, im Gegenfalle aber für Laftenfuhrwerke ganz ungenügend, nachdem felbft auf ganz vorzüglichen Fahrbahnen die Pferde nicht ftets im Rückhalte vorfchreiten können, fehr bald erlahmen würden und das Nachrollen des Wagens und fogar ein Niederführen der Befpannung zu befürchten wäre.
Die Art und Weife der Einfpannung felbft betrachtend, zeigt fich uns im Vergleiche mit dem neuen Dreigefpann der öfterreichifchen Armee- Fuhrwerke nur ein geringer Vortheil gegen mehrere bedeutende Nachtheile. Der Vortheil befteht darin, dafs eine gute Fahrbahn vorausgefetzt alle drei Pferde gleichmäfsig an der Sprengwage eingefpannt und daher ftets gleiche Zugkraft ausüben können, während bei unferem Dreigefpann nur zwei Pferde normal an einer Deichfel ziehen, das dritte aber, auf der fogenannten Wildbahn gehende Pferd unter einem etwas fchrägen Winkel zieht, indem die vom Wagdrittel zurücklaufende Kette am Hinterwagen befeftigt ift. Das Wildbahn- Pferd verwendet fomit, vermöge des fchiefen Zugwinkels, nicht feine volle Kraft zur Vorwärtsbewegung des Wagens allein, fondern auch zur ftetigen Seitwärtsbewegung, der wieder die beiden Stangenpferde entgegen wirken müffen; mit einem Worte, es geht ein geringer Theil der Zugkraft verloren. Diefem Uebelftande wurde durch eine Befchränkung des Zugwinkels auf ein Minimum, fchon möglichft abgeholfen.
Die Nachtheile des Norrman'fchen Dreigefpanns dagegen find viel gröfser als die des unferigen. Alle drei Pferde find nach feinem Projecte, eben mit Rückficht auf feine Sperre, durch kurze Widerhaltriemen fo eng aneinander gekoppelt, entbehren fomit der Bewegungsfreiheit dermafsen, dafs wenn eines der Pferde fällt, es faft unvermeidlich die anderen mitreifst und ebenfalls zum Falle bringt. In engen Hohlwegen, wie fie bei den Fahrverfuchen mehrfältig angetroffen wurden, hatten die drei Pferde, fo eng fie auch aneinder gefpannt find, keinen Platz. Spannt man eines der Seitenpferde vor, was allerdings nach der Einrichtung der Deichfelgabeln und Gefchirre ganz gut angeht, fo können die beiden anderen Pferde in den meiften Fällen doch nicht anftandslos gehen, ohne fich gegenfeitig im Zuge fortwährend zu hindern. Hat nämlich der eingefchnittene Weg oder Hohlweg, was meift der Fall ift, ausgefahrene Geleife und fomit in der Mitte der Fahrbahn eine Erhöhung oder gar einen Kamm, fo kann das Gabelpferd, das vermöge feiner Einfpannung in der Mitte des Fuhrwerkes zu gehen gezwungen ift, fich nicht immer auf dem oft zu fchmalen Kamme erhalten und rutfcht und ftolpert bald in das freie, bald in das andere Geleife, wo das Nebenpferd geht, verliert dadurch nicht nur felbft an Leiftungsfähigkeit, fondern hindert fomit auch das andere Pferd im Zuge. Diefem Uebelftande ift nur abzuhelfen, wenn man aus der Gabel eine einfache Deichfel macht, wozu die Sprengwage und die Deichfel auch eingerichtet ift. Die Sprengwage ift nämlich mit fünf Oefen für die Schwängel, dann mit Oefen und Federn für die Stangenbolzen verfehen. Diefes Umftellen