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Militär-Sanität und freiwillige Hilfe im Kriege : (Gruppe XVI, Section 3) ; Bericht / von Mosetig von Moorhof, k.k. Primararzt und Universitätsdocent
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Dr. Mofetig von Moorhof.

das Befte vor, was bisher im Küchenwagen- Bau dieser Art geleiſtet

worden ift.

Nr. 34. Locati, Wagenfabrikant in Turin:

Feld- Küchenwagen für Lazarethe und Ambulancen im Kriege( Syftem Mundy). Kocht in 2 bis 3 Stunden für 800 bis 1000 Ver­wundete, vierrädrig und zweifpännig zu fahren, ift ähnlich dem eben befchrie­benen, aber nicht ganz abfperrbar und weniger vollſtändig eingerichtet. Der felbe ift um die Hälfte leichter als der Kellner- Mundy'fche, den wir foeben befchrieben haben.

Zweirädrige Feldküche. Einfpännig, Syftem Coutard, ver­beffert durch Mundy und Locati. Kocht in 2 bis 3 Stunden für 250 Verwundete, hat zwei grofse Keffel, die von rückwärts geheizt werden. Der Kochende fteht vor dem Herde. Diefer Wagen ift zweirädrig, fehr leicht und durch ein Saumthier ziehbar.

Feldküche für Truppen( Syftem Locati). Kocht in vier Stunden für 2500 Mann. Der vierrädrige, äufserft fchwere Wagen befitzt einen langen Wagenkaften mit Dach, in dem ein langer Mittelgang und jederfeits von ihm je fünf, hinter einander ftehende, im Ganzen alfo zehn grofse Keffel, die je einen gemeinfchaftlichen Feuerungsraum haben, der von rückwärts gefpeift wird. Beim Fahren werden die Keffel aus dem Behältniffe, in welchem fie ftecken, empor gehoben und mittelft Haken auf einer ftarken Eifenftange fchwebend aufgehängt, damit der Inhalt nicht allzufehr ausfliefse. Diefer Wagen dürfte fich feiner Schwere und Unbehilflichkeit und des Umftandes wegen, dafs der arme Koch zwifchen zehn grofsen kochenden Keffeln eingefchloffen bleibt, und alldort für die Länge kaum zu verweilen vermöchte, kaum empfehlen.

Unter der Rubrik Magazinswagen fand ich unter Nr. 36 im Specialkataloge einen Wafferheizungs- Brot- Backofen von Haag in Augsburg. Da aber meiner Anficht nach, wenn man Brot als Aequivalent für Nahrungsmateriale annimmt, ein Brot- Backofen eher zu den Küchenwagen als zu den Fourgons zu rechnen ift, fo erlaube ich mir denfelben in diefem Capitel aufzunehmen. Der vier räderige Wagen ift monftrös grofs und ganz aus Eifen gebaut. Eine vielfach gewundene Dampfröhren- Leitung heizt die Ofenräume, in denen 48 Brote à vier Pfund in einer Stunde gebacken werden können. Sollte an Brot grofser Mangel herrfchen, oder das aus den Militärbäckereien gefafste Brot fchon fchimmelig und verdorben an feinem Beftimmungsorte angelangt fein, dann könnte diefer Wagen­kolofs allerdings einige Dienfte leiften. Ob aber das frifchgebackene Brot in Laiben à vier Pfund, welches diefer Backofen liefern mag, auch für die Mägen der Verwundeten und Kranken zuträglich fei, ift zu bezweifeln. Ift es aber für die marfchirende Truppe beftimmt, dann enthalte ich mich fchon gar jedes Urtheiles, glaube jedoch, dafs an Brot kaum je ein ganz plötzlicher Mangel fich einftellen, und man fonft dafür auf andere Weife forgen können dürfte.

Noch einen Küchenwagen muss ich zum Schluffe erwähnen, der in der ungarifchen Abtheilung der Mafchinenhalle weilte, und zwar unter dem Namen: Beweglicher Militär- Kochherd vom Grafen Zichy, Eugen und Lucács Sigmund in Stuhlweifsenburg. Ein leichter, vierrädriger und zweifpannig zu fahrender, ganz offener Wagen, hat hinter dem Kutfchbocke einen länglichen Kaften, in dem zwei ebenfolange, länglich viereckige Kochkeffel angebracht find. Der Feuerherd nimmt die Mitte zwifchen den zwei Keffeln ein, fo dafs letztere nicht vom Bocke aus, fondern nur durch einen Theil der Seiten­wand geheizt werden können. Der Koch mufs auf dem Kutfchbocke fitzen und kann während des Fahrens weder das Feuer unterhalten, noch auch das Kochen überwachen. Eine ungemein gefällige Form und grofse Leichtigkeit find unleug bare Vorzüge diefes Wagens, der angeblich für 1000 Kranke berechnet ift. Der Mangel einer Bedachung ift zu betonen, die bei einem Küchenwagen wohl nicht entbehrlich ift. Ob das Beheizen fo grofser Keffel zu Kochzwecken von der