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Dr. Mofetig von Moorhof.
Verwundete in einem Raume unterbringen, um den Hofpitalismus ja nicht auf. kommen zu laffen. Vierundzwanzig Betten dürfte fchon das Maximum fein.
Das Modell, welches fub Specialkatalog Nr. 58 a Herr Baumeifter L. Jacobi in Homburg ausgeftellt, dürfte fchon das Erreichbare an Schönheit und Zweckmässigkeit bieten. Diefe gefchloffene Winterbarake, welche nach eigenen Ideen Ihrer k. k. Hoheit der Frau Kronprinzeffin von Deutfchland im Jahre 1870 zu Homburg errichtet wurde, ruht auf Ziegelunterbau und ift mit allen früher angegebenen Poftulaten auf das Vorzüglichfte verfehen. Dennoch fcheint uns die Lage der Fenſter zu tief, weil die Luft gerade über den Köpfen der Kranken auf den in gleicher Höhe ſtehenden Bettgeftellen
ausftrömen mufs.
Sommerbaraken unterfcheiden fich von den gefchloffenen dadurch, dafs fie eine offene oder halboffene Seitenwand befitzen. Das fefte, gewöhnlich mit Steinpappe überzogene Dach hat Firſtventilation und ruht auf feften Pfeilern. Die eine Seitenwand fehlt, oder ift nur bis zur Hälfte oder zu zwei Dritttheilen der Höhe oben fowohl als unten aus Bretern gezimmert; den mittleren Reft oder die ganze fehlende Wand nehmen die aufrollbaren Leinenplachen auf, wefshalb man fie auch Zeltbaraken nennt. Trotz der halb oder ganz geöffneten einen Seitenwand ift die andere doch ftets mit Fenftern verfehen, welche Licht und Luft auch bei gefchloffener Leinwandplache zulaffen. Die Betten ftehen in den Sommerbaraken gleichwie in den gefchloffenen Winterbaraken in zwei Reihen einander gegenüber. Denkt man fich nun eine Sommerbarake der Länge nach gefpalten und die eine Hälfte für fich aufgeftellt, fo wird man den Begriff eines Flugdaches bekommen. Ein Flugdach fieht demnach einer Wagenfchuppe ähnlich, hat drei gefchloffene, aber mit Thüren und Fenſtern verfehene Wände und ein abfchüffiges Halbdach, die Vorderwand fehlt gänzlich und wird durch die Leinwandplachen erfetzt. Ein Flugdach kann natürlich nur eine Reihe Betten faffen. Das fchönfte und vorzüglichfte an Hofpital- Flugdächern ift während des franzöfi fchen Bürgerkrieges 1871 von Profeffor Mundy im Parke von St. Cloud erbaut worden; ein im Sanitätspavillon der Wiener Weltausftellung aufliegender Altas( Katalog Nr. 115. Ambulance de la grande gerbe. Parc de St. Cloud 1871) gab davon gelungene photographifche Anfichten; ich kenne diefe Mufterbauten auch durch Autopfie. Acht grofse Flugdächer zu je 25 Betten bildeten das eigent liche Lazareth. Viele andere kleinere Baraken und Zelte dienten als Wohnungen und zur Adminiftration. Die Clofets waren nach Moule's Syftem, das heifst mit Erde gefüllt und hatten fich fehr gut bewährt. Die Aufftellung der Baraken war keine typifche, da das Terrain hiezu ungeeignet war, fondern es waren fünf mit der offenen Seite dem Süden zugerichtet, zwei fahen nach Often und eine nach Weften. Ihre Entfernung von einander war 25 bis 30 Meter. Jede Barake, die Form eines länglich- viereckigen Holz- oder Wagenfchuppens darftellend, hatte eine Länge von 40 Meter, eine Breite von 5 Meter. Die Höhe betrug an der offenen Seite 6, an der rückwärtigen Seite, des Abfallens des Daches wegen, 4 Meter. So hohe Flugdächer dürften wohl noch nie erbaut worden fein.
Die ungewöhnliche Tiefe entrückte die Bleffirten den Witterungseinflüffen fo vollkommen, dafs ein Breterverfchlufs des oberften Endes der Vorderwand nahe dem Dache ganz unnöthig war. Der Breterboden war 12 Fufs über das Niveau des Bauplatzes erhöht und waren die Dielen der Länge nach gelegt, damit die Erfchütterung beim Gehen fich nicht den Betten mittheile, was ftets der Fall ift, wenn diefe der Quere nach genagelt find. Die Breterwände hatten eine doppelte Verfchalung und waren alle Fugen für fich noch feparat durch hölzerne Leiften verfchloffen, fo dafs weder Luftzug, noch Eindringen des Regens zu befürchten ftand. Ueberdiefs waren noch die Breterwände inwendig mit weifser Oelfarbe und aufsen mit Theer beftrichen, eine Einrichtung, die wohl alle Baraken haben follten, da die rauhen unbedeckten Breter fonft Infectionskeime allzu leicht fixiren, und das Reinigen der Wandungen ungebührlich erfchweren.