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Militär-Sanität und freiwillige Hilfe im Kriege : (Gruppe XVI, Section 3) ; Bericht / von Mosetig von Moorhof, k.k. Primararzt und Universitätsdocent
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Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege.

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Endlich ftellte Gueride aus Paris( ift leider im Specialkatalog nicht auf­genommen) einen trois quartähnlichen Apparat aus, deffen Stachel vorne ein abgerundetes Knöpfchen trägt, welches zwei durch rechtwinklig fich treffende Ein­fchnitte gebildete kreuzförmige etwa zwei Linien tiefe Furchen befitzt, Die Furchen­ränder find fcharf und ſchneidend zugefchärft. Führt man den armirten Trois­quart bis zur Kugel vor, fixirt die Canüle daran, und rotirt dann den feft angedrückten Stachel an das Bleiprojectil, fo werden die fcharfen Ränder der Kreuzfurchen kleine Partikelchen davon wegkratzen und mitnehmen. Entfernt man dann das Inftrument und befichtigt die abgekratzten Stückchen mit der Loupe, fo wird man mit Leichtigkeit die Blei-, eventuell die Knochenpartikelchen zu erkennen in der Lage fein.

Da aber die Schufscanäle oft gekrümmte und gewundene Gänge darftellen, in welche der ftarre und gerade Troisquart nicht einzudringen vermöchte, hat Gueride die Canüle fowohl als den Stachel feines Explorativinftrumentes beweg­lich gemacht; die Canüle beſteht aus einer enggewundenen Metallband- Spirale, der Stachel aus einer enggegliederten Kette ähnlich einer Jeffray'fchen Kettenfäge. Starre und bewegliche Troisquarts fammt Loupe bilden den Inhalt des Gueride­fchen Etuis.

Zur Extraction von Schufsprojectilen fanden wir die Kugelbohrer von Baudens, Collin, Movy und Anderen, Kugellöffel nach B. v. Langenbeck, Hakenzange nach Tiemann, auch amerikaniſche Kugelzange genannt, und deren fehr praktiſche Modification von Mathieu.

Von completen Inftrumentarien waren auch fehr hübfche Exemplare aus­geftellt, fo von Collin, Mathieu, Windler, Geffer, Leiter, Thürriegl ( deutfcher Ritterorden, Inftrumentarium für den Verbandplatz); dann die regle­mentären Armee- Inftrumentarien von Deutfchland, Rufsland, Oefterreich, Schwe­den und Spanien.

Unter dem Titel:" Apparat, um ohne Blutverluft Operationen an den Gliedmaffen auszuführen", ftellte Profeffor Esmarch( Katalog Nr. 74) eine elaftifche Rollbinde und einen etwa fingerdicken Kautfchukfchlauch aus, zwei Apparate, welche für die Friedens- und Kriegeschirurgie von der grössten Bedeutung find. Seitdem man fie kennt, werden faft fämmtliche Operationen an den Extremitäten auf eine unblutige Weife ausgeführt, und Fingercompreffion fowohl als Tourniquets haben fchon jetzt dem Kautfchukfchlauche das Feld geräumt. Es march's Gedanke war, das Operationsfeld blutleer zu machen, und es auch bis zur Vollendung des Eingriffes blutleer zu erhalten. Die Applications­weife ift einfach folgende: Die zu operirende Extremität wird von den Fingern oder Zehen an mit elaftifchen Rollbinden feft umfchnürt bis über die Stelle hinauf, wo das Operationsplanum liegt, wodurch fämmtliches Blut aus den Extremitäten förmlich aus- und dem Stamme zugeprefst wird. Hierauf wird knapp über der letzten Bindentour der Kautfchukfchlauch ftramm um die Extremität gewickelt und der Theil derart comprimirt, dafs das arterielle Blut auch nach Abnahme der elaftifchen Rollbinde nicht mehr in die Extremität einzudringen vermag.

Durch diefes combinirte Verfahren kann man jede Extremität ganz blutleer machen, und jede Operation mit Mufse, Ruhe und ohne durch Blutungen geftört zu werden, ausführen. Die Entfernung des Kautfchukfchlauches ftellt im Momente die normale Circulation des Theiles wieder her. Bisher gemachte Erfahrungen lehren, dafs man den Kreislauf bis 40 Minuten lang in einem Extremitätstheile aufheben könne, ohne letzterem Schaden zu bringen; auch der Verlauf der Wund­heilung erleidet dadurch keine Abänderung. Diefes Esmarch'fche Verfahren, welches wohl nicht in der Idee, wohl aber in der Art und Weife der Ausführung neu ift, kann für alle blutigen Operationen, welche unterhalb des Schulter- und Hüftgelenkes auszuführen find, Anwendung finden; gegenangezeigt ift es nur bei eitrigen oder jauchigen Infiltrationen der Weichtheile, weil man dabei ob des ganz ausgiebigen concentrirten Druckes nebft dem Blute auch die gedachten