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Dr. Mofetig von Moorhof.
Flüffigkeiten in den Kreislauf zurückpreffen könnte. Der Kautfchukfchlauch allein ift aber immer und unter allen Verhältniffen jedem anderen Compreffionsverfahren zum temporären Aufheben der Circulation vorzuziehen, wo man letzteres an einem Extremitätstheile auszuüben hat. Zur Compreffion der arteria fubclavia oder iliaca eignet es fich freilich nicht.
Vauzetti Silveftri und Chaffagnac wollen Esmarch die Priorität der gedachten Methode ftreitig machen, auch ift fie in allerneuefter Zeit in London von Cripps in London infofern modificirt worden, als die Rollbinde weg. gelaffen, und nur der Kautfchuckfchlauch zu beiden Zwecken verwendet wird Man umfchnürt mit 5 bis 6 Touren des elaftifchen Schlauches das Glied am peripherften Theile, und rollt dann mit einer eigenen Welle fämmtliche Kautschuktouren, gradatim eine nach der anderen von der Peripherie zum Centrum, bis das Operationsfeld überfchritten ift. Es ift klar, dafs man hiedurch im Stande ift. alles Blut allmälig zurückzudrängen, und die Wirkung der Rollbinde vollkommen zu erfetzen. Ob diefes Verfahren aber einfacher fei als jenes mit der elaftifchen Binde, das müfste man wohl a priori bezweifeln.
Handapotheken für den Verbandplatz waren mehrere zur Anfchauung gebracht, namentlich heben wir hervor jene des ruffifchen Kriegsminifteriums als wohl geordnet und gut verpackt in den fchon erwähnten geflochtenen Körben mit Schweinsleder- Ueberzug, und die ungemein niedliche, leicht transportable und zweckmässig eingerichtete Feldapotheke des öfterreichifch- deutfchen Ritterordens. In der Ausftattung ähnelt fie einem kleinen Handkoffer, der auseinander geklappt in zwei Räumen, die wieder durch Deckelverfchlufs zu fichern find, alle jene Medicamente enthält, welche als die nothwendigften für die erfte Linie zu rechnen find. Sämmtliche Gefäfse liegen in eigenen Vertiefungen des Bodens, und deren unverrückbare Lage und der Stoppelverfchlufs wird durch Federdruck vollends gefichert. Das flüffige Eifenchlorid ift durch Leinwandröllchen, die damit gefättigt find, erfetzt, eine Einrichtung, die jeder praktiſche Chirurg gewifs billigen wird. Jedes Leinwand- Stückchen ift in Guttapercha- Papier eingehüllt, und wird bei der Anwendung einfach glatt auf die Wunde gelegt. Bei Blutungen aus Höhlenwunden dagegen wird das Läppchen trichterförmig in die Höhle hineingefchoben und der Innenraum mit Charpie tamponirt. Vielfache Ver luche bewiefen zur Genüge, dafs die Wirkung diefer ftyptifchen Leinwand ganz identifch fei mit jener des flüffigen Eifenchlorides, nur ift die Art und Weife der Anwendung eine viel einfachere, leichtere, und die Finger der Chirurgen fchonendere, als jene mit dem flüffigen Präparate. Ebenfo praktiſch erdacht ift die Einrichtung zur hypodermatifchen Morfiuminjection. Um nämlich die Abfcheidung kryftallinifchen Morfiums aus der Löfung zu verhindern, die doch bekanntermafsen immer eintritt, wenn die Löfung längere Zeit im Gefäfse fteht, ift das Morfiumpulver in der Dofis von je 2 Gran in weithalfige Gläschen I Drachme Inhalt eingefchloffen. Bei der Anwendung füllt der Art das Gläschen voll mit deftillirtem Waffer, und bekommt dadurch eine Löfung von 2 Gran auf 1 Drachme. Das weithalfige Gläschen geftattet ferner das unmittelbare Einführen der Pravaz'fchen Spritze ohne Beihilfe der Stichcanüle, wodurch die Nothwendigkeit, die Löfung erft in ein Schälchen einfchütten zu müffen, bevor und damit man fie in die Spritze einfaugen könne, wegfällt. Die Menge der bereiteten Löfung ift auch fo klein, dafs der Feldarzt kaum je in die Lage kommen dürfte, fie nicht täglich verbrauchen zu müffen, wodurch auch der Vortheil fich ergibt, eines ftets frifch bereiteten Medicamentes fich bedienen zu können.
Die oben angedeutete Form der Handapotheke, ähnlich einem Handkoffer, empfiehlt fich vor jener bisher üblichen mit Etagenfächern aus dem Grunde, we der Arzt den Gefammtinhalt der Apotheke leichter überfehen kann, und dadurch auch das Aus- und Einpacken bedeutend erleichtert wird.
Das Verdienft der Einrichtung und Conftruction diefer Feldapotheke gebührt dem Director der k. k. Hofapotheke in Wien, Herrn E. Steinebach.