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Rudolf Baron Potier des Echelles.
änderung erfahren hat, und nur bezüglich der Vertheilung des Explofivftoffes, in Patronen mit Rand und folchen mit Centralzündung gefchieden wird. In dem ausgedehnten Induftriezweige der Zündhütchen und Patronenfabri cation glänzten die Ausftellungen Frankreichs, Belgiens und Oefter reichs, deffen Export an Zündhütchen nach Deckung des Patronenbedarfes für die Armee feit dem Jahre 1867-1872 von 509 auf 1684 Centner, im Werthe von mehr als 160.000 fl. geftiegen ift, wobei die Fabrication eines Nebenproductes in Geftalt von mehr als 200 Millionen Metallöfen nicht berücksichtigt erfcheint.
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Noch bleiben die Zündfchnüre zu erwähnen, welche im Feftungskriege, überhaupt bei allen Sprengungen mannigfache Verwendung finden. Die alten, lange Zeit üblichen Entzündungen von Minen find in neuerer Zeit durch Verwendung von Elektricität und, wo diefe wegen mangelnder Vorrichtung nicht angewendet werden kann, durch Trawniczek's rafchbrennende Zünder und Trauzel'fche Schnüre*) mit Momentzünder fehr erfolgreich erfetzt worden. Diefe Schnüre, aus mit Dynamit gefüllten Papier- oder Kautfchukröhrchen beftehend, find fehr fchmiegfam, wafferdicht, leicht transportabel, werden mittelft Sprengkapfeln zur Exploſion gebracht, und eignen fich defshalb ganz befonders für militärifche Zwecke, was jedoch deren praktifche Verwendung in Bergwerken und Steinbrüchen keineswegs ausfchliefst. Nebft diefen Zündfchnüren waren auch folche ausgeftellt, welche, in Bleiröhren verwahrt, ihres Gewichtes und hohen Preifes wegen aber allmälig den vorhin genannten Zündmitteln weichen müffen; ferner die Producte der bekannten Innsbrucker Firma Heigel, welche allein jährlich mehr als 2½ Millionen Meter Zündfchnüre fabricirt, die nicht nur in Oefterreich, fondern auch in Deutfchland, Italien und der Schweiz bereitwillige Abnehmer finden; dann die Sicherheits- und Guttapercha- Zünder der englifchen Firma Bickfort, welche felbft in einer Tiefe von 15' unter Waffer fortbrennen, endlich die Producte zweier fchwedifcher Firmen, und, in einem eigenen Pavillon( von Mahler und Efchenbacher) die verfchiedenften Mufter von Zündfchnüren, Sicherheitszündern, Sprengmitteln und elektriſchen Zündapparaten.
In die Gruppe III gehören fchliefslich die alten, theilweife noch gebräuch lichen Leuchtkugeln und Signalraketen, welch erftere dem elektrifchen Lichte unterlagen, während letztere noch immer- namentlich zur See- befchränkte Anwendung finden. Die Befprechung diefer Feuerwerkskörper mufs aber unter bleiben, weil diefelben auf der Weltausftellung gar nicht vorhanden waren. In der Gruppe IV:
Nahrungsmittel,
ift es die gegenwärtig fo hochbedeutende und immer zunehmende Induſtrie der Confervenfabrication, welche ihr Entftehen zum gröfsten Theile dem Bedürfniffe dankt, die auf verhältnifsmäfsig kleinen Räumen, mit rafch auf einanderfolgenden Actionen operirenden gewaltigen Armeen der Neuzeit ausreichend zu verproviantiren. Zwar machte es der Dienft zur See ſchon lange nothwendig, gewiffe Nahrungsmittel, namentlich Fleifch, zu conferviren, dafs fie auch nach längererer Aufbewahrung geniefsbar bleiben. Allein die Dimenfionen diefer Aufgabe waren gegen jene der Verpflegung einer Armee von einer Million Menfchen, die täglich effen müffen, fo unbedeutend, dafs die Erzeugung von Conferven fich meift auf das traditionelle Pökelfleisch, die gefalzenen Fifche namentlich den Häring- von Luxusgemüfe und Delicateffen befchränkte, Ja! welch letztere für eine Armee das find, was dem Blinden die Farben. nicht nur der Krieg felbft, fondern fogar die Folgen eines folchen, gaben den
*) Beide Erfindungen von öfterreichifchen Genie- Offfcieren.
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