Das Heerwefen
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Impuls zur Erfindung von Conferven; fo z. B. war die Verminderung des Viehftandes während des amerikanischen Krieges und der dadurch bedingte Mangel an Milch die erfte Veranlaffung zur Erfindung der condenfirten Milch, welche jetzt auf allen Schiffen im Gebrauche ift, in allen Continenten verbreitet wird, und fich immer mehr in den Haushaltungen einbürgert.
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Die grofsen Truppenmaffen der modernen Kriege finden in den occupirten Ortfchaften felten die nothwendigen Nahrungsmittel, und felbft im günftigften Falle ift es nicht immer möglich, die in den Gehöften etwa vorhandenen Lebens. mittel zu fammeln. Die ſchnelle Bewegung der Armee hält nicht gleichen Schritt mit dem langfamen Gange der Transportmittel des Nachfchubes; das Schlachtvieh wird durch lange Märfche zum Skelet und liefert ftatt Fleiſch nur Muskeln; - das Schlachten der Thiere, das Kochen des oft noch zuckenden Fleifches hat eine unendliche Reihe von Schwierigkeiten zur Folge, welche durch den etwaigen Ausbruch einer Viehfeuche noch den letzten Anftofs zu ernften, mög. licherweife die Erfoge des Feldzuges in Frage ftellenden Calamitäten erhalten. Diefe bitteren Erfahrungen führten zu oft wiederholten Verfuchen, Conferven zu erzeugen, welche bei kleinem Volumen und geringem Gewichte dem Soldaten in Zeiten der Noth eine fchmackhafte, Fleifch und Gemüſebeftandtheile enthal tende Nahrung bieten Diese Frage wird feit mehr als 15 Jahren in Oefterreich ftudirt, und kam Büchfenfleifch fchon feit diefer Zeit in den Forts Dalmatiens und der venetianifchen Küfte zur Verwendung, begegnete aber immer einem unbefiegbar fcheinenden Widerwillen des Soldaten, woran wohl das mangelhafte Fabricat die meifte Schuld tragen mag, da gerade die in neuerer Zeit in Cafernen, auf Märfchen und bei Manövern, ja fogar auf der Weltausftellung felbft angeftellten Koftproben und Verfuche ein durchaus günftiges Refultat ergeben haben, und die Soldaten mit der pikanten Conferve, namentlich deren fchneller Zubereitung, ganz einverftanden waren, und nur etwas mehr Wein" dazu verlangten.
Welche Rolle die Erbswurft und das Gullyafch im letzten Kriege fpielten, wird wohl noch in ziemlich lebhafter Erinnerung fein. Dafs namentlich erftere fich nur bedingten Beifalls erfreute, liegt wohl zum meiften in der haftigen, überftürzten Maffenzubereitung, wobei die bei Fabrication von Conferven abfolut nothwendige rigorofefte Reinlichkeit und Sorgfamkeit leicht hie und da verfäumt fein mochte.
Um diefe haftige Production und deren Nachtheile zu vermeiden, empfiehlt es fich, fchon im Frieden den Bedarf an Fleifchconferven zu erzeugen und zu deponiren, wobei die jährlichen Ueberfchüffe bei den grofsen Waffenübungen verzehrt, zugleich eine Controle der Güte des Materiales und eine Erfparnifs bilden.
Was nun die Conferven für militärifche Zwecke betrifft, fo waren auf der Weltausftellung vorhanden: In der belgifchen Abtheilung Liebig's Fleiſchextract, welcher im deutfch- franzöfifchen Kriege, namentlich in Spitälern, eine bedeutende Verwendung gefunden hatte; von Uruguay Fleifchextract in Blechdofen; von Nordamerika Fleifchextracte, und Proben jener grofsartigen Schweinefchlacht- und Pökelungsanftalt in Cincinnati, welche den Vorgang bei der Verwandlung von lebendigen Grunzthieren in faftige Schinken in grofsen, fehr anregenden und wohl allgemein bekannten Tableaux zur Anfchauung gebracht hat; von England gemifchte Fleiſch- und Gemüfe conferven für die königliche Marine; von der Schweiz condenfirte Milch; von Holland gemifchte Conferven für den Seedienft; von Dänemark Selchfleifch in Blafen; von Deutfchland Fleifch- und Gemüfeconferven, Suppenmehl; von Ungarn Speck und Salami, und von O efterreich eine Innsbrucker Firma mit condenfirter Milch( für Spitäler), dann Wagner& Comp., und Breden& Kurth, von denen die erftere hauptfächlich Gemüfe- und Fleifchconferven, die andere Bohnen und Erbswürfte( beide Producte für den Armeebedarf berechnet) erzeugt, und hat die erftere während des deutfch- franzöfifchen Krieges grofse Lieferungen an die deutfche Armee übernommen und zufriedenftellend durch