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Marinewesen : (Gruppe XVII, Section 1 bis 4) ; Bericht / von Alexander Friedmann, Civiling. in Wien
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Marinewefen.

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gebiete für feine Induftrie- Erzeugniffe weit über die Grenzen des Nachbarftaates ausgedehnt. So wird das Material zur Arbeit vermehrt und die Sicherheit des Verkaufes der Erzeugniffe, die Bürgfchaft diefer Arbeit, weil nicht mehr abhängig von den Ernte- Ergebniffen oder fonftigen veränderlichen Verhältniffen einzelner Provinzen oder Nachbarländer, gefteigert.

Diefer Erfolg kann materiell allerdings auch durch den vermittelnden Seeverkehr anderer Staaten erzielt werden, und wenn ein Induſtrieftaat, wie die Schweiz z. B., keine Seeküfte hat, bleibt ihm auch kein anderer Weg übrig Hiedurch erwächft aber nicht nur eine grofse Abhängigkeit von den Zuftänden des vermittelnden Seeftaates, fondern es entgehen dem eigenen Staatsbürger die gewichtigen, intellectuellen Vortheile, die fonft der directe Verkehr mit fernen Ländern und die unmittelbare Erkenntnifs ihrer Zuftände und Bedürfniffe mit fich bringen; ganz abgefehen davon, dafs der Seeverkehr an fich eine grofse Induftrie darftellt, deren Förderung dem Staate zu Gute kommt wie die Förderung der Induftrie überhaupt.

Das Seewefen nun hat die Aufgabe, den Seeverkehr ficher, rafch und billig zu geftalten.

Was die bereits erzielte Rafchheit der Seefahrten anbelangt, fo genügt zu deren Würdigung zu erinnern, dafs ein guter Dampfer die Fahrt von Europa nach Amerika, welche früher 6 bis 8 Wochen erheifchte, heute in 9 bis 10 Tagen zurückzulegen vermag.

Auch die Sicherheit ift bereits weit gediehen. Eine englifche Gefellſchaft, die feit zwanzig Jahren in Taufenden von Fahrten über eine Million Paffagiere über den Ocean gebracht hat, rühmt fich, dafs noch kein einziger ihrer Paffagiere in der See umgekommen ift. Wenn nun auch diefe Behauptung fo weitgehend ift, wie fie nicht einmal die beftverwaltete Eifenbahn für ihren Perfonenverkehr aufftellen könnte und wir jedenfalls eine fo gar grofse Sicherheit zur See noch nicht erreicht haben, fo ift es doch gewifs, dafs fchon heute die Zahl der Unglücksfälle mit Dampffchiffen im Verhältniffe zur Zahl der beförderten Perfonen nicht den zwanzigften Theil der früheren beträgt, welche vor Erfindung der Dampffchiffe fich ereigneten. Freilich find auch diefe verhältnifsmäfsig feltenen Unglücksfälle durch die Menge der dadurch Betroffenen und durch die Tragik der Scenen, die fich hiebei meift zu ereignen pflegen, abfchreckend genug, und es mufs noch Vieles verbeffert werden; immerhin ftellt aber fchon das jetzige Stadium des See­verkehres in Bezug auf Rafchheit und Sicherheit gegen ehedem einen grofsen Erfolg dar.

Diefer Erfolg ist nun nicht dem Dampffchiffe allein zu danken; denn nicht die offene See allein, auch die Küften und Untiefen bergen Gefahren; nicht die Gefchwindigkeit des Schiffes allein, auch die Mittel zur Beftimmung der zu verfolgenden Richtung im Meere, die Leichtigkeit der Einfahrt und des Aus- und Einladens im Hafen bedingen die Rafchheit des Seeverkehres; nicht allein der Preis der Kohlen und Schiffsmaterialien, auch die Tüchtigkeit der Seeleute, die geeigneten Vorkehrungen zur Inftandhaltung der Schiffe und der wirkfame Schutz der ganzen Handelsintereffen bedingen die Billigkeit des Seeverkehres.

Diefs Alles nun erheifcht eine ganze Fülle von Vorkehrungen:

Genaue Seekarten und finnreiche Inftrumente, zu deren Schaffung erft die Aftronomie und die ganze Phyfik ihre Lehren geben mussten, orientiren den Führer des Schiffes auf offener See bei Tag und bei Nacht, bei Sonne und bei Nebel über die Stelle, wo er fich befindet, und über die Richtung, die er ein­zufchlagen hat.

Leuchtthürme und Warnzeichen, deren Errichtung und Betrieb die Intelli­genz und die Thätigkeit einer Menge tüchtiger Leute, erheifcht, warnen den See­mann vor den Gefahren der Küften und Untiefen.

Geräumige Häfen, durch kunftreiche Dämme und fchwierige Uferbauten gefchaffen, bieten dem Schiffe nach vollendeter Fahrt ficheren Aufenthalt; Hebe