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Alexander Friedmann.
viel kleiner als bei einem freien Dampfer, dafür müffen die Zinfen und die Amortifationsquoten des Capitals der Kette oder des Seiles beftritten werden, welche befonders bei mäfsigem Verkehre die Regie ftark belaften. Schiffe, an derfelben Kette fahrend, können einander nicht ausweichen; in nicht durchwegs regulirten Strömen, wo das Fahrwaffer rapiden Aenderungen unterworfen ift und bei windigem Wetter ift das Lenken eines Seil- oder Kettenfchiffes, welches einen Convoi von anderen Schiffen remorquirt, fehr erfchwert und dadurch auch für die entgegenkommenden freien Dampfer das Ausweichen fchwierig. Endlich kann für den Perfonenverkehr Kette oder Seil ftromaufwärts ebenfowenig wie für die Thalfahrt überhaupt dienen, für diefe Verkehrszwecke ift alfo das in der Kette oder dem Seile ruhende Capital unbenutzbar.
All' diefe zufammen fonach fehr gewichtigen Nachtheile vermochte indefs die Kohlenerfparnifs, welche durch diefe Schifffahrtsweife erzielt wird, auszugleichen, und zwar in ganz entfchiedener Weife und allenthalben, fo lange die Schiffsmafchinen nicht den heutigen Grad der Vollkommenheit hatten. Heute ift die Sache für grofse Ströme bereits weniger evident, und je mehr die Schiffsmafchinen vervollkommnet werden, je kleiner alfo der Kohlenverbrauch überhaupt wird, defto kleiner wird auch der abfolute Werth der Differenz der durch die Ketten- oder Seilfchiffe erfparten Kohlen, und um fo wahrfcheinlicher wird diefer immer kleiner werdende Vortheil durch die vorerwähnten, ziemlich conftant bleibenden Nachtheile aufgehoben werden.
Für die oberen Läufe von Strömen und grofsen Flüffen hingegen ift die Erfparnifs eine fo grofse, dafs der Beftand diefer Schifffahrtsweife als ein geficher ter zu erachten ift. Ebenfo in Canälen, wo das Waffer keine Strömung hat, die Kette oder Seil alfo fowohl für Berg- als Thalfahrt dient, wo überdiefs die kleine Fahrgefchwindigkeit für den Nutzeffect der Schiffsfchraube oder Schaufelräder fehr ungünftig ift und die von denfelben erzeugten Wellen in dem engen Fahrwaffer die Canalböfchungen fchädigen würden. Von gleichem Nutzen ift die Ketten- oder Seil- Schifffahrt in kleineren Flüffen, deren ftarke Strömung und geringe Tiefe die Bergfahrt für freie Dampfer um fo fchwieriger machen, als dafelbft nur kleine Schiffe verwendet werden könnten.
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Zwifchen Ketten- und Seilfchiffen endlich: Die Kette ift wohl fehr theuer, dafür ift fie dauerhaft und ein Kettenbruch durch Einfetzen eines Halbgliedes fehr leicht in kaum einer halben Stunde wieder gut gemacht, während bei einem Seilbruche die Herftellung eines neuen Verbandes fchwierig ift und mehrere Stunden erheifcht, für diefe Zeit alfo die ganze Schifffahrt unterbricht. Beim Drahtfeil ift auch der Umftand fehr mifslich, dafs es durch feine Ausdehnung und Deplacirung, zum Theile auch durch die vielen Biegungen, welche es während der Paffirung der verfchiedenen Leitrollen des Drahtfeil- Schiffes erleidet, oft Schlingen und Knoten bildet, welche, wenn das fpäter kommende Seilfchiff nicht rafch genug zum Stillftande
* Auf der Strecke zwifchen Prefsburg und Wien z. B., wo die Strömung an den verfchiedenen Stellen zwifchen 3 und 5 Seemeilen per Stunde beträgt, befördert bei mittlerem Wafferftande das Kettenfchiff ,, Waag", welches 50.000 fl. koftet, ftromaufwärts bis 15.000 Centner Nettolaft mit 3 Seemeilen durchſchnittlicher Gefchwindigkeit, verbrennt hiebei 6 Centner Kohle per Stunde und erheifcht an Monatslöhnung für die Befatzung 540 fl. Der Raddampfer ,, Almas", welcher auf der gleichen Strecke ebenfalls 15.000 Centner mit circa 34 Seemeilen Gefchwindigkeit remorquirt, koftet 100.000 fl., verbrennt per Stunde 16 Centner Kohle und verausgabt an Mannfchaftsgage 14- bis 1500 fl. Auf der mittleren Donau von Komorn zu den Katarakten, wo die Stromgefchwindigkeit durchschnittlich nur 2 Seemeilen beträgt, befördert der gleiche Dampfer ,, Almas" ftromaufwärts bereits 30.000 Zollcentner Nettolaft in 6 Fahrzeugen vertheilt und fährt da bei dem gleichen Kohlenverbrauche von 16 Centner per Stunde mit einer durchſchnittlichen Gefchwindigkeit von 2 bis 3 Seemeilen. Auf diefer Strecke würde das vorerwähnte Kettenfchiff ,, Waag" höchftens 20.000 Centner befördern und noch immer 6 Centner Kohle verbrauchen. Auf diefer Strecke würde alfo die Erfparnifs an Kohle nicht mehr hinreichen, die übrigen Unzukömmlichkeiten der KettenSchifffahrt auszugleichen, und unterhalb des eifernen Thores, wo die Strömung nur noch 1. Seemeilen beträgt und bis zu 1 Seemeile per Stunde abnimmt, fahren die Schiffe bereits mittelft Segel ftromaufwärts, was umfo leichter, als häufig Oftwinde wehen, und
entfiele fomit die Ketten- Schifffahrt von felber.