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Marinewesen : (Gruppe XVII, Section 1 bis 4) ; Bericht / von Alexander Friedmann, Civiling. in Wien
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Marinewefen.

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alfo die Aenderung des Canalquerfchnittes, trotzdem diefer 20- und 30.000 Quadratfufs beträgt, fehr bedeutend einwirken.* Bei dem hohen Wafferftande von II Fufs 4 Zoll über Null z. B. beträgt die mittlere Gefchwindigkeit des fpäter befchriebenen Donaudampfers Orient" 12:48 Seemeilen, bei dem niedrigeren, aber noch immer bedeutenden Wafferftande von 6 Fufs II Zoll beträgt diefe mittlere Gefchwindigkeit nur mehr 11'68 Seemeilen die Stunde. Dabei ift die mittlere indicirte Arbeit in den Cylindern per Zeiteinheit ftets nahezu diefelbe.

Diefe Refultate find in Folge vielfacher Unterfuchungen feitens der Donau- Dampffchifffahrts- Gefellfchaft mit vielen anderen Dampfern beſtätigt, und ift fo die merkwürdige Thatfache erklärt worden, dafs Schiffe bei Hochwaffer bedeutend fchneller ftromaufwärts fahren als bei Niederwaffer, trotzdem doch in erfterem Falle die Strömung eine bedeutend gröfsere ift.

Jedenfalls geht daraus hervor, dafs die Gefchwindigkeiten der Flufs­dampfer in Europa mit den Gefchwindigkeiten von Seedampfern und von Dampfern auf amerikanifchen Strömen, deren Profile viel gröfser find, nicht direct verglichen werden können. So foll nach amerikanifchen Angaben der amerikaniſche Flufs­dampfer Ifaac Newton" eine mittlere Gefchwindigkeit von 14'8 und der Flufs­dampfer ,, Daniel Drew" fogar 19 4 Seemeilen per Stunde entwickeln, und doch hat der fpäter befchriebene Donaudampfer ,, Orient" günftige Formen, und ift die per Flächeneinheit der eingetauchten Querfection dotirte Kraft des Orient" eine bedeutende, fo dafs die Unterfchiede in den Fahrgefchwindigkeiten zwifchen den amerikanifchen und europäiſchen Flufsdampfern nicht allein in der Schiffs- und Mafchinen- Conftruction, fondern mit auch in den günftigeren Verhältniffen des Fahrwaffers ihre Begründung haben müffen.

Für Waarentransporte in Binnengewäffern ift in neuerer Zeit die Ketten­Schifffahrt und Drahtfeil- Schifffahrt gegenüber der freien Schifffahrt in Con­currenz getreten. Es ift zweifellos, dafs in Flüffen der Transport ftromaufwärts mittelft Seil- oder Kettenfchiffen mit einem viel geringeren Aufwande von Brenn­material bewerkstelligt wird, als mittelft Rad- und Schraubendampfern, und durch die Kohlenerfparnifs allein fchon deren Nachtheile wett gemacht werden, trotz­dem diefe letzteren bedeutend find.

Das Drahtfeil und die Kette erheifchen ein grofses Capital; die deutfche Meile Drahtfeil koftet durchfchnittlich 16.000 fl., die deutfche Meile Kette für eine gleich grofse Zugfähigkeit durchschnittlich 36.000 fl. Bei grofsen Flüffen oder Strömen, wie die Donau z. B., welche auf vielen hunderten Meilen befahren wird, repräfentirt diefs bereits einen fehr bedeutenden Betrag, welcher überdiefs manchmal doppelt in die Wagfchale fällt, da die Kette nur für die Bergfahrt, nicht aber ftromabwärts benützt werden kann. Bei der Thalfahrt wäre nämlich die Gefchwindigkeit für Kette oder Seil zu grofs und würden diefe hiebei rafch zu Grunde gehen. Defshalb müffen auch die Ketten- oder Seilfchiffe, wenn fie für Ströme gut fein follen, wie die fpäter befchriebenen der Donau- Dampffchifffahrts­Gefellfchaft, aufser den Mechanismen zum Auf- und Abwinden und Lenken der Kette oder des Seiles auch behufs Thalfahrt complet wie die freien Dampfer mit kleinen Ruderrädern oder Schraube ausgerüftet fein. Die Koften der Inftandhaltung eines folchen Schiffes find dadurch, dafs hiezu noch die nothwendigen Koften der Inftandhaltung der Kette oder des Seiles zugefchlagen werden müffen, fehr bedeu­tend. Die Mannfchaft eines Ketten- oder Seilfchiffes, alfo auch die Gagen find wohl

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* Bei einem Wafferftande der Donau von 11 Fufs 4 Zoll über Null bei Peft, bei welcher die Strömung 2.62 Seemeilen per Stunde beträgt, fährt der fpäter befchriebene Donaudampfer ,, Orient" ftromabwärts mit 15'11 Seemeilen, ftromaufwärts mit 9-86 Seemeilen Gefchwindigkeit gegen Land; bei einem Wafferftande von 6 Fuís 11 Zoll, am gleichen Pegel gemeffen, beträgt die Strömung der Donau 2'08 Seemeilen, es fährt aber derfelbe Dampfer zu Thal mit nur 13.77, zu Berg mit 9'60 Seemeilen.

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