Marinewefen.
37
diefem ift die Steuerfähigkeit eines gegebenen Schiffes nicht nur von der Gröfse und Art des Steuerruders, fondern wefentlich auch von der Gefchwindigkeit des Schiffes bedingt, und da es oft Fälle gibt, wo das Schiff nicht in voller Gefchwindigkeit befindlich einer erhöhten Steuerfähigkeit bedürftig wäre, erachtet der Berichterftatter, dafs das anfcheinende Aufgeben aller früheren Beftrebungen, eine Lenkbarkeit des Schiffes, zur Referve wenigftens, auch unabhängig vom Steuerruder bewerkstelligen zu können, bedauernswerth ift.
Hydraulifche und Dampf- Steuervorrichtungen waren nicht ausgeftellt. Doch exiftiren derfelben mehrere und verdienen grofse Aufmerkſamkeit. Befonders die hydraulifchen Steuervorrichtungen würden den Vortheil bieten, dafs fie die Steuerung immer vom Mittelfchiffe, den Steuermann in der Nähe des Capitäns, geftatten würden, und hiebei gleichzeitig die jetzige primitive Kettenzug- Vorrichtung aufser Dienft käme. Es würden ftatt ihrer die mehr Sicherheit bietenden Wafferleitungs- Rohre zur Verwendung gelangen und unter Einem für die Perfonendampfer das bewufste Geklirre verfchwinden, welches oft die Paffagiere glauben läfst, dafs das Schiff gerade im Begriffe ift, aus den Fugen zu gehen.
Die ausgeftellten Steuervorrichtungen enthielten übrigens manche beachtenswerthen Details. So war in der italienifchen Abtheilung an dem italienifchen Kreuzer Il Caraciolo", welcher mit einer Zwillingsfchraube verfehen ift, je ein Steuerruder in der Achfe jedes der beiden Propeller angebracht und die beiden Steuerruder fo mit einander gekuppelt, dafs fie fich immer parallel bewegen mufsten. Diefe Anordnung dürfte für manche Fälle, befonders bei Zwillingsfchrauben, fich fehr vortheilhaft erweifen. Befagtes Schiff war angeblich vor Anbringung diefes doppelten Steuerruders fehr wenig lenkbar und befitzt feit deffen Anbringung eine fehr günftige Steuerfähigkeit.
In der englifchen Abtheilung war ein Steuerruder ausgeftellt, welches in der beiftehenden Fig. 17 fkizzirt ift. Es hat zum Zwecke, die Steuerfähigkeit eines Schiffes bei gegebener Fläche des Steuerruders gröfser zu geftalten. Es ift zu diefem Fig. 17.
a
Behufe aus zwei Theilen, dem Hauptfteuer 6 und dem Endfteuer d zufammengefetzt, welches letztere an 6 in gleicher Weife angehängt ift, wie das Hauptfteuer an dem Ruderfteven. Wird das Hauptfteuer b wie gewöhnlich durch die Steuerachfe a gedreht, fo erhält das Endfteuer d dadurch, dafs eine Schleife desfelben über einen fixen Zapfen c gleiten mufs, eine relative Drehung gegen das Hauptfteuer 6 und wird fonach gegen die Mittelebene des Schiffes einen gröfseren Winkel einfchliefsen. Wenn alfo bei der Bewegung das Waffer hinter dem Schiffe einen Theil feiner Wirkung an das Steuerruder b abgegeben und dafelbft einen Druck ausgeübt und eine Ablenkung erfahren hat, wird es auf d unter einem günftigeren Winkel auftreffen, als der Fall wäre, wenn d und b in einer Ebene lägen. Dafür läfst ein folches Steuer Manches an Solidität zu wünſchen übrig.
Im Pavillon des öfterreichifch- ungarifchen Lloyd war ein Steuerrad von F. Petke ausgeftellt, welches beiftehend in Fig. 18 in der Längenanficht, Fig. 19 im Grundriffe detaillirt genug veranfchaulicht ift, um jede nähere Erklärung zu erfparen. Ein Hauptvortheil diefes Steuerrades ift deffen grofse Sicherheit in Folge Anbringung zweier Schrauben und die Leichtigkeit der Auslöfung für Rückkehr des Steuerruders oder für deffen Steuerung vom Mittelfchiffe her.
Ein von Perro y ausgeftellt gewefener Apparat zur Bereitung von trinkbarem Waffer auf Schiffen, feit der letzten Parifer Weltausftellung vielfach zur Anwendung gelangt, verdient befondere Anerkennung. Derlei Apparate find im Wefentlichen Condenfationsvorrichtungen, in welchen der Dampf wie in einem Oberflächencondenfator abgekühlt und das fonach gewonnene Deftillationswaffer durch Filter gereinigt wird. Bevor diefe Deftillationsapparate zur Anwen