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Marinewesen : (Gruppe XVII, Section 1 bis 4) ; Bericht / von Alexander Friedmann, Civiling. in Wien
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Alexander Friedmann.

Eine Verbefferung der ganzen Wärme- Erzeugung behufs Bildung des Dampfes in den Schiffskeffeln, welche fowohl die vorerwähnten rein techniſchen, wie die perfönlichen Verhältniffe günftiger geftaltet, wäre alfo ein wichtiger Fort­fchritt. Es liegt zunächft der Gedanke nahe, bei den Schiffen die Gasheizung einzuführen, welche fich in der Metallurgie fo glänzend bewährt hat, dafs in den­jenigen Walzwerken, Puddlingswerken, Stahlwerken, Glasfabriken etc., wo diefe Gasheizungen rationell angelegt wurden, feit deren Einführung der Kohlenver. brauch faft um 30 Percent fich reducirt hat.*

In den genannten Hüttenwerken freilich werden die Gafe mittelft der bekannten Siemen'fchen Generatoren erzeugt, welche für Schiffe unpraktiſch und unanwendbar find, da fie eine ungeheure Fläche einnehmen, wie fie bei Schiffen gar nicht zur Verfügung ftünde, und überdiefs diefe Generatoren mit Feuerroften verfehen find, welche gerade fo mühfelig, ja noch fchwieriger von den Schlacken rein gehalten werden, als die Rofte der gewöhnlichen Feuerungen der

Schiffskeffel.

Man follte aber doch nicht auf die Vortheile der Gasfeuerung ohne Weiters verzichten. Man könnte ja von den Siemens'fchen Generatoren zu dem Principe der einfacheren Eifen- Hochöfen zurückgreifen. Eifen- Hochöfen find mit die älteften Apparate, die wir überhaupt kennen, und werden bei dieſen ſchon feit Jahrzehnten die der Gicht entftrömenden Gafe aufgefangen und nachträglich fei es zur Luft­erhitzung, fei es zur Heizung von Keffeln verbrannt. Der Raum, welchen ein Hoch­ofen in Proportion zur Kohlenmenge refpective Luftmenge einnimmt, welche in ihm verbrannt wird, ift ja unvergleichlich kleiner als der Raum, welchen eine Summe von Siemens'fchen Gasgeneratoren für gleiche Luftmengen erheifchen, und würde man eine Art Hochöfen ftatt zum complicirten Procefs des Schmelzens und Redu­cirens von Erzen nur einfach zur Deftillation von Kohlen und Erzeugung von Kohlenoxyden verwenden, fo würde fich diefes Raumverhältnifs noch viel günftiger geftalten.

Der Berichterstatter fchlägt defshalb vor, auf den Dampffchiffen einen Schachtofen ungefähr wie einen grofsen Cupolofen, ohne jedweden Feuer roft, aber mit einer verfchliefsbaren Gichtöffnung und Gasauffang- Vorrichtung verfehen, zu disponiren und mittelft eines Ventilators oder fonftiger Gebläfe­vorrichtung und mittelft Zuſchlägen behufs Verwandlung der Afchentheile in flüffige Schlacke zu betreiben.

Beiftehende Fig. 24 zeigt einen folchen Ofen im Verticalfchnitt und Tafel XIII die Gefammtanordnung, wie fie der Berichterstatter foeben im Auftrage der k. k. Kriegsmarine zum Verfuche auf einem Seiner Majeftät Kriegsfchiffe ent­worfen hat. In Fig. 24 ift: aa der Schacht, b Geftelle des Ofens, cift die Gichtungsvorrichtung, durch welche die Kohlen von Zeit zu Zeit tonnenweife in den Ofen hinabgelaffen werden können. Sie iſt nach Art eines Tabernakels combinirt, fo dafs während des Kohlenladens fowie des Herablaffens der Kohle in den Ofenfchacht die Gichtöffnung immer gefchloffen bleibt. Ueberdiefs ift die­felbe von einem Gichtmantel umgeben, welcher durch die Rohrleitung n mit dem

* Diefe grofse Kohlenerfparnifs durch die Gasfeuerungen ift ganz gut erklärlich. Denn erftens gelangen die Deftillationsproducte der Kohlen, welche bei den gewöhnlichen Roftfeue­rungen gröfstentheils unverbrannt mit dem Rauche ins Kamin entweichen, bei den Gasfeuerungen zur vollkommenen Verbrennung. Zweitens ift bei einer gewöhnlichen Roftfeuerung eine ganz­liche Verbrennung des Kohlenftoffes zu Kohlenfäure continuirlich fchon defshalb unmöglich, weil ja der Luftbedarf der brennenden Kohle auf einem gewöhnlichen Feuerrofte jeden Augenblick fich ändert, und es eben nicht möglich ift, für jeden einzelnen Roft in jedem einzelnen Augen­blicke die Luftzuführung dem jeweiligen Verbrennungsftadium der Kohle entſprechend zu regeln, während bei der Gasfeuerung das eigentliche Brennmaterial, Kohlenoxydgas nämlich, nahezu conftante Befchaffenheit hat. Sonach drittens bei einer Roftfeuerung, ftatt dafs alle Kohlen voll­kommen zu Kohlenfäure verbrennen follte, welche 7- bis 8000 Wärme- Einheiten producirt, ein grofser Theil der Kohle unvollkommen, nur zu Kohlenoxydgas verbrennt, welches blofs 2000 Wärme- Einheiten nutzbar geftaltet, bei einer guten Gasfeuerung aber die Verbrennung nahezu vollkommen bewerkstelligt werden kann.