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Marinewesen : (Gruppe XVII, Section 1 bis 4) ; Bericht / von Alexander Friedmann, Civiling. in Wien
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Marinewefen.

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zwei Dochte, deren innerer 32 Millimeter, deren äufserer 41 Millimeter Durch­meffer hat; für Leuchtthürme 3. und 2. Ordnung drei Dochte von 32, 41 und 60 Millimeter Durchmeffer, für Leuchtthürme 1. Ordnung endlich meift vier Dochte, deren äufserfter, gröfster einen Durchmeffer von 72 Millimeter hat. Es waren noch gröfsere Brenner ausgeftellt, fo ein nach Farquuhar von Sautter& Lemon­nier erzeugter Brenner, welcher fechs Dochte enthielt, von denen der fünfte 92 Millimeter, der fechste 112 Millimeter Durchmeffer hatte. Die Leuchtkraft eines vorerwähnten vierdochtigen Brenners ift gleich der von 29 Carcelllichtern, die eines fechsdochtigen Farquuha r'fchen angeblich gleich 77 Carcelllichtern.

Die Lampe der Fig. 29 wird mit Oel genährt; in derfelben wird das Leuchtmaterial mittelft kleiner Pumpen, welche durch ein specielles kleines Uhr. werk bewegt werden, bis zum Niveau der Dochtränder gepumpt, von wo das nichtverbrannte Oel wie bei der Moderateurlampe überfliefst. Die Lampe des Apparates Fig 30 wird mit Petroleum genährt, welches, in dem etwas über dem Niveau der Brenner aufserhalb des optifchen Apparates fituirten Gefäfse E ent­halten, durch ein regulirbares kleines Hähnchen in das verftellbare Röhrchen G eintropft, welches mit der Lampe communicirt und, oben etwas niedriger als das Niveau des Brenners, einen verftellbaren offenen Trichter hat, demzufolge das Petroleum im Brenner nur bis zum Niveau befagten Trichters fteigen kann, während was aus E mehr einfliefst als die Lampe aufzehrt, in das Ueberlaufröhr­chen/ und von da in H fich anfammelt. In beiden Fällen, Fig. 29 und Fig. 30, ift das Oelquantum refpective Petroleumquantum jeden Gefäfses fo grofs, dafs es der Lampe während der längsten Nacht, ohne nachgefüllt zu werden, Material zu liefern vermag.

Das Leuchtmaterial felbft ift gegenwärtig zumeift Rüböl. Doch findet das Petroleum auch bei den Leuchtthürmen allmälig Eingang, feitdem die Bedenken, die feine leichte Entzündlichkeit anfänglich verurfachte, durch gröfsere Vertraut­heit der Wärter mit dem Materiale fchwinden, und Reynaud, der Director des Leuchtthurmwefens in Frankreich, eine grofse Anzahl von Leuchtthürmen mit Petroleumlampen verfehen liefs.

Das nächftfolgende Lichterzeugungs- Mittel, die Verbrennung von Kohle im elektrifchen Strome, war in mehreren Fällen zur Ausftellung gebracht. In allen ward der elektrifche Strom durch fogenannte elektrifche Mafchinen, das ift durch Inductionsapparate erzeugt, welche durch kleine Dampfmafchinen betrie­ben wurden. Die Inductionsapparate find rein phyfikalifche Apparate und als folche Gegenftand der Behandlung anderer Berichterftatter. Hier wiegt nur das Erachten: Erftens ob, vorausgefetzt, dafs die elektrifchen Mafchinen bereits den vollen Grad erheifchter Verläfslichkeit erreicht haben, eine complete kleine Dampfmafchine mit Refervemafchine und completer Dampfkeffel mit Refervekeffel nicht eine umftändliche Inftallation find, ohne Referve- Dampfmafchine und Referve- Dampfkeffel aber der Fall einer Störung in Mafchine und Keffel genügend unfchädlich gemacht werden kann, um jahraus jahrein Nacht für Nacht den In­ductionsapparat zu betreiben; zweitens ob, vorausgefetzt, dafs der regelmässige Betrieb eines Inductionsapparates ebenfo gefichert fei, als der Betrieb der fchlichten Oel- und Petroleumlampen, die Entfernung, von welcher aus diefe letzteren gefehen werden können, nicht genügt, oder eine gröfsere Diftanz Gefah­ren beffer zu vermeiden vermöchte.

Es fcheint, dafs die Praxis diefe beiden Fragen nicht zu Gunften der elektrifchen Beleuchtung erledigt und diefe letztere für Leuchtthürme nur aus­nahmsweife vor fehr frequenten Häfen zweckmäfsig befindet. Gröfsere Wahr­fcheinlichkeit der Verwendung und auch gröfsere Wichtigkeit hat das elektrifche Licht für Dampffchiffe, wo Motoren ohnehin bereits vorhanden find, die Inftalla­tion alfo weniger umftändlich und es manchmal zweckmäfsig ift, nicht nur durch ein gutes Signallicht gefehen zu werden, fondern mittelft guter Reflectoren auf eine gewiffe Diftanz hin eine befchränkte Fläche zur befferen Erkennung zu beleuchten.