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Marinewesen : (Gruppe XVII, Section 1 bis 4) ; Bericht / von Alexander Friedmann, Civiling. in Wien
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Alexander Friedmann.

abfolut dicht zu halten brauchen, und welche überdiefs den Schiffsverkehr zwifchen Canal und angrenzendem Gewäffer nicht wefentlich behindern dürfen, dann können folche Schwimmthore zweckmäfsig nicht verwendet werden und müffen Schleufenthoré, wie diefe vorftehend gelegentlich der Schleufenanlagen von Bordeaux, Hamburg und des Canal Saint Louis befprochen wurden, in Anwen­dung kommen. Auch exiftirt nur ein einziger Fall, und zwar am Einlaufe des Donaucanals bei Wien, wo der Abfchlufs mittelft eines Schwimmthores vorge­nommen wurde. Wien ift aber in diefer Beziehung durchaus unmafsgebend, hat, wie fchon bei Befprechung von Bordeaux und Hamburg erwähnt, für den Werth des Donaucanals als Schiffsverkehrsmittel noch kein Verftändnifs, betrachtet viel­mehr diefen Canal als hiftorifches Inftandhaltungsobject, Unraths- Hauptcanal und Ueberfchwemmungsorgan der Donau, und wenn das Schwimmthor auch den ob mangelnder Quais fehr unbedeutenden Schiffsverkehr behindert, fo hat diefs hier vorläufig wirklich nicht viel zu fagen, und ift als Bekämpfung der Ueberfchwem­mungsgefahr fogar keine üble Beftätigung der Regel, dafs Schleufenthore das Zweckmäfsigere find.

Natürlich ift auch das Baffin de la Citadelle mit dem Vorhafen( Avant­Port) und mit dem Baffin de l'Eure durch Schleufenanlagen in Communication gebracht; doch bedürfen diefe nach den früher gegebenen Befchreibungen von Schleufenanlagen hier keiner weiteren Erörterung, und dürfte ein Blick auf die Tafel XIV genügende Orientirung bieten.

Die Sturzfchleufen d d, welche in der Nähe der Schleufenkammer. E des Baffins de la Citadelle disponirt find, find eigentlich zwei Aquäducte von je 6 Meter Breite und 7 Meter Höhe, welche, mit Schützenvorrichtungen verfehen, eine Communication zwifchen dem Baffin de la Citadelle und dem Vorhafen A, und zwar von der Sohle des erfteren nach der Sohle des letzteren bewerkstelligen, und bezwecken, zeitweife die nöthige Tiefe des Fahrwaffers im Vorhafen, fofern diefelbe nicht durch Baggerungen genügend erhalten werden kann, in folgender Weife herzuftellen: Es werden während der Ebbe die beiden Schleufen E und F. von welchen die erftere das Baffin de la Citadelle, die letztere das Baffin de l'Eure mit dem Vorhafen A verbindet, gefchloffen, hingegen die Schleufen G, H und K, welche das Baffin de l'Eure mit den Baffins de la Citadelle, Vauban und dem Baffindock verbindet, geöffnet und fodann die Schützen der beiden Sturz­fchleufen d in die Höhe gezogen. Da während der Ebbe die Niveaudifferenz zwifchen dem Waffer in diefen Baffins und dem Waffer im Vorhafen über Meter beträgt, fo ftürzt, fo wie die Schützen der Sturzfchleufen gehoben werden, durch diefe letzteren das Waffer aus den vier mit einander communicirenden Baffins mit Wucht in den Vorhafen hinaus und räumt Schlamm und Verfandung desfelben weit in die offene See. Wenn die Schützen nur fo lange offen gehalten werden, bis der Wafferftand in diefen drei Baffins um 1 Meter finkt, fo ift hiedurch fchon, da diefelben zufammen eine Oberfläche von 39 Hektaren darftellen, ein Waffer­quantum von 390.000 Cubikmeter Waffer hinausgeftürzt, reichlich genügend, um das Fahrwaffer des Vorhafens frei zu machen.

Der dem Plane Taf. XIV beigegebene Mafsftab ermöglicht die Abmeffung der Hauptdimenfionen. Die einzelnen Details der Bauausführung, die Dimenfionen der Quaimauern, deren Fundirung etc. etc. bieten, befonders nach den früher für Bordeaux und den Canal Saint Louis befchriebenen Bauausführungen nichts befonders Neues.

Die Gefammtauslage für die Herſtellung des Baffins de la Citadelle fammt Schleufenanlagen. Trockendocks und Dependentien und einer 150 Meter langen Quaimauer des Vorhafens zwifchen der Einmündungsftelle des Baffins de la Citadelle und des Baffins de l'Eure in den Vorhafen beträgt 9,801.000 Francs.