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Eisenbahn-Unter- und Oberbau : (Gruppe 18, Section 2) ; Bericht : 1 / von Franz Rziha
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I. Die geschichtl. Entwickelung u. d. Culturwerth d. Eisenb.

gekennzeichnet, welche der Entwickelung des Eisenbahnwesens überhaupt und des Eisenbahnbaues im Besonderen galten.

Alle diese Schaustücke boten im Vereine mit den Objecten aus der Eisenbahngeschichte der verschiedenen Länder, und im Zusammenhalte mit der fachlichen Gesammtvertretung und der Re­präsentation des civilisatorischen Fortschrittes auf der Wiener Welt­ausstellung eine vehemente Stofffülle zum ernsten Studium über die Entwickelung und die culturelle Bedeutung der Eisenbahnen im All­gemeinen und der Wissenschaft des Eisenbahnbaues im Besonderen.

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Und wenn das Streben des Einzelnen, sich darüber klar zu werden, welchen Antheil der erwählte Beruf an dem Cultur­gebäude hat, das die Menschheit seit ihrem Entstehen errichtet, durch jede Weltausstellung die ja immer den Charakter einer Culturblüthe der Zeit trägt und in dieser Form ihren ethischen Nutzen entströmen lässt einen neuen, werthvollen Impuls erhält: so war dies in der Ausstellung zu Wien in unserem Fache ganz besonders und in einem Maasse der Fall, wie solches bei keiner der früheren Weltausstellungen erkenntlich war. Die Ausstellung zu Wien bot demnach gerade für uns Eisenbahningenieure einen expositionellen, bedeutsamen Fortschritt, der sich in der Kenn­zeichnung des Werthes der historischen Methode" für unsere Studien erwies. Diese Methode, entsprungen dem histo­rischen Sinne der Deutschen, hat ja bekanntlich gerade die deutsche Wissenschaft, wie es uns Dr. Döllinger zu München so eingehend in seiner berühmt gewordenen Inaugurationsrede über die Universi­täten von Sonst und Jetzt" erkenntlich macht und wie wir Inge­nieure sie unter Anderem in den Prachtarbeiten der beiden Heidel­berger Professoren Arneth und Jolly auf dem Gebiete der Mathe­matik und der Mechanik schätzen gelernt haben, auf jene Höhe geschwungen, die wir die universale Richtung nennen und deren Früchte wir heute schon in mannigfachen Formen ernten. Nur die Ingenieurwissenschaften entbehren noch im Rahmen der deutschen Literatur der völligen Durchbildung der historischen Methode, und es muss daher jeder Anlass begrüsst werden, sich ihr durch Beiträge widmen zu können; denn die Erfolge, welche die englischen und die französischen Ingenieure bereits aus den Arbeiten von Edward Cresy und von Morandiere ziehen, und welche