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Eisenbahn-Unter- und Oberbau : (Gruppe 18, Section 2) ; Bericht : 1 / von Franz Rziha
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I. Die geschichtl. Entwickelung u. d. Culturwerth d. Eisenb.

pfinden muss und dass es staatspolitisch nothwendig ist, alle indirecten Erwerbsquellen des Eisenbahnbaues innerhalb die Gren­zen des Staatenverbandes zu legen.

3. Beförderung der Wohlhabenheit der Baugegend.

Die vorhin angedeutete Höhe des Geldumsatzes, welcher sich direct in der Baugegend vollzieht und zum grössten Theile daselbst verbleibt, erklärt vollkommen die Thatsache, dass der Wohlstand der Baugegend mit dem sich vollziehenden Bahnbaue wie mit einem Schlage mächtig wächst, und diese plötzlich eingetretene Einnahms­quelle hilft der Baugegend in Wirklichkeit so auf, dass ihr ge­sammtes Wirthschaftsleben, welches den besitzenden Stand ebenso tangirt wie den Handels- und Gewerbestand und wie die örtliche Industrie, mit der Festnagelung der letzten Bahnschiene in eine neue Epoche getreten ist, welche durch die Erzielung materieller Unterlage jene weiteren Wirthschaftsthaten vorbereitet, die das Dampfross, einmal auf den Schienen laufend, potenzirt.

4. Beitrag zur Lösung der socialen Arbeiterfrage.

Der oben gegebene ziffermässige Ausdruck der Arbeiterzahl, wenn er auch, wie schon mehrmals betont wurde, nur ein ganz genereller und beispielsweiser sein kann, genügt vollkommen, um die Quote zu taxiren, welche der Eisenbahnbau in der staatspoliti­schen Arbeiterfrage absorbirt. Sie erscheint staatswissenschaftlich umso intensiver, als gerade der bei den Erd-, Felsen- und Schotter­arbeiten, sowie bei den Hilfeleistungen als Taglöhner beschäftigte Eisenbahnarbeiter das tiefststehende Arbeitselement repräsentirt, weil er seinem Arbeitsobjecte nur mit seiner Muskelkraft dienen und ihm die vervollkommnetere Gestalt nur in ganz untergeordnetem Maasse geben kann, das heisst, weil ihm die Triebfeder der Vered­lung seiner Arbeitsleistung, also jenes ethische Moment abgeht, welches den Menschen immer höher hebt. Die Uniformität der Arbeit in den quantitativ überwiegenden Theilen des Eisenbahn­baues lenkt die Seele des betreffenden Arbeiters ab von seinem Thun, er sinkt zur Muskelmaschine herab, und dieser Abgang der ethischen Kraft hält ihn auf dem tiefsten socialen Stande der arbei­