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Eisenbahn-Unter- und Oberbau : (Gruppe 18, Section 2) ; Bericht : 1 / von Franz Rziha
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I. Die geschichtl. Entwickelung u. d. Culturwerth d. Eisenb.

Die Strassen und Canäle, früher die einzigen Vermittler des Verkehres, haben indess in der Gegenwart diesen ausschliess­lichen Charakter verloren; sie haben dem heutigen Bahnverkehre nur zum Uebergangsstadium des Culturganges der Menschheit ge­dient, haben die Empfänglichkeit der Länder für dieses moderne Culturmittel vorbereitet und dienen heute, wie bemerkt, in den mit Bahnen dicht besetzten Ländern, mit geringen Ausnahmen( und bis zu einem gewissen Grade bezüglich der mit den Bahnen etwa noch im Frachtpreise concurrirenden Strassen und namentlich Canalstrecken) lediglich als die Venen des Cultur­ganges. In diesen Ländern und jedes Land hat das Gleich­gewicht zwischen Strasse und Canälen einerseits und den Bahnen anderseits achtsam zu verfolgen

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in diesen im Bahnver­kehre wesentlich gehobenen Ländern also steht indess keines dieser Verkehrsmittel so hoch, als jenes der Eisenbahnen, denn keines verkürzt die Zeit des Transportes einer grossen Menge von Indivi­duen und Mittheilungsobjecten in solchem Maasse, wie der Bahn­verkehr.

Man kann demnach behaupten, dass der heutige, so wesent­lich erhöhte Stand des durchschnittlichen Bildungsgrades eines Volkes in erster Reihe dem Eisenbahnverkehre zu verdanken ist.

Und die Erscheinungen in der Culturgeschichte bestätigen auch diese Behauptung; denn in der Zeit der Eisenbahnen sind beispielsweise an Individuen gänzlich verschwunden: a) der Philister als Prototyp der Schollenklebung und als Stichblatt des individuell erwachten Wissens;

b) der Stubengelehrte in der alten Bedeutung, und c) der fechtende Handwerksbursche, dieser Transporteur

der Zunft.

Es sind weiters an menschlichen Sitten die National­tracht und an menschlichen Leidens chaften beispielsweise der Religion shass und der Nationalitätenhass rascher denn früher im Verschwinden begriffen; und es hat sich anderseits bei­spielsweise die allgemeine Kenntniss der Sprachen, der Natur­wissenschaften( letztere jetzt im Darwinismus gipfelnd) sowie die naturwissenschaftliche Richtung der Philosophie wesentlich ge­