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Eisenbahn-Unter- und Oberbau : (Gruppe 18, Section 2) ; Bericht : 1 / von Franz Rziha
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4. Sprengmittel.

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die Explosion einer beliebig grossen Ladung gewisser Explosivstoffe, zu denen auch Nitroglycerin und Schiesswolle gehören, mit sich. Das Nitroglycerin fand rasch die ausgebreitetste Anwendung im praktischen Bergbaue, als eine Reihe furchtbarer Unglücksfälle ( 1866) dessen Unverlässlichkeit im Transporte bewiesen und fast alle Staaten zu Prohibitivmassregeln veranlassten, welche auch diesen Sprengstoff, ebenso wie seinen Nebenbuhler Schiesswolle, für immer von der praktischen Anwendung auszuschliessen schienen.

Derselbe Zeitpunkt, 1866, an dem Schiesswolle und Nitro­glycerin für immer vom Schauplatze der Sprengtechnik zu ver­schwinden schienen, sollte jedoch sonderbarerweise fast unvermittelt zur chronologischen Ausgangsstelle der ausgedehntesten Ver­wendung beider Explosivstoffe( wenn auch in veränderter Form angewandt) werden.

Abel, der Director des chemischen Laboratoriums in Woolwich bei London, machte durch einige Modificationen des von dem österreichischen General( jetzigen Feldmarschalllieutenant) Baron Lenk eingeführten Fabricationsprocesses und durch praktische Verwerthung der Nobel'schen Detonationszündung die Schiesswolle zu einem Sprengstoffe, der alle Anforderungen an ein Sprengmittel in Bezug auf Sicherheit und Stabilität genügend erfüllte und zu­gleich durch seine hohe Kraft gegenüber dem Schwarzpulver in wichtigen Zweigen der Militärtechnik und auch in der Civilpraxis so grosse Vortheile bot, dass eine in grossem Massstabe angelegte Fabrik in England den reichsten Absatz fand. Gleichzeitig fand A. Nobel ein Mittel, die Gefahren des flüssigen Nitroglycerins dadurch zu vermeiden, indem er diesen Sprengstoff durch poröse Körper aufsaugte und so Pulver von teigiger, plastischer Beschaffenheit erhielt, welche mit einer dem reinen Nitroglycerin nahekommenden Kraft zugleich eine das alte Sprengpulver übertreffende Sicherheit im Transporte, der Lagerung und im Gebrauche besitzen.

Diese neuen Sprengstoffe, Dynamite" genannt, haben rasch die ausgedehnteste Anwendung gefunden, und haben die seit 1867 eingeführten Fabriken( circa 20) folgende Quantitäten erzeugt:

Jahr

Zollctr.

1867 1868 1869 1870 1871 1872 1873 1874 1875 220 1 560 3.700 8.480 15.700 27.000 41.000 62.40

62.400 80.000