I. Fundirungen.
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operirt vom Tage aus mittelst Transmissionen auf der Sohle; man unterscheidet desshalb auch Senkarbeit mit Sümpfung der Wasser und Senkarbeit ohne Sümpfung der Wasser.
Die erstere Senkarbeit ist selbstredend die weit einfachere, aber die ungemein gefahrvollere, wenn die Schachtsohle tief unter dem Niveau der Grundwasser liegt, demnach die Gefahr der Durchbrüche der Sohle in eminenter Weise vorhanden ist. Man kann desshalb die Senkarbeit mit Sümpfung der Wasser nur dann vornehmen, wenn das Gebirge eine gewisse Consistenz hat, wenn die Gebirgswasser gering sind und wenn die Schachttiefe nicht gross ist. Sind diese drei Arbeitsbedingungen nicht vorhanden, so muss man, wenn man sich der Wasserverdrängung mittelst comprimirter Luft nicht bedienen will, oder bei sehr grossen Tiefen nicht bedienen kann, die Wasser aufgehen" lassen und ohne Sümpfung senken; und es geht schon aus diesen Andeutungen hervor, dass die Senkung mit Sümpfung in der Regel ein einfaches technisches Unternehmen ist, während die Senkung ohne Sümpfung ein technisches Gebiet berührt, dessen Entwickelung zu einer Specialität geworden ist, die heute schon als eine Zierde technischen Wissens und Könnens dasteht.
Im Brückenbaue hat man bisher vorzugsweise nur die Senkarbeit mit Sümpfung der Wasser beachtet; im Bergbaue dagegen, weil man in Tiefen dringen musste, denen die anwendbare Kraft der comprimirten Luft nicht gewachsen ist, insbesondere die Senkarbeit unter Wasser wesentlich cultivirt, und besteht, wie schon bemerkt, der zu erwartende diesfällige Fortschritt im Brückenbaue in der Ausnützung dieser im Bergbaue gewonnenen Erfahrungen.
Wenden wir uns nun in Kürze der Geschichte der Senkarbeit zu, so haben wir unter der Hinweisung darauf, dass die Herstellung von Senkbrunnen in kleineren Dimensionen schon seit langer Zeit bekannt ist( ,, Theatrum Machinarum" von Leupold, Leipzig 1774; Senkung des 232 Fuss tiefen Brunnens zu Amsterdam), vor allem der ausgezeichneten Leistung zu gedenken, welche Sir Isambert Brunnel am 16. Februar 1825 mit der Niedersenkung eines 50 Fuss im Durchmesser haltenden Schachtes bis in 582 Fuss Teufe zu Zwecken des Themsetunnelbaues begann.