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Eisenbahn-Unter- und Oberbau : (Gruppe XVIII, Section 2) : 2 / Bericht von Franz Rziha
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Brückenbau.

nischen Provinz Umbrien( Perugia). Dieser Aquäduct besteht aus 2 Etagen mit 10 unteren Oeffnungen von je 21., Meter Spannweite und 30 oberen Bogen, welche eine Rinne tragen, in der das Wasser nach der Stadt Spoleto über den Wildfluss Mareggia geleitet wird. Vornehmlich aber zeichnet sich der Spoletaner Brückenbau durch seine ausserordentliche Höhe aus. Die Kämpferhöhe wird mit 80. Meter über Sockel und mit 89., Meter über dem tiefsten Terrain­punkte angegeben. Die Gesammthöhe wird verschieden notirt; nach Meyer beträgt sie 108.54 Meter, nach den Zeichnungen von Gauthey und Wiebeking 132 Meter, nach Fontenay und Morandiere circa 130 Meter; überall aber wird der Aquäduct von Spoleto als der höchst­ragende Brückenbau der Welt und um dessentwillen als eines der kühnsten und staunenswerthesten Werke der Ingenieure ange­sehen. Es ist indess bei diesem Brückenbaue nicht ohne Interesse, darauf zu achten, dass die meisten technischen Werke und viele Kunstkritiker ihn wegen zweier Eigenschaften, nämlich wegen des angeblichen Spitzbogenstyles und wegen der angeblich fabel­haft schlanken Pfeiler( 3., Meter Stärke bei 80.0 Meter Höhe), geradezu verherrlichen, Eigenschaften, die dem Werke von Spoleto durch Gauthey, Wiebeking, ja selbst neuestens von Morandiere und auch von Baumeister beigelegt worden sind. Nach mir mitgetheilten Photographien vom Spoletaner Aquäducte liegt hier aber nur ein Irrthum vor, denn dieser Bau ist im Rundbogenstyl errichtet und seine Pfeiler sind in so enormen Stärken ausgeführt, dass die Thal­überbrückung eher den Eindruck einer kolossalen, durchbrochenen Mauer, denn eines schlanken Pfeilerbaues macht. Nach dieser That­sache entfallen alle kunstkritischen Schlüsse, welche den Spoletaner Brückenbau als ein kunstgeschichtliches Räthsel hingestellt haben und der hohen Technik des gothischen Styles zur Zeit Theodo­richs, wie der Meisterschaft in der Construction der unnachgeahmt schlanken, hohen Pfeiler, also der die Römer weit überragenden Technik das Wort redeten. Es scheint, als ob die Zeichnungen von Gauthey( und hiernach jene von Wiebeking, Morandiere und Andern) aus Ueberlieferungen stammen, welche die geringe Breite des Via­ductes als die Pfeilerstärke im heutigen Sinne der Technik, und viel­leicht eine geringe Ueberhöhung des Rundbogens( aus den Photo­graphien nicht genau erkennbar), sofort zum Spitzbogen stempelten.