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Eisenbahn-Unter- und Oberbau : (Gruppe XVIII, Section 2) : 2 / Bericht von Franz Rziha
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III. Steinerne Brücken.

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Bezüglich der Brücke zu Martorell wird angenommen, dass Hannibal sie zu Ehren seines Vaters erbaut hat, und bezüglich der Lissaboner Brücke muss wegen der Schlankheit ihrer Pfeiler und der durch ihre Formen ausgeprägten Werkkunst geschlossen werden, dass sie ohne schöne Vorbilder und ohne bautechnische Erfahrung in diesem Style nicht zu errichten war, und man kann desshalb sich der Annahme hinneigen, dass diese beiden Werke von fremden Baumeistern errichtet wurden, und dass sie, sofern die Quellenan­gaben ihres Alters sich bestätigen sollten, mit unter die Ausgangs­punkte der Gothik in Europa zu zählen sind, deren Blüthezeit im Kirchenbaue in Deutschland ja erst in das XIII. und vornehmlich erst in das XIV. Jahrhundert( Gründungsjahre: Dom zu Köln 1248, zu Regensburg 1275, zu Strassburg 1277 und zu Wien 1359) fällt.

S. 3. Der Verfall des Brückenbaues. ( 375 bis 1096.)

Das Eindringen der asiatischen Horden nach Europa, dem in unserer Zeit der Gang der Cultur nach Asien entgegengestellt wird, und der Verfall des römischen Reiches zerstörte auch die Brücken­bauten jener Zeit. Selbst Karl der Grosse, der bekanntlich aus Spanien Baumeister berief und der im gelehrten Vereine mit Alcuin, Dietwurf, Eginhard und Rikulpf bemüht war, Kunst und Wissen­schaft wieder aufzurichten und Bauten zu erhalten, hat trotz seiner Reisen nach Italien und zwischen den Bisthümern von Osnabrück, Minden, Paderborn, Bremen und Aachen, so viel bekannt, keine neuen grösseren Brückenbauten errichtet, sondern sich nur auf die Ausbesse­rung alter Werke( z. B. Mainz 803) und auf die Schlagung von Schiffbrücken und hölzernen Brücken beschränkt.

Dieser traurige Verfall eines der wichtigsten Zweige der Bau­kunst dauerte bis zu den Kreuzzügen, allwo, bedingt durch die Massenbewegung der Menschen, wieder der Werth des Weges empfunden und dadurch erkannt wurde.

Indessen ist auch diese traurigste Periode in der Geschichte des Brückenbaues in Europa nicht ohne einen leuchtenden Punkt geblieben; es ist dies der von dem Gothenkönige Theodorich dem Grossen( 455-526), oder wie er im Nibelungenliede genannt wird, von Dietrich von Bern erbaute Aquäduct von Spoleto in der italie­

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